Claudia Roth klagt an "Internet-Mob ruft zur Jagd auf nicht weiße Menschen auf"

Claudia Roth stört sich an der Diskussionskultur im Internet. Foto: dpa

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth hat angesichts der Übergriffe von Köln einen stärkeren Einsatz gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen angemahnt. Zudem kritisierte sie die Diskussionskultur im Internet.

 

Berlin - "Ein großer Teil der derzeitigen Empörung richtet sich aber nicht gegen sexualisierte Gewalt, sondern auf die Aussagen, dass die potenziellen Täter nordafrikanisch und arabisch aussehen", sagte Roth der "Welt".

Nötig seien Prävention, eine größere Polizeipräsenz an den Brennpunkten, intensive Opferberatung, Aufbrechen patriarchaler Strukturen und eine klare Bestrafung der Täter.

"Aber dieses Thema nun für eine Anti-Flüchtlingskampagne zu missbrauchen nach dem Motto, die sind ja alle so, das ist brandgefährlich", sagte Roth. Zudem sei es falsch, so zu tun, "als wären die Vorfälle aus der Silvesternacht die ersten Ausbrüche sexualisierter Gewalt in unserer Gesellschaft". Es gebe auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen, meinte die Bundestagsvizepräsidentin.

Mit den oftmals hart an der Grenze zur Fremdenfeindlichkeit geführten Diskussionen im Internet sowie den Angriffen gegen ihre Person geht Roth hart ins Gericht: "Vor allem im Internet schreitet die Verrohung in der Debatte voran. Dort macht sich schon ein organisierter Mob daran, zur Jagd auf nicht weiße Menschen aufzurufen und Rache zu üben. Für manche scheinen die schrecklichen Vorfälle von Köln wie gerufen zu kommen für ihre Hetze.

Es werden Gewalt- und Vergewaltigungsfantasien ausgelebt, auch gegen Menschen wie mich. Das zeigt, dass diese Sorte Empörter und vermeintlichen Beschützer der Opfer eigentlich Brüder im Geiste der Kölner Gewalttäter sind. Um die Frauen, die angegriffen wurden, kümmert sich da niemand."

 

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