Christl Estermann gerührt Löwen-Legenden verabschieden sich von Kult-Wirtin

, aktualisiert am 07.11.2018 - 18:09 Uhr
Beim TSV 1860 geht eine Ära zu Ende: Nach über 20 Jahren geht Löwenstüberl-Wirtin Christl Estermann in den Ruhestand. Die Bilder vom Abschiedsfest an der Grünwalder. Foto: Ulrich Wagner

Am Ende des Jahres geht die Löwenstüberl-Wirtin in den wohlverdienten Ruhestand. Am Mittwoch verabschiedeten sich eine Vielzahl an Legenden des TSV 1860 ganz persönlich von Christl Estermann.

München - Antreten, Ex-Löwen! Bei Sonnenschein durfte Christl Estermann, Kult-Wirtin des Löwen-Stüberls, gestern anlässlich ihres baldigen Abschieds eine große Gruppe an Gästen an ihren Biertischen begrüßen. Nicht irgendwelche. Es waren die größten Legenden des TSV 1860.

"Das ist ein Wahnsinns-Aufgebot. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals so viele Löwen auf einmal bei mir waren. Ich bin wirklich sprachlos", sagte eine überwältigte Estermann, die sich im blauen Löwen-Dirndl nochmal in Schale geworfen hat, aber zum Jahreswechsel zusperren wird – mit 75 Jahren. Löwen-Fan und Stüberl-Stammgast Gerhard Stirner hatte zum Abschiedstreff geladen. "Schade, dass die Christl aufhört. Aber irgendwann wird es halt Zeit. Es ist eine ganz tolle Geschichte, wer alles hier ist. Das hat mich selbst überrascht und zeigt, wie beliebt sie bei uns allen war", erklärte Meisterlöwe Peter Grosser der AZ.

Thomas Miller: Die Christl "ist eine Institution"

Auch für Thomas Miller war es eine Selbstverständlichkeit, der Wirtin vor ihrem "Karriereende" noch einen Besuch abzustatten. "Die Christl ist seit über 25 Jahren da. Sie ist eine Institution. Es gehört sich einfach, ihr einen gescheiten Abschied zu bereiten", erklärte der Löwen-Kämpfer der AZ. "Lauter Verbrecher!", schimpfte Miller mit Blick in die Runde vieler berühmter Löwen – und ließ grinsend einen weiteren Spruch folgen: "Das Einzige, was wir den Bayern voraushaben? Wir haben wenigstens eine vernünftige Vereinswirtschaft!"

Benny Lauth ergänzte ehrfürchtig: "Schee, dass alle da sind. Ich bin schon als kleiner Bub im Stüberl gesessen, habe Miller oder Manni Schwabl als Balljunge die Kugeln zugeworfen." Vom Kapitän des Titelträgers von 1966 über Miller, dessen Kult-Trainer Werner Lorant und den jetzigen Haching-Präsidenten Schwabl, der sich auch gestern seine geliebten Schinkennudeln schmecken ließ, bis Rekordtorjäger Lauth: Alle waren sie gekommen zum Beisammensein mehrerer Generationen Giesinger Erfolgskicker. Auch Trainer Daniel Bierofka schaute nach dem Training kurz vorbei und posierte für das Gruppenbild. Für die Christl gab’s Blumen, für die Gäste ein Weißwurstfrühstück. Inklusive dem ein oder anderen Weißbier, versteht sich.

Lorant: Ein Unding, dass die jetzigen Spieler nicht mehr kommen

Erst im Stüberl, wo Christl mit Blumen geehrt wurde, danach im Biergarten: Christl und Legenden ratschten, lachten – und schwelgten in Erinnerungen. "Ich gehe immer gerne rein, aber das Stüberl war ja eigentlich erst nach meiner Zeit. Hauptakteur war Werner Lorant", erkannte Grosser: "Und der Werner prägte mit dem Durchmarsch aus der Bayernliga bis in die Champions-League-Qualifikation die einzige richtige Ära nach den Erfolgen Meisterschaft und Pokal."

Lorant, bis heute mit Estermann verbunden und früher gerne im Stüberl, um seinen "Expresso" zu genießen, herzte Christl: "Sie hat ihre Sache immer sehr gut gemacht, ist eine Freundin geworden." Werner "Beinhart" über seine früheren Routinen: "Ich habe hier Pressekonferenzen gehalten und in Einzelgesprächen auch mal die Spieler zusammengefaltet."

Zwei Dinge, die dem notorischen Grantler Lorant aufstießen: "Ein Unding, dass die jetzigen Spieler nicht mehr kommen. Manche können nichtmal mehr grüßen, wenn sie vorbei gehen." Und: "Das Training ist zu lasch. Da muss der Biero mal in die Gänge kommen." In einem waren sich sämtliche Löwen-Granden und die Christl einig: Sechzig gehört in eine ganz andere Liga.

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