Betreuung von Asylbewerbern Helden mit Herz: Darum helfen wir Flüchtlingen!

Ausflug an den Ammersee: Dagmar B. mit zwei Flüchtlingen aus Syrien. Foto: privat

Was bewegt die Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit Asylbewerber betreuen? Die AZ hat nachgefragt.

 

München - Ohne sie wäre Angela Merkels "Wir schaffen das" ein Ding der Unmöglichkeit: ohne die vielen Tausend ehrenamtlichen Helfer, die sich in ihrer Freizeit für Flüchtlinge engagieren.
Die mit ihnen Deutsch lernen, sie bei Behördengängen unterstützen, mit ihnen Arbeitsstellen und Kindergartenplätze suchen, sie trösten, ihnen den nächsten Second-Hand-Shop zeigen, die Waschmaschine erklären  oder ihnen das komplizierte Nahverkehrssystem erklären.

Gesprochen wird sehr viel über diese Menschen – vor allem darüber, dass sie angeblich an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. Zugehört wird den Freiwilligen nur selten.

Vor kurzem wandten sich knapp 20 bayerische Helferkreise mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit, in dem sie die Restriktionen beim Familiennachzug kritisierten. "Wie sollen wir den syrischen Flüchtlingen erklären, dass sie ihre Frauen und Kinder auf absehbare Zeit nicht nach Deutschland holen dürfen?", haben sie darin gefragt. "Wie sollen wir ihnen erklären, dass jetzt für ihre Familien nur noch die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer bleiben wird, und dann der Elendsweg durch ein Europa, in dem sie kein Land aufnehmen möchte?" Wahrgenommen hat ihre Bedenken kaum jemand.

Die AZ hat nun bei den Aktiven nachgefragt:

Wie geht es den Ehrenamtlichen? Sind sie wirklich am Ende ihrer Kräfte? Was demotiviert sie? Was müsste sich ändern? Und was lässt sie weitermachen?

Ihre Antworten lesen Sie hier.

Ausflug an den Ammersee: Dagmar B. mit zwei Flüchtlingen aus Syrien.

Dagmar B. (53), Übersetzerin, Helferkreis Asyl Fürstenfeldbruck

"Sie tun alles, um sich zu integrieren"

Nein, am Ende meiner Kraft bin ich nicht. Seit zweieinhalb Jahren mache ich jetzt diese Arbeit für Flüchtlinge. Okay, manchmal möchte ich hinwerfen, weil das Ehrenamt eine zweite Halbtagesstelle wurde.

Es macht mir aber viel zu sehr Freude, für die Menschen aus so vielen Ländern etwas bewirken zu können, ihnen eine Perspektive in meinem Land zu geben, mitzuhelfen, sie in meinem Land zu integrieren.

Der Großteil dieser Menschen tut alles dafür, sich integrieren zu können!
Zum Beispiel: nachts um vier Uhr 15 Kilometer radeln, um bei McDonald's arbeiten zu können; nachts um zwei zur Bäckerei-Lehrstelle strampeln, um tagsüber nach der Arbeit im Drei-Personen-Zimmer keinen Schlaf aufholen zu können; täglich von Türkenfeld nach Haar fahren, um dort in einem Kindergarten ein soziales Jahr machen zu dürfen.

Was mich demotiviert?

  • Politiker, deren Bemerkungen vor den Medien einer Integration nicht hilfreich sind!
  • Landratsämter, denen wir endlos zuarbeiten, von denen aber noch kein Vertreter in unsere Helfertreffen kam!
  • Von Integration reden – aber letztlich die Flüchtlinge mit einem bewilligten Deutschkurs alleine lassen. Integration ist mehr.

Was verbessert werden könnte?

  • Der Start in das "deutsche Leben": Wenn das Landratsamt Geld für anfängliche Unterweisungen durch Dolmetscher in der Landessprache der Flüchtlinge freigeben würde, wäre uns Ehrenamtlichen, aber auch der Caritas und den Landratsämtern selbst geholfen (Müllentsorgung in Deutschland; Stempeln im Bus – nicht nur Ticket kaufen und dann trotz Ticket 60 Euro zahlen müssen; Wie bediene ich eine Waschmaschine? Welche Verkehrsregeln gibt es für Fahrradfahrer? Pünktlichkeit...).
    Die Flüchtlinge wollen all das lernen, das sehen wir täglich. Wir können aber all diese Aufklärung nicht leisten, weil wir genug zu tun haben mit Deutschkursen, Formularen, Arbeitssuche, Arztbesuchen, Schuleinschreibungen, Spendensammeln und so weiter.
  • Außerdem: Weniger Regelwerk für Arbeitssuchende! Bis die Erlaubnis zur Arbeit kommt, ist der Arbeitsplatz oft schon weg, kein Chef kann so lange warten! Dabei ist doch das Hauptziel, die Flüchtlinge in Arbeit zu bekommen.

Am Münchner Flughafen: Peter Barth mit Mehmet, einem abgewiesenen Asylbewerber, bei dessen Rückkehr in den Kosovo.


Peter Barth (68), ehemaliger Verkaufsleiter, Helferkreis Asyl Hebertshausen

"Wir helfen – ohne Ansehen der Person"

Ich fühle ich mich von der "großen" Politik nicht mehr in meinem ehrenamtlichen Engagement unterstützt.

Bereits in einem Schreiben vom 1. Juli 2015 schrieb mir Innenminister Joachim Herrmann: "Wir müssen sowohl im staatlichen wie im ehrenamtlichen Bereich unsere Anstrengungen zur Erleichterung der Integration auf diejenigen Asylbewerber konzentrieren, die eine echte Bleibeperspektive in Deutschland haben."

In einem Artikel mit der Überschrift "Plädoyer für Flüchtlinge" rief Bernd Fabritius (MdL und selber ein Rumänienauswanderer) Ende November dazu auf, Asylbewerbern mit Empathie zu begegnen – aber nur solchen, die um Leib und Leben fürchten müssen, und nicht solchen, die aus ökonomischen Gründen ihr Land verließen. Diese hätten ja ihr Land im Stich gelassen.

Nur weil die CSU unbedingt gewissen Teilen der Bevölkerung klarmachen will, dass sie Wege und Mittel findet, um die Flüchtlingszahl zu reduzieren, ist ihr jedes Mittel recht.

Wirtschaftliche Not, immense Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit sind keine Fluchtgründe – die Hoffnung auf ein besseres Leben auch nicht.

In der Realität aber helfen Helferkreise den Flüchtlingen in den Unterkünften ohne Ansehen der Person und das ist richtig und gut so.

Es gibt unterschiedliche Fluchtgründe, aber jeder Flüchtling, der hier gestrandet ist, verdient Empathie.

Wie viele letztendlich bei uns ein besseres Leben finden, hängt in der Tat von der mehr oder weniger rigiden Flüchtlingspolitik ab.


Zoltán Jókay (55), Betreuungsassistent in einer Münchner Klinik, Asylhelferkreis Eichenau

"Anna und Thomas werden abgeschoben"

Anna (26) und Thomas (26, Namen geändert) stammen aus dem Kosovo, einem kaputten Land, in dem wirtschaftliche Not und Perspektivlosigkeit herrschen.

Als Annas Vater erfuhr, dass seine Tochter mit Thomas zusammen ist, sperrte er sie ein und sie durfte das Haus nur noch in Begleitung verlassen. Anna ist dann abgehauen, jetzt sind sie und Thomas seit einem Jahr hier in Deutschland.

Weil sie nicht vor Mord und Totschlag geflohen sind, wurden sie von der Politik Asylbetrüger genannt und mit Kaufhausdieben verglichen.

Das hat mich jedes Mal so getroffen, als wäre über den beiden ein Kübel Dreck ausgeschüttet worden.

Thomas arbeitet inzwischen Vollzeit bei einer großen Bäckerei, in Nachtschichten. Die beiden liegen niemandem auf der Tasche. Anna hat Anfang Dezember ein Kind bekommen. Einen kleinen Jungen.

Anna und Thomas werden abgeschoben werden. Sie haben eine Tür in die Zukunft gewählt, die für sie verschlossen bleibt. Es ist traurig, dass es für sie keine Möglichkeiten zur legalen Einwanderung gibt.

Mich demotiviert nicht die große Zahl der Flüchtlinge. Mich demotiviert auch nicht, wenn Menschen aus Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland kommen. Um die Not zu wenden, müssen manche ihre Heimat verlassen.

Ich lasse mich nicht demotivieren. Aber mich frustriert das menschenfeindliche Gerede führender Politiker, und mich frustrieren ihre rücksichtslosen Vorschläge: Bald werden Flüchtlinge aus Syrien ihre Familien nicht mehr nachholen dürfen. Bald werden Afghanen gegen ihren Willen zurückbefördert werden. All das, und vieles mehr, kann ich gar nicht fassen.


Franz Heitzinger (57), Hausmann, Asylhelferkreis Emmering

"Die Familie wartet seit einem Jahr"

Ich lebe in Emmering bei Fürstenfeldbruck und helfe hier einer Familie aus Pakistan hauptsächlich bei strukturellen Fragen wie dem Einrichten eines Bankkontos, dem Finden eines Kindergartenplatzes, der Anmeldung in der Schule und bei Arztbesuchen. Ich fühle mich durch die Arbeit für Asylbewerber nicht überfordert. Ich bin auch nicht demotiviert.

Was mich ärgert, ist allerdings die Tatsache, dass die von mir betreute Familie jetzt ein Jahr in Deutschland ist und bisher noch nicht einmal gefragt wurde, welches Problem sie zu Hause hatte, das sie bewogen hat, hier Asyl zu beantragen.

Nikolausfeier im Erstaufnahmelager Vaterstetten: Helfer Sven Blaukat mit zwei Asylbewerbern und dem Nikolaus.


Sven Blaukat (47), Geschäftsführer einer Digital Media Agentur, Helferkreis Vaterstetten

"Sie werden unser Land bereichern"

Aus meiner Arbeit im Erstaufnahmelager (der Turnhalle) in Vaterstetten mit 200 Asylbewerbern kann ich nach vier Wochen folgendes, erstes persönliches Resümee ziehen: Ein Drittel der Leute sind hoch gebildet: Programmierer, Techniker, Ärzte. Zwei Drittel können lesen, sprechen teilweise mindestens zwei Sprachen und haben eine mittlere Bildung. Ein Drittel sind einfache (wie ich finde liebenswerte) Menschen – aber sie werden es schwer haben. Ein Drittel sind Christen. 90 Prozent sind generell interessante, gute Typen.

Warum so viele Männer?
1. In Syrien muss man sich einer Kampf-Gruppe anschließen, sonst besteht Lebensgefahr, liberal denkende Menschen sind in ständiger Gefahr. Man kann also aus drei Armeen wählen: Pest, Cholera, Typhus.
2. Den Söhnen und Brüdern traut man die beschwerliche Reise am ehesten zu.

Ja, viele haben keine Ahnung von unserer Lebensweise – aber sie sind neugierig darauf zu lernen. Und ja, der Staat ist überfordert und ist auf die freiwilligen Helfer und die Gesellschaft angewiesen. Das ist ärgerlich, aber es hilft nix.

Ja, wir hatten auch schon eine Schlägerei, aber der Grund dafür hätte in der westlichen Welt ebenso eine solche hervorrufen können. Übrigens sind die meisten Helfer und Security weiblich, es gibt hier keinerlei Probleme.

Es ärgert mich, dass es keinen vernünftig durchdachten Prozess der Integration von der ersten Minute an gibt:
- Ein mehrsprachiges Refugee-Magazin, statt ein arabisch gedrucktes Grundgesetz, könnte zur Orientierung helfen;
- Sofortiger Deutschunterricht und freiwillige Angebote gegen die Langeweile;
- Ein Medienraum, ein Fernseher oder Beamer pro Unterkunft – nicht nur zum Entertainment, sondern Clips zur Aufklärung;

Wir Helfer haben keinen Bock mehr, über das "ob" zu diskutieren – es braucht nur mehr Unterstützung, die zu Ende gedacht ist, die Schaffenskraft ist ungebrochen.

Sehr viele Flüchtlinge, die hier ihren Weg gehen, werden unser Land demnächst bereichern.

Lernen gemeinsam Deutsch: Bettina Hiltl und Arkebe aus Eritrea.

Bettina Hiltl (44), Heilpraktikerin, Helferkreis Hechendorf

"Echte Integration schützt vor Terrorismus"

Ich arbeite nun seit einem halben Jahr als Patin und als Patenkoordinatorin mit Flüchtlingen aus Eritrea, Somalia und Mali. Täglich sehe und höre ich – auch von den anderen Paten –, wie fleißig und konsequent die Flüchtlinge daran arbeiten, schnell und gut Deutsch zu lernen, um schnell und gut ins Arbeitsleben zu kommen – obwohl das für sie oft mühselig und verwirrend ist (deutsche Sprache, schwere Sprache).

Sie wünschen sich nichts mehr, als sich eine sichere, friedliche und eigenständige Existenz in Deutschland aufzubauen, unabhängig von Sozialleistungen und Spendengeldern. Sie lernen und mühen sich hier, um ein Leben in Würde und Frieden und in Gemeinschaft mit uns und ihren Familien zu erreichen.

Wie soll das aber gehen, wenn ihnen der Arbeitsmarkt weitgehend versperrt ist, die Arbeitslöhne wieder entzogen oder 1-Euro-Jobs als das Nonplusultra angeboten werden? Wie sollen sie sich motivieren, wenn ihnen durch die Einschränkungen beim Familiennachzug ein einsames Leben ohne Angehörige und als Hartz-IV-Empfänger bevorsteht?

Gleichzeitig werden sie beschuldigt, "Sozialschmarotzer" zu sein oder werden gar als "Kriminelle" und "Terroristen" betitelt.

Würde ich so in einem fremden Land aufgenommen, nachdem ich hoffnungsvoll, unter größter Lebensgefahr, von Schleppern und Warlords all meiner Güter und Ehre beraubt, einsam und traumatisiert es bis hierher geschafft habe, ich würde mich wahrscheinlich tatsächlich aus Frust und Hoffnungslosigkeit jemandem anschließen, der mir Hoffnung, Lebenssinn und Sicherheit verspricht.

Für mich ist echte Integration der einzig sinnvolle Weg, Terrorismus zu bekämpfen.
Wer bekämpft schon ein Land – und dessen Menschen –, das er ehrt und respektiert, gar liebt?

Bei der Arbeit: Moussa und sein Chef Ludwig Kloiber.


Peter Doldi (69), Asylhelferkreis Petershausen

"Danke, liebe Politiker!"

Moussa Nomoko stammt aus Mali und ist bereits 2013 vor den islamistischen Rebellen hierher geflohen. Moussa hatte Glück, auf einer Jobbörse in Dachau entdeckte ihn Bäckermeister Ludwig Kloiber, der von dem jungen Mann sofort angetan war.

Seit August 2014 arbeitet er als Auszubildender für das Bäckerhandwerk in der Firma Kloiber in Petershausen. Ludwig Kloiber spricht über seinen Mitarbeiter sehr anerkennend und lobt Moussas Freundlichkeit, seinen Fleiß sowie dessen eisernen Willen, um die deutsche Sprache und seinen Beruf zu erlernen.

Als seine ehrenamtlichen Lehrkräfte sind auch Doris Stadler für Mathematik und ich, Peter Doldi für Deutsch, von seinem Lernwillen und seiner raschen Auffassungsgabe angenehm überrascht und es macht uns echte Freude, ihn zu unterrichten.

Wir sind sehr motiviert und werden unser Bestes tun, damit er in etwa 18 Monaten seine Gehilfenprüfung zum Bäcker besteht und eine solide Zukunft hat.

Ich ärgere mich nur, wenn die Politik immer davon spricht, dass wir in Deutschland das nicht schaffen und alle überfordert sind. "Geht nicht, gibt’s nicht", nach dieser Prämisse habe ich in meinem Job in einer Werbeagentur immer gehandelt und auch von unseren Politikern erwarte ich, dass sie ihr Volk nicht ständig demotivieren, sondern im integrativen Handeln bestärken.

Flüchtlinge mit den besten Asylaussichten (aus Eritrea, Syrien, Iran, Irak) erhalten nun bezahlte intensive Deutschkurse täglich, bei uns 20 von 65 Asylbewerbern. Sind die statistischen Asylaussichten nur fünf Prozent geringer, gehen die Flüchtlinge leer aus.

Diese Schlechterstellung, verbunden mit der eh schon monate- bis jahrelangen Wartezeit und Unsicherheit, ist für die restlichen Asylbewerber ein gravierendes psychisches Problem. Zum Deutschunterricht für die sich abgehängt fühlenden Menschen leisten wir Ehrenamtlichen jetzt auch noch die Motivationsarbeit. Danke, liebe Politiker.

"Mein Deutsch-Kurs": Sonja Beyer (r.) bangt um die Zukunft ihrer afghanischen Schüler und Schülerinnen.


Sonja Beyer (69), Fachlehrerin im Ruhestand, Helferkreis Puchheim

"Wir sind traurig, aber nicht demotiviert"

Wir sind Sprachpaten, mein Kollege Stefan und ich. Seit Mitte September geben wir einen Deutsch-Kurs für eine Flüchtlingsgruppe, die aus Syrern und Afghanen besteht. Dieser Kurs, einer von vielen, die von ehrenamtlichen Helfern in Puchheim gehalten werden, fand dreimal pro Woche statt.
Unsere Sprachgruppe, die bei null angefangen hat, kann jetzt einfach strukturierte Texte lesen und verstehen, einfache Frage- und Antwortsätze formulieren und vieles mehr.

Dieser Lernerfolg war nur möglich, weil die Teilnehmer überaus fleißig, wissbegierig und strebsam sind.

Meine Bewunderung gilt insbesondre den beiden jungen, verheirateten Frauen aus Afghanistan, die sich trotz der männlichen Überzahl immer mutig und aktiv am Unterricht beteiligt haben und deren wache Intelligenz unseren Unterricht vielseitig bereichert hat.

Wir hatten nie Schwierigkeiten mit unseren Teilnehmern, die uns immer überaus freundlich, höflich und hilfsbereit begegnet sind; von ihrer großen Dankbarkeit kann ich nur mit Beschämung berichten.

Dieser Kurs wurde aufgelöst. Wir wurden neuen Kursen zugeteilt. Die syrischen Teilnehmer erhalten jetzt vom Freistaat Bayern finanzierte Deutschkurse. Deutschkurse, die von ausgebildeten Deutschlehrern gehalten werden, die aber den afghanischen Flüchtlingen offiziell nicht zustehen. Dies wird jetzt noch aufgefangen von gespendeten Deutschkursen, die von der Volkshochschule abgehalten werden.

Leider wird dieses Bemühen um Ausgleich kaum etwas an der negativen Bleibeperspektive der afghanischen Flüchtlinge ändern. Der Gedanke, dass unsere afghanischen Kursteilnehmer – diese bewundernswerten jungen Menschen, dieses Potenzial an sozialer Kompetenz und Intelligenz – wieder abgeschoben werden sollen, was sich eben darin zeigt, dass sie vom Freistaat keine Deutschkurse erhalten, ist für mich ein tiefer persönlicher Kummer, für die hoffnungsvollen, strebsamen jungen Menschen aber eine absolute Katastrophe. Ich hatte nicht den Mut, es ihnen zu sagen.

Wir sind traurig, aber nicht demotiviert. Wir machen auf jeden Fall weiter.

Ich persönlich glaube, dass jedes engagierte Bemühen, verbunden mit Achtung und liebevoller Zuwendung, Früchte tragen wird. Und darum bin ich den Flüchtlingen dankbar, dass ich durch sie eine Möglichkeit gefunden habe, mich nicht mehr so hilflos gegenüber einer Welt zu fühlen, die so bedrohlich geworden ist.

Birgitt Epp (54), Produktmanager für Ski-und Sportreisen vom Helferkreis Asyl Fürstenfeldbruck

"Lasst endlich Praktiker ans Ruder!"

„Ob wir am Ende unserer Kräfte sind? Nein, noch nicht ganz – aber sehr frustriert und überlastet. Wir machen die Arbeit der Verantwortlichen, die Geld dafür bekommen.

Als Beispiel: wir haben 100 neue Flüchtlinge bekommen, die Caritas hat ihre Stunden nicht aufgestockt, und das Landratsamt mit Objektbetreuer auch nicht.

Wir haben ein neues Gebäude als Unterkunft bekommen, die Schlösser müssen alle nach einem Monat ausgetauscht werden, die Herde waren ohne Backofen...

Was uns demotiviert, falls uns etwas demotiviert, während wir uns für unsere Schützlinge einsetzen?

Die Bürokratie: man bekommt keine Antworten; so viele unnütze Kosten ( z.B. bekommen die Busunternehmer für die Busse genau soviel bezahlt wenn die Busse stehen, wie wenn Sie fahren. Die stellen kaputte Busse hin, und machen einen Reibach ohne Ende. In der Erstaufnahme wird sofort ein Krankenwangen gerufen, der ins Krankenhaus fährt, nur zum Fiebermessen...) Was uns ärgert in der jetzigen Lage – und was verbessert werden könnte?

Das Versagen der Politik!

Man sollte gesunden Menschenverstand einsetzen und Praktiker ans Ruder lassen, nicht Beamte mit tausenden Vorschriften.

Gudrun Huber (50), Musikerin und Helferin beim Asylhelferkreis Erdweg

"Wem ist mit einer solchen Regelung gedient?"

Einige Mitglieder unseres Helferkreises engagieren sich bei der Arbeitsvermittlung für Flüchtlinge.

Dabei passiert oft Folgendes: Nachdem ein Arbeitgeber gefunden wurde, muss ein Antrag gestellt werden. Dabei wird geprüft, ob nicht ein Deutscher bzw. ein EU-Bürger diese Arbeit erledigen könnte, dann hätte er Vorrang.

Die Bearbeitung des Antrags dauert mehrere Wochen, in denen die Geduld der Arbeitgeber und Arbeitssuchenden schon auf eine harte Probe gestellt wird.

Nachdem kein anderer passender Arbeitnehmer gefunden wurde, kam es aber nun schon mehrmals vor, dass der Antrag dennoch abgelehnt wurde, weil der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 € dem Gesetzgeber als zu wenig erscheint!

In großen Städten wie München liegt der ortsübliche Tariflohn meist höher und der Asylbewerber soll nicht schlechter gestellt werden.

Der Arbeitgeber möchte aber nicht mehr bezahlen, weil er ja meist eine ungelernte Kraft mit schwachem Deutsch beschäftigt und seine übrigen deutschen Mitarbeiter mit Abschluss und Erfahrung im Betrieb zu Recht mehr verdienen – wenn überhaupt (im letzten mir bekannten Fall, „Würstel aufhängen in einer Metzgerei“, sollten es 11,45 € pro Stunde sein).

Also kommt der Arbeitsvertrag nicht zustande, zum großen Frust aller Beteiligten, denn der Asylbewerber wäre ja einverstanden mit dem Lohn. Wozu sollen die Helfer sich überhaupt noch bemühen? Wem ist mit einer solchen Regelung dann gedient?

 

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