Beruflich und privat Die Helden im Tor - und ihre fast vergessenen Dramen

Jens Lehmann war von 1998 bis 2008 Torhüter der deutschen Nationalmannschaft Foto: SWR/Bildersturm

Die Doku "Die Nummer Eins - Deutschlands große Torhüter" erzählt von dramatischen Situationen im Leben von Manuel Neuer, Oliver Kahn, Jens Lehmann, Toni Schumacher und Sepp Maier. Besonders einprägsam sind aber sicherlich jene Szenen, in denen Teresa Enke über ihren verstorbenen Mann spricht.

Blutende Platzwunden, vielfach gebrochene Finger, Verzweiflungstränen, knallharter Ehrgeiz, unmenschlicher Druck und Spickzettel... Davon und von noch viel mehr erzählt die Dokumentation "Die Nummer Eins - Deutschlands große Torhüter", die das Erste am 22. Juni um 22:00 Uhr zeigt.

Im Mittelpunkt stehen der amtierende Torwart der deutschen Nationalmannschaft Manuel Neuer (32) sowie seine charismatischen Vorgänger Oliver Kahn (49), Jens Lehmann (48), Toni Schumacher (64) und Sepp Maier (74). Sie alle berichten teils persönlich über ihre schönsten und schwärzesten Momente im Profi-Fußball. Dazwischen ordnet Schauspieler Peter Lohmeyer (56, "Das Wunder von Bern") die Originalaufnahmen als Sprecher ein.

Oliver Kahn

Als Torhüter muss man Tag für Tag Höchstleistungen bringen, das weiß auch der ehemalige Nationalmannschafts-Star (1993-2006) Oliver Kahn. Ehrgeiz und Adrenalin führten in seinem Fall zu unglaublichen Szenen wie dieser: Nachdem Kahn von einem Golfball (!) am Kopf getroffen war, musste er blutüberströmt vom Platz gebracht werden...

Der gebürtige Karlsruher erlebte auch das andere Extrem und wurde quasi als Superheld verehrt, aber: "Es ist keinesfalls einfacher, damit umzugehen, wie jetzt mit negativen Aspekten. Vielleicht ist es mit dem überstilisierten Helden sogar noch viel, viel schwieriger umzugehen. Weil es heißt ja dann immer so schön: Bleib auf dem Boden und versuch, die Realität nicht aus den Augen verlieren. Das geht aber überhaupt gar nicht", so sein Fazit.

Jens Lehmann

Eng verknüpft mit Oliver Kahns Geschichte sind auch einige der dramatischsten Momente in der Karriere von Torhüter Jens Lehmann. Denn er nahm zwar mit der Nationalmannschaft an den Wettbewerben WM 1998, EM 2000, WM 2002 und EM 2004 teil, kam jedoch nie zum Einsatz. Das änderte sich, als Jürgen Klinsmann (53) im Sommer 2004 Teamchef der Nationalmannschaft wurde. Er setzte Kahn und Lehmann fortan im Wechsel ein.

Im April 2006 erklärte er dann Lehmann zur Nummer Eins im deutschen Tor. Was folgte, war das Sommermärchen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland - inklusive des legendären Spickzettels von Elfmeterkiller Lehmann...

Harald "Toni" Schumacher

Toni Schumacher schrieb mit "Anpfiff, Enthüllungen über den deutschen Fußball" (1987) das "erfolgreichste Sportbuch aller Zeiten", wie es in der Doku heißt. Für ihn selbst hatte es dramatische Konsequenzen, denn daraufhin wurde er vom damaligen Teamchef Franz Beckenbauer (72) aus der Nationalmannschaft entlassen. In seinem Buch hatte er den Vorwurf erhoben, Doping gehöre in der Bundesliga zum Alltag. In der Doku sagt Schumacher dazu: Viele hätten ihn daraufhin als "Nestbeschmutzer" beschimpft, aber keiner habe "Lügner" gesagt...

An anderer Stelle kommentiert er den Torwart-Fehler von Oliver Kahn im Finale der WM 2002, der schlussendlich dazu führte, dass Brasilien Weltmeister wurde: "Er [Kahn] hat auch dafür gesorgt, dass sie ins Endspiel gekommen sind, aufgrund seiner hervorragenden Paraden und Leistungen... und dann passiert ihm sowas, aber das ist einfach so", gibt Schumacher etwas zu bedenken, was sich auch die Kritiker von Liverpool-Torwart Loris Karius (24) nach dessen Patzern im Champions-League-Finale zu Herzen nehmen sollten.

Josef "Sepp" Maier

Auch Sepp Maier findet zurecht seinen Platz in dieser Dokumentation. Er erzählt von den aus heutiger Sicht unvorstellbaren, guten alten Zeiten, in denen die Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft nach durchzoffter und durchzechter Nacht wieder auf den Platz ging und schlussendlich 1974 den Titel holte.

Manuel Neuer

Ja, und auch bei Sonnenschein Manuel Neuer gab es schon eine sehr dramatische Phase im Leben. Die Szenen rund um seinen Wechsel nach 20 Jahren beim FC Schalke zum aus Fan-Sicht verhassten Rivalen FC Bayern München im Jahr 2011, zeigen einen deutlich mitgenommenen Torhüter, der es damals von allen Seiten abbekam. Mit ihren "Koan Neuer"-Schildern demonstrierten auch die Fans des neuen Vereins ihre Ablehnung - von der heute selbstredend nichts mehr zu spüren ist.

Robert Enke

Höhepunkt der Doku sind aber sicherlich jene Szenen, in denen Teresa Enke (2) über ihren verstorbenen Ehemann (2000-2009) Robert "Robbie" Enke (1977-2009) spricht. Sie erzählt von der glücklichen Zeit (1999-2002) in Portugal, als er heißgeliebter Torwart von Benfica Lissabon war. Mit dem anschließenden Wechsel zum Top-Verein FC Barcelona und dem dort "künstlich geschürten Konkurrenzkampf" sei ihr Mann dann nicht zurechtgekommen. Beeindruckend offen und reflektiert erzählt sie über seinen Kampf gegen die Depression, den er schlussendlich am 10. November 2009 verlor.

 

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