Blick zurück FC Bayern und die Champions League: Eine schwere Geburt

Das erste Tor der Bayern in der Champions League: Mehmet Scholl überlupft den Torwart von Dynamo Kiew zum 1:0-Sieg im zweiten Gruppenspiel. "Es ist mir relativ wurscht", sagt der Matchwinner hinterher. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Relativ lange musste der FC Bayern auf sein erstes Champions-League-Spiel warten. Vor 25 Jahren war es in Paris so weit. Doch die Premieren-Saison verlief wenig glücklich. Ein Rückblick auf alte Zeiten.

 

München - Zu Beginn der Saison 1992/93 erfolgte eine Generalsanierung des 1955 ins Leben gerufenen Europapokals der Landesmeister, der Europameisterschaft auf Vereinsebene. Mit Gruppenspielen, durch die das wirtschaftliche Risiko für die Teilnehmer kalkulierbarer wurde.

Zunächst konnten sich jedoch weiter nur die jeweiligen Landesmeister für den Wettbewerb qualifizieren (ab 1997 durften auch Vizemeister bestimmter Ligen mitmachen, ab 1999 bis zu vier Teams eines Verbandes). 

Bayern bei Champions-League-Premiere nicht dabei

Was hat das mit dem FC Bayern zu tun? Nun ja, man mag es kaum glauben, bei der Premieren-Veranstaltung des neuen prestigeträchtigen, lukrativen Formats waren die Münchner, die mit dem Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad  in die diesjährige Gruppenphase starteten (21 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker), außen vor. 1992 hieß der Bundesliga-Meister VfB Stuttgart, die Bayern wurden mit einem negativen Torverhältnis abgeschlagen Zehnter – kein Witz. Die Schwaben jedoch scheitern in den Qualifikationsspielen an Leeds United.

In der Saison darauf reichte es immerhin zu Rang zwei hinter Meister Werder Bremen, aber eben nicht für die Teilnahme an der neu geschaffenen Königsklasse. Werder betritt als erster Deutscher Meister die neue Bühne. Erst in der dritten Saison der Champions League, nachdem Franz Beckenbauer, also der Kaiser persönlich, die Bayern 1994 als Interimstrainer zur Meisterschaft geführt hatte, hat man es geschafft. Eine schwere Geburt.

Niederlage im ersten CL-Spiel gegen Paris St. Germain

Und dann geht auch noch die Geburtsstunde krachend schief. Am 14. September 1994, fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, debütiert der FC Bayern bei Paris St. Germain im schmucken Prinzenparkstadion. Auch für die – damals wie heute – neureichen Franzosen war es das erste Königsklassen-Spiel ihrer Vereinshistorie. Durch die Tore des überragenden Liberianers George Weah (41. Minute) und Daniel Bravo (83.) gewinnt PSG mit 2:0.

Der neue Bayern-Torhüter Oliver Kahn, im Sommer vom Karlsruher SC verpflichtet, ist machtlos. Vorstopper Oliver Kreuzer sieht nach sechs Minuten die erste Gelbe Karte in Bayerns Königsklassen-Historie, und das reicht ja auch zu einem Eintrag in den Geschichtsbüchern. An seiner Seite verteidigt Thomas Helmer, auch Lothar Matthäus gelingt es nicht, die Abwehr zusammenzuhalten.

Der italienische Trainer Giovanni Trapattoni, seit zweieinhalb Monaten im Amt, bietet in der Offensive unter anderem Mehmet Scholl, Marcel Witeczek und den Schweizer mit der langen Mähne, Alain Sutter, auf – ohne Ertrag. Auch der eingewechselte Dietmar Hamann, wie Helmer und Matthäus heute im Fernsehen tätig, kann nichts mehr ausrichten.

Scholl mit dem ersten CL-Tor für die Bayern

Zwei Wochen später war Dynamo Kiew Bayerns erster Königsklassen-Gast im Olympiastadion. Lediglich 26 000 Zuschauer wollten die Partie sehen, die Scholl mit einem Heber über Kiews Keeper bereits nach neun Minuten entschied – 1:0, der Endstand. Scholls Kommentar zum allerersten Champions-League-Tor der Vereinsgeschichte der Münchner fiel ziemlich schollig aus: "Es ist mir relativ wurscht, ob es das erste Tor in der Champions League war, Hauptsache gewonnen." 

Die Bayern quälten sich fortan durch die Gruppenphase. Auf ein 1:1 bei Spartak Moskau folgte in München auch nur ein 2:2 gegen die Russen. Danach setzte es gegen PSG auch im Olympiastadion eine Pleite, Weah traf nach legendärem Sololauf zum 1:0. Der Befreiungsschlag und das Weiterkommen sicherten ein furioses 4:1 in Kiew. Jean-Pierre Papin traf doppelt.

In der K.o.-Phase, damals beginnend mit dem Viertelfinale, wurde ab dem Frühjahr 1995 fleißig weitergerumpelt. Gegen den schwedischen Meister IFK Göteborg kam man nur dank der Auswärtstore-Regelung (0:0/2:2) weiter. Im Halbfinale war dann gegen Ajax Amsterdam Endstation. Auf das dritte torlose Heimspiel in Folge (0:0) folgte in Holland ein Debakel. Im Rückspiel geht Bayern im alten "Olympisch Stadion" mit 2:5 unter, die Tore von Witeczek und Scholl halfen nicht. Trainer der Holländer, die darauf das Finale gegen den AC Mailand mit 1:0 gewannen: ein gewisser Louis van Gaal. Sachen gibt’s.

Lesen Sie hier: FC Bayern - Spielertunnel in der Allianz Arena modernisiert

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading