Bußgelder für Müllsünder Mannheim: Kaugummi weggeworfen? 100 Euro Geldbuße!

Clemens Hagen.
Für Müllsünder wird es teuer in Mannheim. Die Stadt hat die Bußgelder für achtloses Wegwerfen von Kippen, Kaugummis und Bechern drastisch erhöht. Foto: dpa

Für Müllsünder wird es teuer in Mannheim. Die Stadt hat die Bußgelder für achtloses Wegwerfen von Kippen, Kaugummis und Bechern drastisch erhöht.

 

Mannheim - Es ist ein Ärgernis, das wohl jedem Stadtbewohner bereits mindestens einmal widerfahren ist: ein Tritt in einen achtlos weggeworfenen Kaugummi. Der Batz klebt so zäh an der Schuhsohle, sein Entfernen ist so kompliziert, dass Wutausbrüche fast zwangsläufig die Folge sind.

Achtlos weggeworfen - für Müllsünder kann es teuer werden

Das allein würde schon genügen, um Müllsünder mit empfindlichen Geldbußen zu belegen. Die Stadt Mannheim in Baden-Württemberg hat allerdings noch einen anderen Grund: die 30 Millionen Euro teure Renovierung ihrer Einkaufsstraße Planken, einer Fußgängerzone vergleichbar der Kaufingerstraße in München. Hier sollen die Zivilstreifen des Kommunalen Ordnungsdienstes Mannheim besonders genau hinschauen. Allerdings gelten die Bußgelder für achtlos weggeworfenen Müll im ganzen Stadtgebiet.

Seit Anfang April werden für Zigarettenstummel 75 Euro Bußgeld erhoben (bisher 20 Euro), für Kaugummis sogar satte 100 Euro (bisher 55 Euro). Sollten die Beamten Vorsatz erkennen, kann das Bußgeld auf 200 Euro verdoppelt werden. Der Weg zum nächsten Mülleimer lohnt sich in Mannheim also noch mehr.

Mannheim: Müllsünder sind ein Problem

Dass die Mannheimer mit den neuen, hohe Geldbußen durchaus einverstanden sind, beweist ein Leserbrief an die lokale Zeitung "Mannheimer Morgen". Dort schrieb Leser Klaus-Dieter K. Folgendes: "Was man in Mannheim bezüglich Sauberkeit ansehen muss, ist wirklich das Letzte. Die ganze Stadt ist dreckig, Unrat liegt neben den Abfallbehältern. Fast-Food-Verpackungen und Essensreste liegen zuhauf herum. Zigarettenkippen verdrecken Gehwege und Baumscheiben. Kaugummi ,verziert‘ überall die Gehwege. Nicht angeleinte Hunde und nicht aufgenommener Hundekot nerven die Fußgänger. Jede Menge Kabelbinder hängen noch an Masten und Stangen und erinnern an die letzte Wahl." Für diesen Mannheimer hat die Stadt mit Sicherheit richtig gehandelt.

Singapur: 300 Euro Geldstrafe für Kaugummi

Übrigens: Vorreiter in Sachen hohe Geldstrafen war der Stadtstaat Singapur an der Südspitze der malaiischen Halbinsel. Dort gilt das wohl skurrilste und bekannteste Gesetz gegen Kaugummi. Er darf weder eingeführt, noch verkauft oder gekaut werden. Nur wer ein ganz offizielles Rezept eines Arztes oder Zahnarztes vorweisen kann, ist befugt, Kaugummi in einer der Apotheken zu erwerben. Ganz so eng sehen das die Polizeibehörden und der Zoll hier allerdings nicht – immer wieder werden Kaugummis importiert. Wer es allerdings wagt, einen Kaugummi außerhalb des Mülleimers zu entsorgen, darf 500 Singapur-Dollar (300 Euro) hinblättern.


In München drohen 25 Euro Verwarngeld

Was droht Müllsündern in München? Der Kommunale Außendienst (KAD) des Kreisverwaltungsreferats sorgt in seinem Einsatzgebiet für Sicherheit und Ordnung. Es umfasst den Bereich rund um den Hauptbahnhof vom Alten Botanischen Garten bis zur Landwehrstraße, also auch Paul-Heyse-Unterführung, Bahnhofplatz, Karlsplatz und südliches Bahnhofsviertel.

Bekommen die KAD-Streifen mit, wie Kaugummi, Kippe oder Kaffeebecher weggeworfen wird, droht ein Verwarngeld in Höhe von 25 Euro. "Das ist die unterste Stufe", erklärt KVR-Pressesprecher Johannes Mayer, "auf Wildbieseln etwa steht dann schon ein Bußgeld von mindestens 100 Euro." Wer sich direkt am Marienplatz erleichtert, muss allerdings mit der doppelten Summe rechnen.

Die Münchner Polizei ahndet Ordnungswidrigkeiten wie Wegwerfen von Kaugummi, Kippe oder Kaffeebecher – so die Täterin oder der Täter inflagranti erwischt wird – mit Verwarngeldern ab 35 Euro. "Genauso viel wie verbotenes Taubenfüttern kostet", sagt eine Polizeisprecherin.

Die Mitarbeiter des Münchner Baureferats überwachen wiederum die Isarufer, Münchner Seen und Parks. Sie haben allerdings keine sogenannten hoheitlichen Aufgabe, dürfen keine Personalien feststellen und keine Verwarn- oder Bußgelder aussprechen. In besonders schweren Fällen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Polizei zu rufen. Baureferats-Pressesprecherin Dagmar Rümenapf: "Wir sprechen die Menschen an, ermahnen und appellieren an ihre Vernunft. Das klappt meist ganz gut."


Wie ist Ihre Meinung zu den hohen Geldstrafen für Müllsünder in Mannheim? Taugt sie als Vorbild für München? Oder sind sie überzogen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung bitte per Mail an: leserforum@az-muenchen.de. Oder per Post an: Abendzeitung, Leserbriefe, Garmischer Straße 35, 81373 München.

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