BLLV-Präsidentin schlägt Alarm Bayerns Schulen fehlen im kommenden Schuljahr 500 Lehrer

Clemens Hagen.
Immer wieder muss an bayrischen Schulen wegen Lehrermangels der Unterricht ausfallen. Foto: BLLV/Röder

Aktuellen Berechnungen zufolge werden in Bayern im kommenden Schuljahr 500 Lehrer fehlen. Der Mangel an Pädagogen wächst bedenklich, vorallem in München.

 

München - Versetzung dringend gefährdet: Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat mit drastischen Worten den Lehrermangel bei bestimmten Schularten im Freistaat beklagt. "Die Hütte brennt", sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Mittwoch in München mit Blick auf das kommende Schuljahr an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Hier würden nach aktuellen Berechnungen bayernweit rund 500 Lehrkräfte fehlen.

Auf die Frage nach der Situation in München sagte Fleischmann zur AZ: "Auch wenn noch keine eigenen Zahlen für Oberbayern und die Landeshauptstadt vorliegen, ist eines doch klar: München ist für junge Lehrer absolut kein Schmankerl. Wenn man bedenkt, dass in Unterfranken oder der Oberpfalz die Lebenshaltungskosten vielleicht halb so hoch sind wie in der Landeshauptstadt – da verstehe ich jeden, der zu München sagt: nein danke!"

"München ist für junge Lehrer absolut kein Schmankerl"

Aus Sicht des BLLV müsste die Staatsregierung Geld in die Hand nehmen, um jungen Pädagogen München schmackhaft zu machen. "Vorstellbar wäre eine Art Ballungsraumzulage, wie es sie früher schon einmal gegeben hat. Oder auch Staatsbediensteten-Wohnungen. Da stünden Lehrer aber auch gleich mit Polizisten, Bahnern und Verwaltungsbeamten in Konkurrenz."

Überhaupt ist das liebe Geld einer der Hauptgründe für den aktuellen Lehrermangel, zumindest aus Sicht des BLLV. Verbandsvize Gerd Nitschke: "Es macht beim Einstiegsgehalt einen Unterschied von 400 Euro, ob man nach Besoldungsgruppe A12 oder A13 entlohnt wird." Und Präsidentin Fleischmann ergänzt: "Geld hamma ja angeblich – also noch zumindest."

Dass etwas getan werden muss, steht außer Frage und wird auch von der Staatsregierung nicht in Abrede gestellt. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo sagte gestern in München: "Die Grund-, Mittel- und Förderschulen sind tragende Säulen in unserem differenzierten Schulwesen. In diese Schularten wurden daher in den vergangenen Jahren erhebliche Personalressourcen investiert und es wurden echte Verbesserungen für die Schüler, aber auch für die Lehrkräfte erzielt."

Um an den Grund-, Mittel- und Förderschulen in Zukunft von eine hohe Unterrichtsqualität gewährleisten zu können, setzt das Bildungsministerium vor allem auf vier Maßnahmen:

  • Ein berufsbegleitendes Zweitqualifizierungsprogramm für Realschul- und Gymnasiallehrkräfte.
  • 700 zusätzliche Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen an den bayerischen Universitäten.
  • Fünf weitere Lehrstühle für die Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik an den Universitäten München, Würzburg und – als neuem Standort – Regensburg.
  • Das grundsätzliche Verbeamten der Lehrkräfte, eine im Bundesvergleich überdurchschnittliche Bezahlung und attraktive Beförderungsmöglichkeiten.

Piazolo: "Zum Schuljahresanfang werden genug Lehrer da sein"

Darüber hinaus sollen dank eines Sonderprogramms 2019 und 2020 über 800 bislang noch befristet beschäftigte Lehrkräfte verbeamtet oder entfristet werden. Überhaupt sieht Piazolo die Situation weniger dramatisch als BLLV-Präsidentin Fleischmann: "Das Bild von brennenden Hütten passt nicht in die bayerische Kultuslandschaft", sagte der Minister. "Zum Schuljahresanfang werden genug Lehrer da sein, um den Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten." Das sei bisher jedes Jahr gelungen.

Das bestreitet auch Fleischmann nicht. "Am Anfang ist immer alles pronto, aber im Lauf des Schuljahres nehmen die Probleme zu. Dann werden ganzen Klassen ganze Lehrer fehlen, dann wird es passieren, dass eine Lehrerin drei Klassen gleichzeitig bespaßen muss."

Fleischmann unterlegt ihre Argumentation mit konkreten Zahlen: Im vergangenen Schuljahr wurden 8,5 Prozent der Unterrichtsstunden an Grund-, Mittel- und Förderschulen planmäßig gestrichen, was 200 .000 Stunden pro Woche entspricht. 1,7 Prozent der Unterrichtsstunden oder 40 .000 Stunden pro Woche fielen einfach so aus. Fleischmann: "Da stellt sich schon die Frage: Wie geht’s weiter mit unserer Bildungsqualität?" Zumal mit Verbesserungen vor 2025 keinesfalls zu rechnen sei.

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