Blitzkritik Punk-Attitüde, so fröhlich wie die FDP

Die Band "Der Englische Garten" Foto: az/ho

Bei ihr klingt München wie eine Metropole mit Charakter: Die Band "Der Englische Garten"

 

Austickende Jugendliche, die auf zufällig Greifbare eintreten – wenn Pop nicht zum Soundtrack eines nett verlogenen Lifestyles verkommen will, dann kann er sich ja auch mal solchen Themen zuwenden. Die Münchner Gruppe "Der Englische Garten" tut dies gleich auf dem ersten Stück ihres Debüt-Albums. Während Axel Koch sich in Worte wie „Ausnahmezustand“ hineinsoult, swingt die gut gelaunte Bläsersektion so fröhlich-ignorant wie derzeit nur die FDP.

„Wir wollen lieber baden gehn, als im Wasserwerferstrahl zu stehn“ – "Der Englische Garten" trauen sich wieder, Pop-Musik als Kommentar zu Gesellschaftsthemen zu begreifen. Axel Koch spricht von Punk-Attitüde. Dass realpolitische Langeweiler die linken Utopien für beerdigt erklärt haben, stört nicht weiter.

Die Musik von "Der Englische Garten" ist nicht simpel strukturiert. Wie bei Randy Newman steht sie mit ihrer poppig, melodiösen Oberfläche im Spannungsverhältnis. Ohne in irgendeiner Form über Dialekt oder Ausdruck auf ihre Herkunft anzuspielen, kann man durch die Musik, Texte und Themen die Schemen Münchens erkennen. Einer Stadt, die bei "Der Englische Garten" klingt wie eine Metropole mit Charakter.

Zu einem Teil hervorgegangen aus den Merricks, hat sich die Gruppe vor sechs Jahren gegründet. Bei dem Berliner Label Firestation Records hat man zwei Singles veröffentlicht und jetzt auch das Album. So ein Projekt dauert: Coversuche, neue Aufnahmen – und dann stiegen Schlagzeuger und Gitarrist aus. Und damit alle zu ihrem Recht kommen, ging es auch mit den neuen Musikern ins Studio.

Die Basic-Tracks wurden in einem Studio in Milbertshofen aufgenommen. Dann verlagerte sich die Produktion in die Privatwohnungen – Digitalisierung macht’s möglich, allerdings besteht die Gefahr der Klangschlamperei.

Doch bei dieser Gruppe zerfällt der Sound nicht in Einzelteile. Dies mag zum einen daran liegen, dass sie Computer nur als reines Aufnahmegerät verwendet hat. Zum anderen hat einen großen Anteil auch der für die finale Abmischung verantwortliche Albert Pöschl. Kein Studiomeister allerdings schreibt einen Song, der sich ins Hirn bohrt – das haben "Der Englische Garten" mit ihrem Country-Punk-Swing „Heizdecke am Strand“ schon selber besorgt.

Christian Jooß

Atomic Café, 5. März, 21.30 Uhr

 

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