Bizarre Demonstration Diese (falschen) Priester suchen Uli Hoeneß heim

Falsche Priester vor dem Haus von Uli Hoeneß am Tegernsee. Foto: az

Eine Gruppe junger Künstler inszeniert ein Schauspiel vor dem Haus des ehemaligen Bayern-Bosses Uli Hoeneß am Tegernsee. Der lässt sich sogar kurz blicken.

 

Bad Wiessee - Drei Pfarrer mit blutverschmierten Gesichtern kriechen wie Katzen über die Wiese vor Uli Hoeneß’ Haus. Es nieselt. Sie wälzen sich im nassen Gras und schmiegen sich an die Schuhe von Polizisten, die sie vom Haus fernhalten. Nonnen mit geknickten Tulpen in den Händen stehen am Stachelzaun davor. Glöckchen klingeln.

Es ist der absurde Höhepunkt einer Kunstaktion junger Schauspieler. Sie nennen sich „Unkoordinierte Bewegung“ und sind zum Festival „Radikal Jung“ im Münchner Volkstheater angereist. Doch sie wollen nicht im Theater spielen, sondern ihre Kunst im öffentlichen Raum zeigen. Als Spiel. Und Uli Hoeneß soll mitspielen.

Die (fiktive) Handlung: Uli Hoeneß, Ex-Präsident des FC Bayern und verurteilter Steuerhinterzieher, hat sein Haus in Bad Wiessee als Residenz für Flüchtlinge und Kulturschaffende zur Verfügung zu gestellt. Schließlich steht es leer, während Hoeneß im Knast ist. Das haben die Pater durch ein Zeichen des Himmels vernommen. Jetzt wollen sie ihm für diese großzügige Tat danken.

Für diese „Bitt-Prozession“ hat das halbe Dutzend junger Schauspieler einen Bus gemietet und im Internet dazu aufgerufen, ihm zu folgen. Tatsächlich ist der Bus gut gefüllt, als er vormittags um 10 Uhr am Volkstheater losfährt.

„Pater Matthias“, dessen voller Name, wie er sagt, keine Rolle spiele, hält eine kurze Rede: „Uli Hoeneß hat gezeigt, wie eine Utopie für eine bessere Zukunft geht, indem er sein Haus den Flüchtlingen schenkt.“ Ein Kamerateam filmt ihn. Die Aktion soll nachher auf dem Festival gezeigt werden.

In Bad Wiessee setzt sich die Prozession in Bewegung. Etwa 30 junge Menschen – verkleidet als Pfarrer oder Nonnen oder einfach in Lederhosen – wandern den Hügel hinauf zu Hoeneß’ Anwesen. Einer verteilt Wurst aus Hoeneß’ Produktion auf einem silbernen Tablett.

Oben wird die Gruppe erwartet. Aber nicht von Hoeneß. Fünf Polizeiwagen und ein gutes Dutzend Polizisten stehen vor dem Grundstück. Die Künstler sind nicht auf Krawall aus. Sie bleiben auf der Wiese stehen und brüllen Dankesrufe in Richtung des eingezäunten Holzhauses.

Da geht die Balkontür im ersten Stock auf. Jemand tritt heraus, macht ein Foto von der Prozession und verschwindet schnell wieder. War es Susanne Hoeneß? Ist ihr Mann auch da? Die Polizisten sagen nur: „Wir wissen, wo er ist.“

Die Gruppe geht ein Stück weiter. Die falschen Pfarrer hängen bemalte Leintücher an den mit Stacheln besetzten Zaun des Grundstücks. Sie legen Tulpen nieder und eine Madonna. „Ulis Arche“ steht auf einem der Leintücher.

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Jetzt sollen Grenzen überschritten werden. Ein Pater steigt über den Zaun. Polizisten folgen ihm, schirmen ihn vom Haus ab, lassen aber zu, dass er mit einem Spaten ein Loch gräbt – den „ersten Spatenstich zum Flüchtlingsheim“. Dann übergießt sich der „Pater“ mit Kunstblut. Vier weitere machen es ihm nach. Jetzt, sagen die Polizisten, reiche es dann. Ein Künstler wirft sich auf den Boden: „Ich kann als Katze bis zu Uli Hoeneß’ Haus kriechen.“

Die anderen machen mit. Nach fünf Minuten Katzenspiel ist alles vorbei. „Ich glaub’ nicht mehr dran“, ruft einer. Gerade als die Gruppe die Kurve ins Tal hinuntergeht, fährt ein roter Audi aus einem Waldweg hervor. Am Steuer: Uli Hoeneß. Schnell fährt er zu seiner Einfahrt. Die Schranke öffnet sich, schließt sich wieder – weg ist er.

Auf dem Weg zum Bus diskutieren die jungen Schauspieler. „Damit haben wir keinen Druck aufgebaut, da lacht er doch“, sagt einer der Pater. Das Spiel ist aus. Und Uli Hoeneß hat nicht mitgespielt.

 

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