Beschränkung von Münchner Tagestouristen Coronavirus: Brandbrief vom Tegernsee ohne Erfolg

Johannes Hagn (CSU) gibt ein Fernseh-Interview, nachdem er sich für ein Ausflugsverbot für Münchner an den Tegernsee stark gemacht hatte. Foto: Klaus Wiendl

Der Brandbrief gegen Münchner Ausflügler am Tegernsee hat keinen Erfolg. Johannes Hagn hofft dennoch, dass seine Aktion etwas bringt.

 

Tegernsee - Auch vor der BR-Kamera musste Johannes Hagn (CSU) Rede und Antwort stehen, warum er stellvertretend für seine vier Bürgermeisterkollegen des Tegernseer Tals die Ausflüge ins Grüne von Münchnern und aus den umliegenden Landkreisen beschränken will und deswegen einen Brandbrief an Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) geschickt hatte. Im Zuge der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus wollen die Rathauschefs verhindern, dass zu viele Spaziergänger und Wanderer kommen. Sie sollten in ihren jeweiligen Landkreisen bleiben und dort die Freizeit verbringen. "Das erwarteten die Bürger im Tegernseer Tal", sagte Hagn (54) der AZ.

Mit dem Brandbrief konnte Aigner, die im Landkreis Miesbach ihren Stimmkreis hat, offenbar im Katastrophenstab nichts erreichen. Die Staatsregierung will auf die Forderung der Bürgermeister nicht eingehen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Man werde die Allgemeinverfügung nicht ändern. Innenminister Joachim Herrmann sagte am Dienstag: "Dass man am Tegernsee oder am Walchensee dann plötzlich wieder auf einem Haufen mit 50 anderen ist, sollte vermieden werden und darüber sollte wirklich jeder nachdenken." Auch Ilse Aigner appelliert an den "gesunden Menschverstand", so in ihrer Antwort an die AZ. "Das heißt: zu Hause bleiben! Und Spaziergänge möglichst wohnortnah unternehmen und dabei frequentierte Orte vermeiden, um keine Gruppen zu bilden."

Miesbach unter anteilsmäßig am härtesten betroffenen Regionen

Auch wenn er mit seinem Brandbrief abgeblitzt sei, so Hagn, betrachte er seine Aktion dennoch nicht als erfolglos. "Durch meine drastische Wortwahl, die beabsichtigt war, wollte ich die Unverbesserlichen erreichen, die immer noch glauben, sie müssten an die Ausflugsziele Seen und Berge fahren." Man wisse nicht, wer positiv ist und "wir wollen keine Bilder wie in Bergamo und keine Bundeswehr, die Leichen wegfährt", sagt der ehemalige Zollbeamte. Er habe auf seinen Brief hin sehr viele Zuschriften bekommen, auch sehr viele kritische. Mit allen Schreibern "will ich mich auseinandersetzen".

Angetrieben habe ihn zu seiner Aktion, "dass es nicht zu einer Ausgangssperre kommt und den Leuten dann die Decke auf den Kopf fällt." Wichtig sei auch, dass die Leute, die noch Arbeit haben, dieser nachgehen können. "Wir müssen hier alle solidarisch sein, denn hier im Landkreis sind die Zahlen von Infizierten extrem gestiegen, von 56 auf 156." Damit gehört Miesbach, gemessen an der Einwohnerzahl, zu den am härtesten betroffenen Regionen Bayerns. Nur in Tirschenreuth gibt es anteilsmäßig mehr Betroffene. Er wollte "nicht in der Gegend herumproleten", sagt Hagn, sondern warnen, "dass es jetzt nicht die Zeit ist, in Bergen herumzufahren". Wer sich nicht daran hält, dem könnte es ergehen wie einer Tegernseerin. Ihr Auto wurde am Parkplatz zur Neureuth mit Eiern beworfen – sie hatte einen Leihwagen mit Münchner Kennzeichen.

 

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