Besuch im Atelier der Schneiderin Kostüme für das Singspiel: Des Nockherbergs neue Kleider

Katrin Bobek in ihrem Atelier im Westend. Die 49-Jährige schneidert zum dritten Mal die Kostüme für den Nockherberg. Foto: dpa/Sophie Anfang

Katrin Bobek schneidert die Kostüme für das Singspiel. Die AZ hat sie in ihrem Atelier im Westend besucht.

München - Versteckt in einem schmucklosen Industriekomplex im Westend, nach einem langen tristen Gang, hinter einer schweren Brandschutztür, entsteht der Zauber vom Nockherberg. Zumindest ein Teil davon. Hier liegt das Atelier von Katrin Bobek. Zum dritten Mal schneidert die 48-Jährige die Kostüme für das Singspiel. Eine Aufgabe, bei der Spaß und Stress eng beieinanderliegen.

Ein bisschen erschöpft ist Katrin Bobek schon, so kurz vorm großen Derblecken. Die letzten Wochen hatten lange Tage und kurze Nächte. Sechs Sänger wollen neu eingekleidet werden, dazu kommen Änderungsarbeiten an alten oder gekauften Kostümen. „Beim Nockherberg darf man nicht lange fackeln“, sagt Bobek.

Wenn es sein muss, näht sie auch noch bei der Generalprobe

Sobald sie die Vorgaben für die Kostüme bekommt, muss sie loslegen. Um alles umzusetzen, hat sie nur wenige Wochen. „Oft kommt auf Zuruf noch etwas dazu.“ Für Sebastian Horn, die Stimme vom Nockherberg, hat sie einmal noch bei der Generalprobe eine Mütze entworfen und genäht. Weil kein Stoff da war aus einem Jackett, das nicht gebraucht wurde.

Horn gefiel die Schiebermütze so gut, dass er sie nach dem Singspiel behalten hat.

Der Zeitplan ist auch heuer eng: Während die Stoffe in der Waschmaschine rumgewirbelt wurden – waschen muss man sie, damit sie nicht später eingehen – arbeitete Bobek bereits an ersten Schnitten.

Die Ideen kommen von Regisseur Marcus Rosenmüller und dem Kostümbildner. Bei Details bleiben Bobek gewisse Freiheiten. „Ob ein Kostüm bieder oder sexy ist, ist eine Sache von ein paar Zentimetern.“ Bobek arbeitet lange genug in dem Beruf, um zu wissen, bei wie viel Zentimeter es passt. 13 Jahre war sie in der Leitung der Kostümabteilung der Theaterakademie August Everding, seit 2012 ist sie selbstständig und macht Maßanfertigungen, am liebsten schneidert sie aber immer noch Kostüme. „Wenn aus so einem eindimensionalen Stoff etwas entsteht, ist das echt schön.“

Während sie erzählt, schneidet Bobek, eine hochgewachsene Frau mit markanter Brille, weiter Stoff zu. Die Generalprobe naht. Auf kleinen Tischen und Regalen steht ihr Handwerkszeug, buntes Garn, Schnittbücher, der Schnellnäher Pfaff 1181 oder der Overlock-Näher MO-6700, der Nähte versäubert. Ansonsten hat sie in ihrem hellen Atelier alles weggeräumt, was Details zum Singspiel verraten könnte. „Das Kniffligste und Spannende am Nockherberg ist, dass die Kostüme etwas können müssen“, sagt sie. Etwa als im vergangenen Jahr das Toni Hofreiter-Double Wowo Habdank seinen Kopf verlor.

Ausgedacht hatte sich den Trick nicht Bobek, sondern Walter Schwarzmeier von den Kammerspielen. Habdank hatte nach dem Derblecken verraten, wie’s funktioniert: Schwarzmeier hatte ihm ein Drahtkorsett angelegt. Bei der Kopf-ab-Szene musste Habdank nur in die Knie gehen, das Kostüm blieb stehen, der Kopf schien zu fallen.

Heuer hat Bobek selbst an einem Trick getüftelt. Für eine Hauptdarstellerin. Fragt man nach, was es genau ist, lächelt Bobek und schweigt. Nockherberg, das ist im Vorfeld eben immer ein großes Geheimnis.

Nur so viel: Bobek hat der Trick ein ganzes Wochenende beschäftigt. Selbst ihr Freund musste mitgrübeln. Der hatte aber Ideen, die eher „bei einem Fahrrad“ funktioniert hätten. Nicht bei Stoff.

Die Zuschauer werden den Effekt beim Derblecken wahrscheinlich bemerken, glaubt Bobek. Nur wie viel Denksport dahinter steckt, wüssten die wenigsten. Beim Film gibt es den Schnitt oder Effekte, beim Theater verlassen die Schauspieler zwischendrin die Bühne. Doch der Nockherberg ist live, ein Tempostück, bei dem man nicht minutenlang umbauen oder sich umziehen kann. Die Kostüme müssen daher so gestaltet sein, dass sie schnell gewechselt werden können und am besten so, dass es dem Zuschauer nicht so vorkommt, als wäre die Bühne eine Umkleidekabine.

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Wenn das gelingt, ist Bobek zufrieden: „Ich bin oft stolz auf Sachen, die der Zuschauer nicht sieht“, sagt sie. „Die dafür sorgen, dass er verzaubert bleiben darf.“

 

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