Bestellung ist schwierig Grippeimpfung: Lieferengpässe in Bayern

Das H1N1-Virus ist für die sogenannte „Schweinegrippe“ verantwortlich – auch gegen diesen Virenstamm hilft die Grippeschutzimpfung. Foto: imago/Science Photo Library

In vielen Bundesländern gibt es Lieferengpässe für das Serum – auch in Bayern. Was man nun beachten sollte, wie die Politik reagiert.

 

München - Die Kälte kriecht in die Knochen, die trockene Heizungsluft tut ihr übriges: Viren haben derzeit ein leichtes Spiel. Während eine klassische Erkältung zwar unangenehm, aber in der Regel recht harmlos ist, kann eine echte Grippe, Influenza genannt, für manche sogar lebensbedrohlich werden. Besonders Risikogruppen können sich daher zumindest gegen bestimmte Influenza-Viren impfen lassen – vorausgesetzt, ihr Arzt hat noch genügend Dosen des entsprechenden Serums vorrätig.

Genau das könnte aber heuer zum Problem werden. In vielen Teilen Deutschlands werden die Grippe-Impfstoffe nämlich knapp. "Alles, was jetzt kommt, wird nicht mehr geimpft", sagt etwa der Geschäftsführer der Apothekenkammer des Saarlandes, Carsten Wohlfeil. Auch aus Sachsen, Niedersachsen und Hessen werden Lieferverzögerungen oder Engpässe gemeldet.

Und in Bayern? Ganz so dramatisch äußern sich die Experten hier noch nicht. Aber ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands bestätigt der AZ, dass es auch im Freistaat Lieferengpässe gibt. "Aktuell Impfstoffe zu bestellen ist schwierig", sagt er. Und dass weitere Dosen kurzfristig nachbestellt werden können, ist ausgeschlossen. Denn die Herstellung des Impfstoffes dauert etwa sechs Monate, die Produktion für die aktuelle Grippesaison ist abgeschlossen. Eine Garantie, dass alle, die sich jetzt noch impfen lassen wollen, auch ihre Spritze bekommen, will er nicht geben.

Erste Engpässe gibt es in Augsburg, Franken und der Oberpfalz

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) bestätigt der AZ, dass ihre Mitglieder derzeit keine Grippeimpfstoffe mehr geliefert bekommen. Zahlen, wie viele sich heuer schon gegen Grippe haben impfen lassen, liegen noch nicht vor. Wie der Bayerische Hausärzteverband mitteilt, seien gestern bei ihnen Meldungen über erste Engpässe unter anderem aus Augsburg, Unterfranken und der Oberpfalz eingegangen.

Im Gesundheitsministerium gibt man sich gelassen: Es lägen keine Informationen über einen generellen bayernweiten Versorgungsengpass bei saisonalen Grippe-Impfstoffen vor, teilt Gesundheitsministerin Melanie Huml auf AZ-Anfrage mit. Es käme in Bayern vereinzelt zu Lieferengpässen. In diesen Fällen sollten sich Apotheken bei Großhändlern nach Liefermöglichkeiten erkundigen, Ärzte sollten bei anderen Apotheken anfragen. Solange kein bayernweiter Versorgungsenpass vorliegt, sieht das Ministerium keinen Handlungsbedarf.

Versorgungssituation in München bleibt unklar

Das Münchner Gesundheitsreferat teilt auf Anfrage mit, man könne keine detaillierten Angaben zur Versorgungssituation in der Stadt machen. Ärzte und Apotheken seien nicht verpflichtet, Engpässe bei der Stadt zu melden. Man gehe aber aktuell der Sache nach, ob und in welchem Umfang München von regionalen Lieferengpässen betroffen sein könnte. Einen deutlichen Anstieg der Grippefälle habe man in München bisher nicht beobachten können. Deutschlandweit wurden laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) rund 15,7 Millionen Dosen des Impfstoffs freigegeben, rund eine Million mehr als im vergangenen Jahr genutzt wurden.

Mögliche Gründe, warum er nun trotzdem knapp wird, gibt es viele: "Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen", sagt Susanne Stöcker, Sprecherin des PEI. Auch die große Grippewelle der vergangenen Saison hält sie für einen möglichen Grund für das aktuelle Interesse. Zudem zahlen einige gesetzliche Kassen nun auch den Vierfach-Impfstoff und groß angelegte Informationskampagnen sensibilisieren viele Menschen für das Thema.

Bund reagiert auf Engpass mit Lockerung

Was aber kann man tun, wenn man sich jetzt noch impfen lassen möchte? Der Bayerische Apothekerverband empfiehlt, sich so bald wie möglich mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen und sich vormerken zu lassen. Auch die KVB rät zu einem Anruf beim Hausarzt. Falls dieser keinen Impfstoff mehr hat, könne er bei Kollegen nachfragen. Alternativ könne sich der Patient den Impfstoff auch selbst in der Apotheke holen und vom Arzt injiziert bekommen.

Angesichts der regionalen Engpässe beim Grippeimpfstoff lockert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff vorsorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden dürfen.

Grippeinmpfung: Was kann der Wirkstoff?

Das Robert-Koch Institut (RKI) rät insbesondere Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal zu einer Grippeimpfung. Laut Bundesgesundheitsministerium hat die Grippe in der vergangenen Saison in Deutschland zu fast 2000 Todesfällen geführt.

Die Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz, denn die Grippeviren mutieren schnell. Sie wird jedoch laufend angepasst. Seit 2007 sind Krankenkassen verpflichtet, die Dreifach-Impfung gegen drei Influenza-Stämme zu übernehmen. Das RKI hat kürzlich auch die Vierfach-Impfung empfohlen. Sie wird noch nicht von allen Krankenkassen übernommen. Erster Impf-Ansprechpartner ist der Hausarzt.

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