Berichte über vereitelten Terroranschlag in München Berg am Laim: Campingkocher löst Anti-Terror-Einsatz aus

Spezialkräfte beim Einsatz in der Josephsburgstraße. Foto: Th. Gaulke

Der Campingkocher einer iranischen Flüchtlingsfamilie löst bei einer Hotelmitarbeiterin Panik aus: Das Hotel meldet den Verdacht auf einen bevorstehenden Terroranschlag bei der Polizei. Ein Fehlalarm, wie sich heute Morgen herausstellte.

 

Berg am Laim - Nach den Terroranschlägen von Paris hat sich auch die Wachsamkeit der Münchner drastisch erhöht. Alltagssituationen, die bisher als völlig selbstverständlich galten, erscheinen vielen Menschen auf einmal mysteriös. Plötzlich lösen die normalsten Geschehnisse Angst und Panik aus: Ein herrenloses Gepäckstück am Bahnhof, ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack – oder die Gasflasche für einen Campingkocher.

Für eine Hotelmitarbeiterin im Central Hotel Apart in Berg am Laim war die Gaskartusche einer iranischen Familie Grund genug, um den Verdacht auf einen Terroranschlag in München bei der Polizei zu melden.

Was war passiert?

Am späten Donnerstagabend rief ein Mitarbeiter der Hotelrezeption die Polizei an, weil einer Angestellten, die arabisch spricht, mehrere Hotelgäste verdächtig vorkamen. Sie fand das Verhalten der aus dem arabischen Raum stammenden Gäste verdächtig. Außerdem habe sie eine Gasflasche auf deren Zimmer entdeckt.

Terror-Alarm in Münchner Hotel?

Die Polizei rückte mit Spezialkräften an. Planen in dem Hotelzimmer Terroristen einen Anschlag auf München? Nein, wie sich nun herausstellte.

Bei dem Polizeieinsatz wurden ein 30-Jähriger und eine 44-Jährige kurzzeitig festgenommen. Beide stammen aus dem Iran. Bei der Durchsuchung des Zimmers konnten die Beamten keine Waffen oder sonstige terrorverdächtige Gegenstände finden.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich um eine Butangasflasche für einen Campingkocher handelte, die Panik bei der Hotelmitarbeiterin auslöste. Die Familie hatte den Campingkocher auf ihrer Flucht aus dem Iran zum Kochen benutzt.

Terror in Europa: Das AZ-Spezial

Drei weitere Iraner, die auch im Central Hotel Apart übernachteten, wurden ebenfalls von den Beamten befragt. Laut Polizei hatte der 30-jährige Iraner das Hotelzimmer angemietet, um sich wieder mit seiner Familie zu treffen, von der er bei der Flucht nach Deutschland getrennt wurde.

Zunächst hatte der Focus von einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz in Berg am Laim berichtet. Demnach habe die Mitarbeiterin Gasflaschen und Polizeiuniformen in dem Zimmer der Iraner gefunden. Auch von mehreren Personen, die mit Autos von dem Hotel geflüchtet sein sollen, hatte Focus Online geschrieben. Die Münchner Polizei bestätigte jedoch keine dieser Informationen.

Terrorbedrohung für Deutschland weiterhin hoch

Die Bundesrepublik ist seit Langem im Visier von internationalen Terroristen. "Die Bedrohungslage für Europa und auch für Deutschland ist ernst – wirklich ernst", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Vermutlich seien die Attacken in Paris nicht die letzten Anschläge in Europa gewesen.

Lesen Sie hier: Keine weiteren Deutschen unter Pariser Todesopfern

Geheimdienste und Polizei betonen immer wieder, dass auch in Deutschland eine Terrorattacke nie auszuschließen ist. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen mahnt: "Wenn der IS Terroranschläge in Deutschland durchführen kann, wird er es tun."

Der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, meint, mit dem Terror von Paris sei eine neue Dimension erreicht. Allerdings betont er, trotz der allgemeinen Bedrohung gebe es nach Hannover "keinen konkreten Hinweis auf ein weiteres Ziel".

Gefahr für Münchner Christkindlmärkte?

Die Besucher müssen sich auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen einstellen. Die Polizei werde auf dem Christkindlmarkt mehr Präsenz zeigen und verstärkt Streife gehen, sagte ein Polizeisprecher der Stadt Regensburg. Auch in München, Nürnberg und Würzburg werde es mehr Taschenkontrollen als sonst und auch mehr Videoüberwachung geben, teilten die jeweiligen Behörden mit.

Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren bereits Konzepte zum Thema Terror ausgearbeitet, die sich bewährt hätten, betonte ein Sprecher der Münchner Polizei. Trotz erhöhter Sensibilität sollen die Besucher der Weihnachtsmärkte durch die Beamten nicht verunsichert werden. Auch daher verzichte man in München bewusst auf Maschinengewehre.

"Wir nehmen die Situation natürlich sehr ernst", sagte der Münchner Polizeisprecher. "Wir wollen aber das Angstgefühl nicht schüren."

 

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