Betreuungs-Krise München: Das ist der Grünen-Plan gegen die Kita-Not

, aktualisiert am 11.09.2019 - 07:17 Uhr
Seit Anfang September gehen in München Kinder zwischen drei und sechs Jahren kostenlos in den Kindergarten, wenn die Eltern weniger als 50.000 Euro im Jahr verdienen. Foto: Peter Kneffel/dpa-Archivbild

Mehr Geld und Wohnungen für Erzieherinnen: Was die Grünen vorschlagen, um die Betreuungs-Krise zu entschärfen und Eltern zu entlasten.

 

München - Mindestens 300 Erzieher und 150 Kinderpflegern haben im Frühjahr in München gefehlt. "Wir schätzen, dass es sich im Herbst auf 1.000 Personen summieren wird, die fehlen", erklärt Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen.

Dass in München ein gravierender Mangel an Erziehungspersonal herrscht, bekommen immer mehr Familien hart zu spüren. Zum Beispiel die Mutter Ina Roth, der die Stadt zum Schulanfang keinen Hortplatz anbieten konnte – obwohl die Mutter wöchentlich weit mehr als 40 Stunden arbeitet, als IT-Prozessmanagerin bei BMW.

"Räume für drei Hortgruppen sind da, aber Personal fehlt"

"Solange meine Tochter in den BMW-Kindergarten ging, hatte ich kein Problem", sagt Roth. Doch am Dienstag war für die sechsjährige Cora der erste Schultag. "Für den erhofften Hortplatz kam im Juni die Absage. Die Räume für drei Hortgruppen sind da, aber Personal fehlt", sagt Ina Roth verärgert.

Verzweifelt hat sie jetzt eine Studentin als Minijobberin angestellt, die drei Mal in der Woche nachmittags bei ihrer Tochter ist, dazu hat sie noch einen Platz in der Mittagsbetreuung der Schule. "Ich habe sogar an OB Reiter geschrieben, aber der hatte auch keinen Hortplatz", stöhnt die berufstätige Frau.

Mutter aus Pasing muss auf teure Privatkita ausweichen

"In München, mit den extrem hohen Lebenshaltungskosten, wegen denen meist beide Eltern arbeiten müssen, ist es existenziell, dass die Betreuung der Kinder gesichert ist", erklärt die Grüne Katrin Habenschaden. Seit April haben sich immer mehr Eltern mit Angst keinen Betreuungsplatz zu finden, bei ihr gemeldet.

Auch Nadine Widmann, Industriekauffrau aus Pasing hat Kita-Not. Die 36-jährige Mutter von zwei Jungs (vier Jahre und elf Monate) beklagt: "Ich habe für meinen Großen keinen städtischen Kindergartenplatz bekommen und für den kleinen keine Krippe. Mein komplettes Gehalt, 1.600 Euro, geht nun für die Betreuung in der Privatkita drauf, obwohl ich kein Wert auf Kinder-Yoga lege", sagt sie.

Als besonders "bitter" empfindet Widmann: "Den städtischen Kindergarten für den Großen könnte ich jetzt kostenlos haben. Das ist extrem unbefriedigend für uns und wirklich nur traurig!"

Die Grünen möchten das Problem nun an der Wurzel packen. Ihr Weg aus der Kita-Krise...

  • Ziel sei, allen Interessenten für den Erzieher- und Kinderpflegerberuf einen Ausbildungsplatz anzubieten. Dafür müssen zuerst mehr Plätze in Berufsschulklassen entstehen – die soll die Stadt in einer Ausbildungsoffensive schaffen.
  • Das soll sich ändern: Junge Menschen mit einem Handicap hätten oft großes Interesse an der Arbeit als Kinderpflegerin. Schüler an Förderschulen absolvieren oft Praktika in Kindergärten – mit guten Rückmeldungen. Derzeit dürfen sie aber nicht in Kinderpflegeschulen aufgenommen werden.
  • Erzieher sollten während ihrer kompletten Ausbildung bezahlt werden.
  • Priorität für Erzieher bei der Vergabe städtischer Dienstwohnungen. Kinderpflege sollte als Mangelberuf geführt werden, damit junge Berufstätige in München eine günstige Wohnung erhalten und die teure Stadt nicht verlassen müssen.

SPD will mehr Eltern entlasten

Viele Eltern profitieren: Wer sein Kind in einem städtischen Haus zur Betreuung unterbringen konnte, ist nun finanziell entlastet: Seit Anfang September gehen in München Kinder zwischen drei und sechs Jahren kostenlos in den Kindergarten, wenn die Eltern weniger als 50.000 Euro im Jahr verdienen.

Andere zahlen an das Einkommen gestaffelt. Horts und Tagesheime sind auch immer öfter gebührenfrei. Die SPD im Rathaus drängt nun darauf, dass das neue Krippengeld der Staatsregierung, ein Zuschuss von 100 Euro pro Kind ab 1. Januar 2020, mehr Münchner Eltern zugutekommt.

Bislang ist eine Einkommensgrenze von 60.000 Euro für den Zuschuss geplant. Diese Grenze ist aus Sicht der SPD zu gering. Sie soll angehoben werden, beantragt die SPD. Begründung: "Insbesondere angesichts der in München höheren Lebenshaltungskosten, wodurch gerade mittlere Verdienste wieder über Gebühr belastet werden." (est)

Lesen Sie hier: Verbesserungen gefordert - Münchner CSU geht in die Kita-Offensive

 

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