Buntes Viertel weniger bunt Glockenbach im Jahr 2040: Weniger schwul und international

Arne Brach mit seiner Hündin "Lotta" in der Loretta in der Müllerstraße im Glockenbachviertel. Foto: Daniel von Loeper

Glockenbach- und Bahnhofsviertel werden weniger schwul und weniger international. Doch der Bezirk bleibt sehr jung. Wie entwickelt sich die Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt bis 2040? Die AZ schaut auf den Bezirk.

 

München - Die Isar-Renaturierung 2011 hat dem Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel (noch einmal) einen ziemlichen Schub gegeben. Immer mehr In-Lokale eröffnen. Im "The Seven" in der Müllerstraße entstanden die teuersten Wohnungen der Stadt, in der Nachbarschaft hippe Läden für Turnschuhe und Brillen. Mit einem Durchschnittsalter von 39,1 Jahren hat der Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt nach der Statistik der Stadt die zweitjüngsten Einwohner in München – nach dem Univiertel Maxvorstadt.

Einwohnerzahl steigt bis 2040 um 4,3 Prozent

In dem urbanen Ambiente zwischen Hauptbahnhof, Theresienwiese, Klinikareal, Schlachthof- Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel ist die Bevölkerungsdichte eher hoch: mit 12.600 Menschen pro Quadratkilometer. Bis 2040 wird die Einwohnerzahl um 4,3 Prozent auf rund 55.000 Menschen anwachsen, lautet die offizielle Prognose. Wo diese Münchner wohnen werden? In Hinterhöfen gibt es immer öfter eine kleinteilige Verdichtung. Außerdem wird der Viehhof mit bis zu 600 Wohnungen bebaut: "Klar, es wird dichter, ich sehe das aber nicht dramatisch", sagt Arne Brach (42), der für die Grünen/Rosa Liste im örtlichen Bezirksausschuss sitzt.

Noch herrscht Männerüberschuss im Glockenbachviertel

Seit über zehn Jahren lebt er im Glockenbachviertel. Bei den 45-jährigen bis 54-jährigen Einwohnern verzeichnet die Statistik aktuell einen "merklichen Männerüberschuss", der nach dem Demografiebericht der Stadt bis zum Jahr 2040 zurückgehen wird.

Arne Brach, Fachreferent für Queer-Politik der Grünen-Landtagsfraktion, bedauert die Entwicklung: "Die Schwulenszene verliert immer mehr Szene-Lokale. Vor zehn Jahren war die Auswahl viel größer," sagt er. Das habe auch Auswirkungen darauf, wie man sich im Viertel fühle: "Heute ist man nicht mehr so traurig wegzuziehen. Es war für Männer schon leichter, händchenhaltend über die Müllerstraße zu laufen, als heute."

Bahnhofsviertel bleibt orientalisch und bunt

Mit Klein-Istanbul rund um den Hauptbahnhof galt der Bezirk lange als einer der internationalsten Teile von München. Mit bald 33,6 Prozent ausländischen Einwohnern gleicht sich die Quote bis 2040 komplett an den Stadt-Durchschnitt an. "Wenn im südlichen Bahnhofsviertel Wohnungen für Gutbetuchte gebaut werden, hat das natürlich auch Konsequenzen für die Internationalität", sagt Bezirks-Kenner Arne Brach.

Doch Sorgen bereitet ihm das nicht: "Das bunte und orientalisch angehauchte Viertel wird noch lange so bleiben mit den kleinen Supermärkten und den Shisha-Läden." Den neuen Glaspalast des Hauptbahnhofs, der ab 2028 fertig sein soll, findet der Lokalpolitiker gut: "Ich mag moderne Architektur. Ich finde es super, dass diese Stelle aufgefrischt wird."

Obwohl die Zahl älterer Einwohner steigt, wie überall in München, bleibt die Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt auch in 20 Jahren ein sehr junger Bezirk – so sagen es zumindest die offiziellen Zahlen voraus. Arne Brach ist froh über diese Nachricht: "Bei uns ist es lebenswert, lustig und vor allem lebendig."

 

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