Champions-League FC Bayern reist nach Donezk: "Geht ans Herz"

Abflug: Die Bayern Pizarro (l.) und Dante (r.) am Airport. Foto: dpa

Die Bayern reisen zum Auswärtsspiel gegen Donezk, das wegen des Kriegs aber in Lwiw stattfindet. Karl-Heinz Rummenigge dankt Kanzlerin Angela Merkel.

 

München - Es ist eine der zeitlich am kürzesten bemessenen Europacup-Reisen in der Geschichte des FC Bayern und sicherlich die mit dem mulmigsten Gefühl. Der Trip in die Ukraine zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Schachtjor Donezk am Dienstag (20.45 Uhr/Sky live), ausgetragen in Lwiw, rund 1200 Kilometer von der Konflikregion im Osten des Landes entfernt.

„Das ist schon im Kopf, geht einem jeden ans Herz“, sagte Arjen Robben, „wir sind zwar Fußballspieler, aber zu allererst Menschen. Man verfolgt das alles. Solche Kriege und so eine Krise, das nimmt einen mit. Man fährt da nicht hin und schaltet das alles aus.“

Das Abschlusstraining hält Bayern am Montagvormittag noch an der Säbener Straße ab, bevor es zum Münchner Flughafen geht. Abflug mit Lufthansa-Sonderflug LH 2570 in Richtung West-Ukraine ist um 14.45 Uhr, knapp 38 Stunden später, Mittwochmorgen um 2.15 Uhr, sind die Münchner schon wieder in der Heimat. Sogar auf das übliche Mitternachtsbankett verzichtet man dieses Mal, all zu viele Sponsoren und Vips hatten sich ohnehin nicht für das Auswärtsspiel in der Ukraine interessiert. „Die Uefa hat entschieden, dass wir jetzt da spielen, wo wir spielen“, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, „das haben wir zu akzeptieren. Wir sind ein Stück zufrieden, weil die Kanzlerin letzten Donnerstag diesen Waffenstillstand erreicht hat. Deswegen sehen wir diese Sache etwas entspannter.“

Dennoch war es diesmal keine altbekannte Organisation des Trips wie sonst nach Manchester, Mailand oder Madrid. „Von unseren Spielern muss sich keiner Sorgen um die Sicherheit vor Ort machen“, sagte Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick. „Wir haben uns bei der Uefa erkundigt, beim Auswärtigen Amt und bei der deutschen Botschaft in Kiew. Für uns besteht keine Gefahr“, sagt Reiseleiter Robert Ostermeier vom Veranstalter „FCB Tours“. Rund 400 Personen stark wird der Tross dennoch sein. 1700 Fans erwarten die Bayern in der „Arena Lwiw“, die wohl nicht ganz ausverkauft sein wird (Kapazität 35000).

Das Stadion in Donezk, die „Donbass Arena“, noch im Sommer 2012 Spielort der EM, ist durch Bomben- und Granateneinschläge schwer beschädigt. Seit Monaten trägt daher Schachtjor, der Klub des milliardenschweren Oligarchen Rinat Achmetow, seine Heimspiele in Lwiw aus. Dass sich daran trotz der momentanen Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien des Krieges mit mehr als 5000 Toten bald etwas ändert, scheint derzeit aber ausgeschlossen. „So lange die Situation in Donezk so ist, wird Schachtjor dort spielen“, teilte die Europäischen Fußball-Union mit. Bayern-Trainer Pep Guardiola äußerte sich „besorgt über die Situation in der Ukraine“, auch Rummenigge sprach von einem Spiel „unter speziellen Voraussetzungen“.

Am liebsten hätte man: schnöden Alltag, rein sportliche Themen. „Das Spiel gegen Donezk wird mit Sicherheit schwerer als gegen den HSV“, sagte Rummenigge vor dem ersten Duell in Bayerns Europacup-Historie mit Schachtjor. 13 (!) Brasilianer stehen im Team der Ukrainer, mit Luiz Adriano der aktuell Führende in der Torschützenliste der Champions League (neun Treffer).

Doch Pep Guardiola kann aus drei Gründen optimistisch sein. Er wird Xabi Alonso wieder einsetzen können, der gegen den HSV wegen muskulärer Probleme aussetzte. Er hat in vier Duellen mit dem FC Barcelona gegen Donzek drei Mal gewonnen (2008/09 und 2011/12). Und: der Schiedsrichter ist ein Landsmann. Es pfeift das Team des Spanier Alberto Undiano Mallenco, der zuletzt den 1:0-Heimsieg gegen Manchester City im September leitete. Drei gute Omen also.

FC Bayern vor Donezk: Dank an die Kanzlerin

 

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