"Café Platzhirsch" Der Hirsch am neuen Platz

Hauptsächlich ernähren sich die Gäste hier flüssig, je nach Tageszeit von Cappuccino oder Gin Tonic. Diese Vitrine aber, die verführt. Foto: Sigi Müller

Einen Sommer lang mussten wir verzichten, jetzt ist der Platzhirsch zurück: Die Café-Kneipe hat am Oberanger aufgemacht

 

Eine Kopie vom „Platzhirsch“ wird es nicht geben, das hatte Christoph „Tchisi“ Schlundt damals gesagt, als die Oma-Café-Szene-Kneipe am Viktualienmarkt ihre Türen im ersten Stock schließen musste. Im Mai war das, mit der Sanierung des Gebäudes war das Ende des Lokals besiegelt. Eigentlich.

Eigentlich wollte Tchisi ein neues Konzept fahren, eine American Bar vielleicht, aber dann stieß der Wirt auf dieses Objekt am Oberanger. Das „Treemans“ war gerade ausgezogen aus dem schlauchförmigen Laden. Gesucht hatte er lang, und ausgerechnet in Spuckweite vom alten Platzhirsch wurde er fündig. „Ein Zufallstreffer“, sagt er. Da lag eine Wiederauferstehung des Hirschen auf der Hand. „Schön für die alten Stammgäste.“

Die, für die der Platzhirsch ein verlängertes Wohnzimmer war, die, die meinten, um ein zweites Lokal wie dieses zu finden, müsse man nach New York auswandern. Eins, das beispielhaft den Wandel vom plüschigen Oma-Café am Tag zur g’spinnerten Retro-Bar am Abend meistert, in der DJ Rockabilly auflegt, in der Drinks schmecken und die Leute sympathisch sind. Der Harley-narrische Wirt mit Hosenträgern mittendrin.

Im Eingangsbereich jetzt die erste Wiedersehensfreude: Neben einem Weihnachtsbaum sind die grün-geplüschten Stühle um Tische drapiert. Im Schlauch zum hinteren Raum die Bar, hinter der ein neuer, riesiger Hirsch röhrt. In der Vitrine Tartes und Eclaires, Sandwiches und natürlich der Schinken-Käse-Toast, außerdem Kuchen und Torten vom Café Kubitschek.

Hinten verbreitert sich das Lokal in ein kuscheliges Kaminzimmer mit Kristalllüster und Brokattapete. „Ich muss noch Platz finden für die Staubfänger“ meint Tchisi und schaut sich im neuen Laden um. Einiges an Nippes hängt schon wieder, die Patina müssen ausgelassene Feiern wiederbringen. Denn auch wenn hier wieder ein Platzhirsch entstanden ist, ist es doch ein zweiter, ein neuer Laden.

„Mich haben die neuen Möglichkeiten gereizt“, sagt Tchisi. Das Kaminzimmer kann unabhängig vom restlichen Lokal bespielt werden, das macht es ideal für private Feiern. Den Blick vom ersten Stock auf den Viktualienmarkt gibt es nicht mehr – dafür laufen an der Fensterfront jetzt Passanten vorbei, können den Platzhirsch für sich entdecken. Und im Sommer wird es ein paar Plätze draußen geben. Ansonsten soll vieles werden wie früher. Oma-Café am Tag, Gas geben bei Nacht. Der Hirsch röhrt wieder. 


Oberanger 26, Mo. bis Sa. 11 – 1 Uhr, www.platzhirschen.de, Tel.: 24 29 37 11

 

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