Bundespräsident in Miesbach "Bayern pur" - Gauck bei den Gebirgsschützen

Die Gebirgsschützen stehen Spalier bei der Ankunft von Bundespräsident Joachim Gauck: Patronatstag in Miesbach. Foto: dpa

Bayerische Lebensart pur nennt Ministerpräsident Seehofer die Treffen der Gebirgsschützen. Dies wollte er dem deutschen Staatsoberhaupt nicht vorenthalten und so fühlt sich Bundespräsident Gauck beim Patronatstag inmitten von 4500 Gebirgsschützen sichtlich wohl.

 

Miesbach – Bundespräsident Joachim Gauck kennt die Gebirgsschützen. Und so erschrickt er beim ohrenbetäubenden Lärm der drei Salutschüsse auf dem Miesbacher Habererplatz nicht ein bisschen. Später, in seiner Rede, gibt Gauck verschmitzt lachend zum Besten, dass die Gebirgsschützen bei ihrem Besuch in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue „die Hasen und Füchse im Garten verschreckt haben“. Schon damals schossen sie mit ihren Karabinern in die Luft. Das deutsche Staatsoberhaupt und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt fühlen sich am Sonntag sichtlich wohl inmitten der 4500 bayerischen Gebirgsschützen, die sich zum jährlichen Patronatstag wie immer am ersten Sonntag im Mai versammelt haben.

Fast wie beim Abschreiten einer Ehrenformation der Bundeswehr geht Gauck staatsmännisch durch das Spalier der Schützen, die in ihren bunten Monturen – so nennen sie ihre Uniformen – Aufstellung genommen haben. Schadt trägt ein Dirndl in den Farben grün und braun, was in Miesbach, einer Wiege der bayerischen Tracht, besonders gut ankommt. Gauck hat keinen Trachtenanzug, den trägt Ministerpräsident Horst Seehofer. Nach einer Erkältung noch immer heiser sagt er bei seiner Ankunft: „Es hätte mir das Herz aus der Brust gerissen, wenn ich heute nicht hätte kommen können.“

Später in seiner Ansprache meint der Schutzherr der Gebirgsschützen, Gauck werde bei dem Treffen Zeuge „bayerischer Lebensart pur“. Seehofer kündigt an, die Gebirgsschützen würden beim G8-Gipfel in Bayern im Juni 2015 wichtige repräsentative Aufgaben übernehmen. Gauck dankt in seiner Rede den Gebirgsschützen für ihr gemeinschaftsstiftendes Wirken. Sie seien beteiligt an einem „Wir, das nicht ausgrenzt, sondern verbindet“. Gauck ist der erste Bundespräsident, der zu einem Patronatstag der Gebirgsschützen kommt – und es ist der erste Besuch eines deutschen Staatsoberhauptes in dem bäuerlich geprägten Städtchen Miesbach, das heuer seine erste urkundliche Erwähnung vor 900 Jahren feiert.

Natürlich liegt bei einem so prominenten Gast das Goldene Buch der Stadt im Rathaus parat, in das sich Gauck gerne einträgt. Voriges Jahr war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Miesbach. Am Mittag verfolgen Gauck und Seehofer auf der Ehrentribüne den Festzug der Schützen durch den Ort. Alle 47 Kompanien von Berchtesgaden bis Garmisch-Partenkirchen marschieren in ihren unterschiedlichen Monturen, die Karabiner umgeschnallt und angeführt vom Fahnenträger, an ihnen vorbei.

Die Klänge vieler Blaskapellen mischen sich zu einem vielstimmigen Konzert. Marketenderinnen schenken aus kleinen Fässchen Schnaps aus, der gerne genommen wird, denn es ist empfindlich kalt für Anfang Mai. Immerhin – es regnet nicht mehr. Als Kardinal Reinhard Marx bei der Messe unter freiem Himmel die österliche Botschaft als Sieg gegen die Mächte des Todes interpretiert, reißen die Wolken auf, die Sonne blitzt durch. Der einstige Pastor Gauck kann die Kirchenlieder auswendig mitsingen, die Kommunion darf er als protestantischer Christ freilich nicht empfangen.

Für den neuen Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak von den Grünen ist die Anwesenheit von so viel Politprominenz der ideale Einstand. Gerade erst vier Tage im Amt begrüßt er Gauck formvollendet, als würde er dies schon seit Jahr und Tag tun. „Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand“, sagt Seehofer entspannt zum grünen Landrat in der schwarzen Hochburg Miesbach. Einer steht an diesem festlichen Tag freilich recht verloren herum: Der über zahlreiche Affären gestürzte Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU) ist in der Montur seiner Heimatkompanie Elbach-Leitzachtal unter den Ehrengästen. Doch kaum jemand nimmt Notiz von ihm. Die Aufmerksamkeit gehört anderen.

 

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