Beschäftigte sollen länger arbeiten Schlafende Piloten im Cockpit

Sie warnen vor den Folgen der EU-Neuregelung: Piloten bei einer Schlaf-Demo. Foto: Susanne Stephan

BRÜSSEL Schlafende Piloten – ein Albtraum für jeden Fluggast. Heute soll der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments über die zukünftigen Flugdienstzeiten von Piloten abstimmen. Politiker und Piloten warnen, übermüdetes Personal werde künftig noch mehr als bisher die Sicherheit der Passagiere gefährden.

Die Neuregelungen sollen die Personalkosten der Airlines drücken. Die Pilotengewerkschaft Cockpit kritisiert vor allem die geplanten Neuregelungen zur maximalen Einsatzzeit. Künftig sollen Airlines Piloten auch nach acht Stunden Bereitschaftsdienst zu einem Flugdienst von bis zu 14 Stunden einsetzen können. „Somit kann die Landung nach einer Wachzeit von mehr als 22 Stunden stattfinden“, berichtet Cockpit.

Auch die maximale Dienstzeit bei Nachtflügen soll verlängert werden. Dabei würden Wissenschaftler vor alllem nachts ein Maximum von zehn Stunden fordern. „Über diese Zeit hinaus erleben Flugbesatzungen kritische Übermüdungszustände, die eine sichere Flugdurchführung nicht mehr ermöglichen“, sagt Cockpit-Chef Ilja Schulz. Immer wieder komme es heute schon zu kritischen Situationen, weil Piloten vom Schlaf übermannt werden, berichtet Cockpit. Vereinzelt seien deswegen sogar Flugzeuge abgestürzt – beispielsweise im Mai 2010 beim Anflug eines Airbus auf Tripolis. Bei diesem Unglück kamen 93 Menschen ums Leben.

Eine aktuelle Umfrage unter portugiesischen Piloten beschreibt Übermüdung ebenfalls als Dauer-Problem. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, sie seien schon einmal, ohne ihren Kollegen im Cockpit informieren zu können, vom Schlaf übermannt worden. Neun von zehn Piloten sagten, sie fühlten sich oft extrem übermüdet, insbesondere auf Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Auch die deutschen Fluglotsen beklagen sich über steigende Arbeitsbelastung und sinkende Sicherheitsstandards. Sie wollen deshalb am 10. Oktober streiken. Die Piloten warnen vor „chaotischen Verhältnissen“ aufgrund der Arbeitsniederlegung.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Michael Cramer, bemängelt die Vorarbeiten für die aktuell geplante Neuregelung. Die EU-Bürokratie habe Vorschläge der Airlines ohne Prüfung übernommen. „Im Luftverkehr hat man den Eindruck, die Lobbyisten schreiben geradezu die Gesetzestexte.“ Der Politiker zitiert aus einem Schreiben der Airline-Lobbyisten. Darin schlage die Branche vor, in Zukunft bei der Vorbereitung neuer Gesetze nur noch Ermüdungs-Studien von eigens ausgewählten Wissenschaftlern anfertigen zu lassen. sun

 

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