Bürgerdialog in München Tram durch den Englischen Garten spaltet das Viertel

Die neue Tramtrasse, hier in der „Mischvariante“. Diese Simulation der MVG wird von Gegnern der Tram oft als zu beschönigend kritisiert. Foto: MVG

Die MVG startet ihren großen Bürgerdialog zur Tram-Nordtangente. Manch Schwabinger bleibt aber skeptisch.

München - "Wir fühlen uns bestärkt", sagt Anja Wetzel, Projektleiterin der MVG, als die AZ sie nach dem Anwohner-Infoabend zur Tram-Nordtangente fragt. Die MVG hatte mehrere tausend Haushalte geladen, um über den Planungsstand des Projekts zu informieren und ausdrücklich auch, um Fragen zu ermöglichen und Kritiker zu Wort kommen zu lassen. Ein Bürgerdialog sollte es sein, die erste Veranstaltung von vielen, die noch folgen werden.

Und die Bilanz der MVG ist positiv: Etwa 100 Interessierte kamen. Diverse Experten vom Denkmalschützer bis zum Verkehrsplaner waren vor Ort. Es gab Vorträge über die Nahverkehrsplanung in der gesamten Stadt, ebenso wie die Tram-Nordtangente im Speziellen, denn das hängt freilich zusammen. Dann konnte anhand einer üppigen Ausstellung diverser Pläne über einzelne Aspekte gesprochen werden, dann folgte noch ein Fragenteil. Über drei Stunden dauerte die Veranstaltung.

"Die Fragen waren sehr breit gefächert", resümiert Anja Wetzel. Auch MVG-Sprecher Matthias Korte befindet: "Es sind sehr gute Gespräche entstanden." Auch ein großer Teil der Kritiker habe sich darauf eingelassen.

Mehrere Möglichkeiten werden geprüft

Den Bürgern wurde der aktuelle Stand der Planungen und deren Varianten vorgestellt. Beispiel: Rasengleis oder nicht? Für das Stück durch den Englischen Garten gibt es verschiedene Möglichkeiten, die "ergebnisoffen" geprüft werden. Neben dem Rasengleis ist das auch die sogenannte Mischvariante.

Bei der bliebe die Straße weitgehend, wie sie ist, in der Mitte würden ebenerdig die Gleise eingebaut. Der Raum wäre für Tram, Radler, Fußgänger frei nutzbar, ähnlich wie man es aus der Theatinerstraße kennt. Weil die Tram mit maximal 30 km/h durch den Park fahren soll, sei es möglich, auf Absperrungen sowohl längs als auch quer der Trasse zu verzichten, erklärt Anja Wetzel. Die gebe es bisher im Park nicht. "Wir wollen Sicherheit lieber durch Übersichtlichkeit erreichen."

Große Skepsis in Schwabing

Trotz aller Mühen – alle konnte man mit der Veranstaltung wohl nicht gewinnen: "Wir mussten feststellen", sagt Wetzel, "die die Tram ablehnen, die wollen gar keine Informationen." Tatsächlich ist der Eindruck der Veranstaltung nicht bei allen so positiv: Architektin Petra Lejeune empfand die Präsentationen eher als "Monolog", bis zu den Bürgerfragen habe es sich sehr gezogen, nicht alle hätten so lange durchgehalten. Hernach habe eine komische Stimmung geherrscht, der Bürgerdialog sei eher eine Mogelpackung.

Die Skepsis in Schwabing ist teils noch immer sehr groß. Schon vor Jahren seien solche Tram-Pläne aus Denkmalschutzgründen abgelehnt worden, betont das Ehepaar Grub-Lejeune, die sich schon lange mit dem Englischen Garten und der Stadtentwicklung befassen. Eine Tram durch eines der bedeutendsten Gartendenkmäler Europas, "wir finden das furchtbar", sagt Lejeune. Freilich müsse der ÖPNV ausgebaut werden, aber an dieser Stelle?

Auch die Tunnel-Variante ist noch nicht vom Tisch

Man misstraut auch den geschilderten Planungen, etwa beim Thema Absperrungen: Sobald der erste Unfall passiert sei, müssten die doch aufgestellt werden, ist sich Hermann Grub sicher. "Wenn die Schienen erst einmal liegen, hat der Park verloren." Müsste dieser Logik folgend nicht die ganze Straße weg? Immerhin fahren hier Busse, teils im Drei-Minuten-Takt. "Im Prinzip ja", meint Grub.

Wenn die Tram kommen muss, weil sie demokratisch gewollt ist, dann sei das so, sagt das Architekten-Paar. Für den Fall haben die beiden heuer ihre Idee von einem Tunnel für die Tram präsentiert. Dieser Vorschlag wird von der MVG tatsächlich als eine mögliche Variante geprüft. "Wir hoffen", sagt Wetzel, "dass wir dazu bei der nächsten Info-Veranstaltung mehr sagen können." Auch "der Input" vom Dienstagabend werde dort mit einfließen.

Die soll im Frühjahr 2019 stattfinden. Zwischendurch soll es auch kleinere Veranstaltung wie Workshops zu einzelnen Aspekten geben. Und man will vor Ort über das Projekt informieren, mit einem mobilen Infostand.

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