Brauerei-Großprojekt in der Au Nockherberg-Pläne: Paulaner treibt's bunt

Schwungvoll: die geplante neue Fassade in der Welfenstraße, die auf der rechten Seite zu sehen ist. Foto: Bayerische Hausbau

Die Brauerei zieht weg – was kommt danach? Die Anwohner in der Au fordern, dass die Neubauten weder weiß noch grau sein werden. Sondern farbig.

Au - Einheitlich in weiß oder mausgrau – so sehen die tristen Fassaden vieler Münchner Neubauten aus. Oft wird sich bei der Architektur des Baus verkünstelt, aber bei der Farbwahl gehen den Architekten die Ideen aus. Das schlägt sich nicht nur auf das Gemüt vieler Anwohner nieder, sondern passt auch nicht zum sonst so bunten Treiben auf den Straßen.

Das soll sich am Nockherberg nun ändern. Durch den Umzug der Paulaner Brauerei nach Langwied, wo vor drei Tagen das erste Bier gezapft wurde, ergeben sich für die Au auf einer Fläche von neun Hektar nun große Chancen. Dort wo bisher täglich bis zu 280 Lastwagen verkehrten wird nun umgebaut. Ab 2017 entstehen an Reger-, Falken- und Welfenstraße Wohngebiete mit Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Grünflächen. Neue Wege zwischen den drei Arealen machen eine Vernetzung der drei Wohngebiete möglich. Dass aus ihnen keine Luxusquartiere werden, verspricht die Bayerische Hausbau. Im Gegenteil. Familien, Paare und Singles mit unterschiedlichem Einkommen sollen in den rund 1400 geplanten Wohnungen leben.

Das Bauprojekt am Nockherberg ist eine Besonderheit. Anders als sonst üblich konnten sich die Anwohner zum ersten Mal in das Bauvorhaben einmischen. Ihre Wünsche und Anregungen, die in einer Bürgerveranstaltung (2012) gesammelt wurden, bildeten die Grundlage für den folgenden Architektenwettbewerb. Die Siegerentwürfe wurden in einer weiteren Bürgerversammlung (2014) von Anwohnern diskutiert. Ihre Wünsche: Schluss mit den tristen Fassaden. Bunt und freundlich soll es werden. Außerdem müssen mehr Kindergärten und ausreichend Grünflächen zur Erholung her.

Vor zwei Tagen fand die dritte Bürgerversammlung im Salesianum statt. Fast jeder im Saal hebt die Hand, als Christian Böhm, der als Vertreter der zuständigen Architekten vor Ort war, fragte, wer bereits an einer der beiden vorangegangenen Veranstaltungen teilnahm. Das Bürger-Engagement in der Au ist hoch. Die Anwohner möchten ihr Viertel mitbestimmen. Schließlich wohnen dort manche bereits ihr ganzes Leben. So ist es auch kein Wunder, dass die erste Frage eines Anwohners aus der Welfenstraße lautet: „Werden die neuen Fassaden wieder grau? Das schlägt mir aufs Gemüt.“ Mit seiner Antwort erntet Dr. Jürgen Büllesbach von der Bayerischen Hausbau Applaus: „Auch wenn ich Ihnen noch keine genaue Farbe nennen kann, sage ich Ihnen heute, dass sie nicht grau werden.“

Und sie werden auch nicht hoch. Durchschnittlich fünf bis sechs Geschosse, maximal acht, werden die neuen Gebäude in die Höhe ragen – die Antwort auf den Wunsch vieler Anwohner, auf Hochhäuser zu verzichten. Auch in der Breite werden die neuen Gebäude variieren. Dicht werden die Häuser nebeneinander stehen, damit möglichst viele Menschen dort wohnen können. Doch ausreichend Grünflächen, Innenhöfe und eine Durchwegung zwischen den Häusern ist bereits beschlossen. Los geht’s Anfang 2017 in der Falken- und Welfenstraße. 2019 können die ersten Bewohner einziehen. In der Regerstraße dauert es etwas länger. Aufgrund der Größe des Areals wird dort 2018 mit dem Bau begonnen und einziehen voraussichtlich 2022/2023.

Auch weitere Wünsche der Bürger wurden umgesetzt. So wird es insgesamt vier Kinderstagestätten geben. Zwei im neuen Areal der Regerstraße und jeweils eine in Falken- und Welfenstraße. Auch der Wunsch, die geförderten Wohnungen nicht nur auf eines, sondern auf alle drei Teilbereiche zu verteilen, wurde den Anwohnern erfüllt.

Auch wenn die Anregungen der Teilnehmer der dritten Bürgerversammlung nicht offiziell in das Planungsverfahren eingehen – berücksichtigt werden nur Vorschläge, die vor dem 1.10. offiziell im Referat für Stadtplanung und Bauordnung in der Blumenstraße abgegeben werden – war eines deutlich heraus zu hören: Die grauen Tage sind Geschichte. Es wird bunt in der Au.

 

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