Bürgerinitiative gegen Feuerwerke Silvester: Münchner fordern Verbot von Böllern und Raketen

, aktualisiert am 04.12.2018 - 12:50 Uhr
Sollten Böller und Raketen in München verboten werden? Das fordern zumindest immer mehr Menschen. Foto: Felix Hörhager/dpa

Muss Silvester laut und schmutzig sein? Immer mehr Menschen in München finden: Nein. Die Stadt hat aber nur wenig Handhabe.

München - Privates Feuerwerk verbieten? Diese Frage macht gerade in den Münchner Bürgerversammlungen die Runde. Eine Bürgerinitiative setzt sich für ein flächendeckendes Verbot in München ein. In zwölf Bürgerversammlungen wurden entsprechende Anträge gestellt. Nur in drei davon wurden die Anträge abgelehnt – in allen anderen angenommen.

Der Münchner Jürgen Schmoll, der sich in der noch sehr kleinen Initiative engagiert, erklärt, man habe vor zwei Jahren vor allem mit Unterschriftensammlungen begonnen. Dann kam die Idee, in die Bürgerversammlungen zu gehen. Auch Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteifrei) habe man bereits besucht. "Das Thema gehört in den Luftreinhalteplan", sagt Schmoll. "Es ist ein Umwelt- und ein Tierschutzthema, aber auch ein soziales. Viele Menschen leiden wirklich darunter."

Zentrales Großfeuerwerk statt private Knallerei?

Die Idee ist nicht neu: Im vergangenen Jahr hatte etwa der Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt beantragt, aus Naturschutzgründen wenigstens auf den Flächen entlang der Isar Feuerwerk zu verbieten. Auch heuer wurde ein solcher Antrag mehrheitlich angenommen.


Jedes Jahr gibt’s Berge von Silvestermüll – 2017 waren es 60 Tonnen. Foto: Privat

ÖDP und Linke im Stadtrat hatten 2017 ebenfalls beantragt, zugunsten eines zentralen Großfeuerwerks privates Feuerwerk innerhalb des Mittleren Rings zu untersagen.

Feinstaubproblematik durch Böller und Raketen

Im Landschaftsschutzgebiet in den Isarauen "werden Vögel und andere Tiere vergrämt", begründet BA-Chef Alexander Miklosy (Rosa Liste) das Anliegen. Dazu der Müll. Aber es gehe nicht nur um Landschafts- und Naturschutz: Auf den Isarbrücken wird gerne besonders heftig geböllert und geknallt. Miklosy erklärt aus eigener Erfahrung, im Einzugsbereich der Brücken sei es zwischen 23.45 und 1 Uhr schwierig, sich draußen aufzuhalten – besonders für Senioren. Auch die Feinstaubproblematik sei nicht gelöst.

Andere Bezirke haben sich angeschlossen. Wie das KVR mitteilt, haben seit Sommer 2017 sieben Bezirksausschüsse ein Verbot von Feuerwerk beantragt: alle entlang der Isar zwischen dem Lehel und Thalkirchen, außerdem Milbertshofen.

Verbote nur aus Brandschutzgründen möglich

Dominik Krause von den Rathaus-Grünen erklärt allerdings die Schwierigkeit bei dem Thema: Seine Fraktion habe bereits 2016 bei der Stadtverwaltung angefragt, inwiefern ein Feuerwerksverbot, vor allem an der Isar, möglich wäre – denn dort seien wilde Tiere, der Tierpark und der Müll sei besonders ärgerlich, sagt er. Die Antwort des KVR sei aber eindeutig gewesen: Feuerwerke unterlägen dem Sprengstoffrecht und seien damit Bundesangelegenheit, hieß es.

Verbote seien bisher nur aus Brandschutzgründen möglich, etwa wegen sensibler Bebauung. In München sei dies nirgendwo der Fall. Für ein Verbot bräuchte es eine Änderung des Bundesgesetzes. "Wir hätten das sinnvoll gefunden, zumindest in den Isarauen", sagt Krause. "Gäbe es eine Möglichkeit, würden wir sagen, die Stadt soll es machen." So lange können die Kracher-Gegner wohl nur auf Freiwilligkeit setzen: Auf Facebook wirbt eine Seite dafür, an der Isar aufs Feuerwerk zu verzichten. Sie hat schon über 86.000 Unterstützer.

 

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