BLLV-Präsidentin im AZ-Interview Simone Fleischmann über Ende des Bildungsrates: "Viele offene Fragen"

Mit dem Bildungsrat hätten viele offene Fragen geklärt werden können. Diese sollen jetzt in der Kultusministerkonferenz geklärt werden. Foto: Daniel Karmann/dpa

Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann über das Ende des Bildungsrates – und die Forderungen des Lehrerverbandes.

 

München AZ-Interview mit Simone Fleischmann. Die Präsidentin des Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) machte 1988 ihr Abitur in Bayern.

Nach Bayerns Absage an den Bildungsrat: Viele offene Fragen

AZ: Frau Fleischmann, was sagen Sie zu der klaren Absage an den Bildungsrat?
SIMONE FLEISCHMANN: Wir Lehrerinnen und Lehrer fragen uns, wie die großen offenen Themen, die es bildungstechnisch in der Bundesrepublik gibt, gelöst werden können. Es gibt so viele offene Fragen, für die wir Antworten brauchen.

Welche Fragen sind das?
Neben dem Abitur ist auch Mobilität ein großes Thema. Wie sieht es zum Beispiel aus, wenn eine Familie in ein anderes Bundesland zieht? Wie geht es weiter mit der Vergleichbarkeit der Abschlüsse? Haben unsere Kinder in Bayern einen Nachteil, weil es in Bayern schwerer ist? Und wie sieht es mit den Ferien aus? Diese Fragen stellt sich die Gesellschaft und die wurden bis jetzt noch nicht beantwortet.

Die Frage ist also, wer sie in Zukunft beantworten soll?
Der Ministerpräsident hat nun für Bayern das "Mia san mia" ausgerufen. Ich kann insofern verstehen, dass es um das Niveau in Bayern geht, das wollen wir selbstverständlich alle halten. Im Nachgang hat der Ministerpräsident noch ergänzt, dass die KMK, also die Kultusministerkonferenz, sich um diese Fragen kümmern soll. Er gibt also zu, dass die Fragen auf dem Tisch liegen und dass es ein bundesdeutsches Gremium braucht, das Antworten für ganz Deutschland findet.

Kultusministerkonferenz nicht weniger aufwendig

Wäre das in Ihrem Sinn?
Kultusminister Michael Piazolo meinte nun, es solle einen bayerischen Bildungsrat geben. Wir brauchen das Expertengremium, aber das muss auch auf Bundesebene stattfinden.

Wer sind die Experten, von denen Sie sprechen?
Das sind die Lehrer selbst. Sie wissen am besten, welche Probleme sich im Alltag stellen. Wenn wir uns nun aus dem Bildungsrat heraushalten, erwarte ich eine Antwort, in welchen Gremien die Fragen sonst beantwortet werden sollen.

Markus Söder sprach von einem "bürokratischen Monstrum". Wäre dem so?
So oder so muss der Dialog geführt werden. Und noch gibt es das Gremium ja nicht – wie möchte ich vorab beurteilen, mit welchem Aufwand zu rechnen ist? Und wenn nun die KMK übernimmt, soll uns das recht sein. Aber weniger Aufwand ist das deshalb nicht.

Bildungsrat wäre "ein Schritt in die richtige Richtung"

Der Beitritt zum Bildungsrat wäre also eine Lösung für bestehende Probleme gewesen?
Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Und Bayern hätte mit seiner Expertise beigetragen.

Und wie ist es um den Bildungsstandard bestellt? Wäre der durch einen Bildungsrat gesunken?
Beim Bildungsrat handelt es sich nicht um ein Entscheidungsgremium. Entschieden hätten dann immer noch die Bundesländer. Unser Ziel ist es, für alle den höchsten Bildungsstandard zu schaffen.

Wie geht es nun weiter?
Wir sind gespannt. Wir sind nicht sauer, aber warten nun ab. Wir sind ein offener Verband und geben unsere Expertise gerne weiter, aber wir erwarten auch, dass die Experten gehört werden. Wir wollen den Bildungsstandard halten. Und das geht langfristig nur, wenn wir in den Dialog treten – bundesweit.

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