Bildung Mieses Zeugnis für die Mittelschule

Kultusminister Ludwig Spaenle feiert das Model " Mittelschule" als Erfolg - Die Mehrheit der Lehrer sieht das anders:  Zu wenig Geld, zu wenig Personal.

 

München - Reinhold Meier hat heute mehr Probleme als früher. Dabei sollte alles besser werden. Stattdessen sagt er: „Wir sind nicht attraktiv. Und die Kollegen haben die Grenze der Belastbarkeit erreicht.“ Meier ist Rektor der Mittelschule Bechhofen im Kreis Ansbach und leitet auch den Mittelschulverbund „Obere Altmühl“ mit insgesamt 605 Schülern.

Bayerns Hauptschulen können sich seit eineinhalb Jahren „Mittelschule“ nennen, wenn sie einen Mittleren Abschluss, Ganztagsbetreuung und Spezialisierungsmöglichkeiten anbieten. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) feiert das Modell als Erfolg – Schulleiter Meier nicht. „Es fehlt an Personal und an Lehrerstunden, die Verbünde schaffen mehr Probleme als sie lösen, unsere Schüler sind gegenüber Realschülern immer noch im Nachteil“, sagt er.

Seinen Frust teilen viele. Über 1000 Lehrkräfte hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) befragt. Das Ergebnis: Vier von fünf Lehrkräften halten die Mittelschule für einen Misserfolg. Es gebe zu wenig Lehrkräfte und mobile Reserven. 90 Prozent der Lehrer sagen, sie hätten weder mehr Zeit für einzelne Schüler, noch für intensive Förderung. Das Urteil des BLLV: Die Mittelschule ist höchstens eine Zwischenlösung, die Verbünde brechen auseinander. „Mittelschulen brauchen mehr Personal, mehr Geld und mehr Flexibiliät“, fordert BLLV-Präsident Klaus Wenzel. „Dazu muss Minister Spaenle die Realität sehen und endlich ehrlich sein.“

Das Kultusministerium lasse die Lehrer und Schulleiter im Stich. Der Minister sieht die Mittelschule als Erfolg: Die Zahl der Schüler in den (theoretisch den Realschulen gleichgestellten) M-Zweigen sei gestiegen, die Abschlüsse dort hätten sich verdoppelt. Es gebe immer weniger Abbrecher. Die Mittelschulen seien stark berufsorientiert, die Schüler würden dort stärker gefördert als anderswo und hätten dadurch mehr Chancen für die Zukunft. All das lasse sich belegen.

Die Wahrheit sieht anders aus, sagt Klaus Wenzel vom Lehrerverband. „Mehr als drei Viertel der befragten Lehrer sagen, dass ihre Schüler auf der Suche nach einem Arbeitsplatz gegenüber Realschülern im Nachteil sind.“ Während die Schulen auf dem Land vor allem der Schülerrückgang plagt, gibt es in München ein pädagogisches Problem: „Mittelschulen haben viele Schüler mit Migrationshintergrund, teils bis zu 80 Prozent und aus 35 Nationen“, sagt Wenzel.

Die Politik ignoriere diese Herausforderung: „Eine Schule in Milbertshofen braucht mehr Budget als eine in Bogenhausen.“ Minister Spaenle solle die Lage an der Schulen nicht weiter beschönigen, sondern handeln. Das Kultusministerium will die Umfrage nun zumindest in ihr „Monitoring“ und die „Überlegungen zur Weiterentwicklung der Mittelschule“ einfließen lassen.

 

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