Busse und Bahnen fahren wieder Warnstreik bei der MVG in München beendet

, aktualisiert am 09.07.2019 - 17:13 Uhr
Von 3.30 Uhr bis 14.30 Uhr wurde bei der MVG gestreikt. Foto: Tobias Hase/dpa

Am Dienstag wird die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bestreikt. Seit den frühen Morgenstunden fahren keine U-Bahnen, der Verkehr bei Trams und Bussen ist stark eingeschränkt. Mittlerweile ist der Streik beendet, es wird aber noch eine Weile dauern, bis sich der Verkehr normalisiert hat.

 

München - Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat an diesem Dienstag seit den frühen Morgenstunden gestreikt!

Die Folgen des Warnstreiks waren immens: Etwa einen halben Tag lang fuhren keine U-Bahnen in München. Nicht ganz so schlimm war es bei den Bussen und Trambahnen – hier war noch eingeschränkter Verkehr möglich.

Der komplette Ausfall der U-Bahnen hatte der MVG zufolge einen ganz bestimmten Grund: Um Chaos oder mögliche Unfälle an den überfüllten Bahnsteigen zu vermeiden, wurde der U-Bahnbetrieb kurzerhand ausnahmslos eingestellt.

Der Streik ging zu Betriebsbeginn um 3.30 Uhr los und dauerte bis 14.30 Uhr an. Jedoch kam es auch danach noch zu Störungen und Ausfällen im planungsmäßigen Ablauf des ÖPNV

Aufgrund der hohen Verkehrsdichte im Feierabendverkehr kam es bei diversen Bus- und Trambahn-Linien zu Verspätungen, vorzeitigen Wendungen und vereinzelten Fahrzeugausfällen.

Warnstreik beendet - Verkehr nimmt langsam wieder Fahrt auf

Ab 15 Uhr wurden alle U-Bahn-Linien wieder mindestens in einem 10-Minuten-Intervall bedient, bei den Bussen waren am Nachmittag bereits wieder 80% aller Fahrzeuge im  regulären Einsatz. Bei den Tram-Bahnen nahmen ab 15 Uhr wieder 70% aller Fahrzeuge ihren Dienst auf, auf vereinzelten Linien wie die 16, 17, 18, 23, 27 und 28 kam es noch zu längeren Wartezeiten.

Es wird noch bis in die Abendstunden andauern, bis der gesamte ÖPNV in München wieder planmäßig fährt.

So war der MVG-Warnstreik in München

Die S-Bahnen waren nicht von den Warnstreiks betroffen. Trotzdem kam es auf der Stammstrecke zu Problemen – weil viele Fahrgäste von der U-Bahn auf die S-Bahn wechselten, war es auch hier teilweise richtig voll. Die MVG sprach bei der S-Bahn insgesamt von einem "erhöhten Fahrgastaufkommen".

Hinzu kam am Morgen bei der S-Bahn noch eine Störung an einem Signal am Münchner Ostbahnhof. Erst gegen 10.42 Uhr normalisierte sich bei der S-Bahn die Verkehrslage im Gesamtnetz wieder "weitestgehend", so die Mitteilung der S-Bahn. 

Hier informiert die S-Bahn über die aktuelle Lage.

Viel Verkehr auf den Straßen

Viele Münchner und Pendler wechselten kurzerhand auch aufs Auto, um in die Arbeit zu kommen. Der Berufsverkehr verlagere sich auf die Straßen, berichtete die Polizei am Dienstagmorgen. Es staue sich aber nicht und die Straßen seien nicht überfüllter als üblich. Auf den Straßen sah das jedoch anders aus: Statt Streik gab es nämlich schon Stau – der Mittlere Ring war am Morgen vollgestopft, in Richtung Innenstadt ging kaum etwas voran. Auch auf anderen großen Straßen in der Stadt reihten sich die Autos ineinander (mehr dazu in unserer Bilderstrecke).

Auch mehr Münchner als sonst stiegen in der Früh aufs Radl, um von A nach B zu kommen. Nicht nur auf den Schienen herrscht also Ausnahmezustand, sondern auch auf den Straßen!

Warnstreiks bei der MVG bis zum Nachmittag

Die MVG rät den Fahrgästen, die öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Nachmittag zu meiden. "Bitte planen Sie mehr Zeit ein als üblich und weichen Sie, wenn möglich, auf die S-Bahn und MVV-Regionalbusse aus. Diese werden nicht bestreikt. Rechnen Sie aber auch dort mit deutlich erhöhtem Fahrgastaufkommen", teilt die Verkehrsgesellschaft mit.

"München muss nicht komplett ohne ÖPNV auskommen, aber mit einem sehr eingeschränkten", sagte ein MVG-Sprecher im Vorfeld des Streiks. Die Hoffnung sei, dass sich viele Bewohner der Stadt bereits auf den Streik eingestellt hätten, so der Sprecher. Dennoch droht München am Dienstag das Verkehrschaos: Nach Angaben des städtischen Unternehmens nutzen täglich rund 1,5 Millionen Menschen U-Bahn, Bus und Tram in München.

Volle S-Bahnen und dichte Straßen in München

Bereits am Montag hatte die MVG vor den bevorstehenden Warnstreiks gewarnt – verbunden mit massiven Engpässen, Überlastungen und Einschränkungen.

Zum Warnstreik ausgerufen wurden alle bei der MVG angestellten Bus-, Trambahn- und U-Bahnfahrer sowie die Kontrollschaffner. Wie viele Mitarbeiter dem Aufruf von Verdi folgen werden, war zunächst schwer zu sagen. Jedoch bereitete man sich bei der MVG auf den Extremfall vor. 

Wenn oder sobald ausreichend Beschäftigte einsatzbereit seien, werde der U-Bahn-Betrieb schnellstmöglich, noch im Verlauf des Warnstreiks, aufgenommen, so war die Ansage am Montag. Noch ist davon nichts zu sehen.

Etwa Hälfte der Buslinien bestreikt

Je nach Personal werden nach und nach weitere Tramlinien bedient, so war der Plan der MVG. Bei vielen Buslinien ging die MVG immerhin von einem eingeschränkten Betrieb mit unregelmäßigem Takt aus. Der Grund: Die Hälfte der Busse werden von privaten Kooperationspartnern der MVG gefahren, die von dem Streik nicht betroffen sind. Auch die von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn sollten planmäßig fahren.

MVG zeigt kein Verständnis für den Streik

Der Grund für den Warnstreik: Die Gewerkschaft Verdi fordert 200 Euro mehr Lohn im Monat und wirft der MVG vor, ihre Mitarbeiter schlechter zu bezahlen als andere kommunale Verkehrsunternehmen in Bayern, die den Branchen-Tarifvertrag einhalten.

Franz Schütz von Verdi erklärt die Hintergründe zum Warnstreik: Die etwa 1.300 MVG-Beschäftigten verdienen seit 2011 weniger als ihre Kollegen, die zu der Zeit schon bei der Stadtwerke-Mutter (SWM) beschäftigt waren. Die 500 "Altbeschäftigten" bekommen ihren Lohn nach dem Tarifvertrag Nahverkehr, der für alle bayerischen kommunalen Verkehrsbetriebe gilt. Anders ausgedrückt, so Schütz: "Busfahrer in Bamberg verdienen mehr als MVG-Fahrer im teuren München."

MVG: Streik ist unverhältnismäßig

Die MVG-Chefetage und der Fahrgastverband "Aktion Münchner Fahrgäste" kritisierten den Warnstreik vorab als unverhältnismäßig.

"Die Gewerkschaft legt München über zehn Stunden lahm, obwohl es eine solide Basis für die nächste Verhandlungsrunde am Mittwoch gibt", äußert sich MVG-Chef Ingo Wortmann vorab. Die MVG biete ihren Mitarbeitern eine Lohnerhöhung um einen zweistelligen Prozentbetrag in mehreren Schritten bis Mai 2021 an. Der Warnstreik sei eine "einseitige Aktion zulasten der Kunden".

Kritik am Warnstreik kam auch von Stefan Hofmeir, Sprecher der "Aktion Münchner Fahrgäste": "Für die Fahrgäste kommt dieser Komplett-Streik aus heiterem Himmel und wird die Stadt heute in hohem Maße lähmen."

Der Stand bei den Tarifverhandlungen

Am Dienstagmittag hat die MVG über den aktuellen Stand der Tarifverhandlungen mit Verdi informiert. Der Streik sei eine "Zumutung", sagte MVG-Personalgeschäftsführer Werner Albrecht. Die MVG habe ihm zufolge keine Lust, den Streit auf dem Rücken der Kunden auszutragen. Am Mittwoch ist der dritte Verhandlungstag zwischen der Gewerkschaft und der MVG – die Verantwortlichen der Verkehrsgesellschaft gehen davon aus, dass es dann zu einer Einigung kommt. Mit einem erneuten Warnstreik am Mittwoch rechnen sie nicht.

Die MVG bietet laut Albrecht eine dreimalige Erhöhung des Lohns auf insgesamt 300 Euro und eine Vertragslaufzeit von 22 Monaten. Zudem sollen Sonderzahlungen für die Beschäftigten erhöht und Weiterbildungen finanziert werden. Verdi fordert jedoch eine Laufzeit von 14 Monaten. Diese Forderung lehnt die MVG entschieden ab. "Wir sind in einer schrägen Position. Wir bieten mehr als Verdi fordert. Nur bei der Laufzeit gibt es einen Dissens", so Albrecht.

Der MVG zufolge wurden am Dienstag bis 9 Uhr morgens insgesamt 1.700 MVG-Räder ausgeliehen – diese Zahl wird sonst normalerweise erst mittags oder nachmittags erreicht. Daneben gab es Server-Probleme bei der MVG-App – vermutlich, weil sich zeitgleich viele Fahrgäste über den aktuellen Stand informiert haben.

Lesen Sie hier: MVV - Bahnsteigkarte in München wird ersatzlos gestrichen!

 

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