Beim Abbiegen übersehen Tödlicher Unfall: Lastwagen überrollt Mädchen (9)!

, aktualisiert am 07.05.2018 - 18:23 Uhr
Bilder von der Moosacher Straße: Hier überrollte ein Lkw ein neunjähriges Mädchen. Foto: T. Gaulke

Am Montagmorgen ist es zu einem tödlichen Unfall in Milbertshofen gekommen: Ein Lkw-Fahrer übersah beim Abbiegen ein neunjähriges Kind auf einem Fahrrad und überrollte es. Das Kind starb wenig später im Krankenhaus.

Milbertshofen - Ihr kleines weißes Fahrrad zeugt von einer furchtbaren Tragödie. Das Kinderradl liegt zermalmt auf dem Asphalt. Ein Kipplaster ist darüber gerollt. Die neunjährige Sarah (Name von der Redaktion geändert) hatte keine Überlebenschance. Die Schülerin starb. Das Mädchen war auf dem Weg in die Schule. Gegen 7.40 Uhr wollte sie am Montag mit ihrem Rad die bei Anwohnern gefürchtete, extrem stark befahrene Kreuzung Moosacher Straße Ecke Schleißheimer Straße überqueren.

Aus dem Norden und von beiden Seiten rollt hier morgens der Berufsverkehr auf mehreren Spuren, darunter viele Lastwagen. Die Fahrzeuge, die aus der Schleißheimer Straße rechts abbiegen wollen, bekommen zuerst Grün. Erst mit zeitlicher Verzögerung zeigt auch die Fußgängerampel Grün.

So war es auch am Montag, als der Fahrer eines Kipplasters von der Schleißheimer in die Moosacher Straße rechts abbiegen wollte. Der 43-Jährige musste wegen des stockenden Verkehrs halten, als er schon auf der Fußgängerfurt war. Dann schaltete die Ampel für die Fußgänger um, das Mädchen fuhr mit dem Radl los.

Das Mädchen wurde vom Kipplaster überfahren

Als es sich direkt vor dem Laster befand, fuhr der Fahrer wieder an. Die Schülerin wurde erfasst und von dem Schwertransporter überrollt. Das Mädchen wurde an der Unfallstelle reanimiert und in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb die Neunjährige an ihren schweren Verletzungen.

Der Lkw-Fahrer und mehrere Augenzeugen mussten vom Kriseninterventionsteam betreut werden. Die Kreuzung war für etwa drei Stunden gesperrt.

Der entsetzliche Unfall erschütterte viele Münchner. Die Vorsitzende der Münchner Grünen Gudrun Lux schrieb auf Facebook: "Mein Herz ist gebrochen. Ich habe auch ein kleines Mädchen zu Hause, das gerne in München radfahren will. Meine Gedanken sind bei den Eltern, der ganzen Familie, den Freundinnen und Freunden des getöteten Mädchens. Ich hoffe, sie alle finden Trost."

Immer wieder tödlich: Der tote Winkel bei Lastwagen

Dies war bereits der neunte tödliche Verkehrsunfall in München in diesem Jahr. Von fünf tödlichen Unfällen mit Radfahrern spielte in drei Fällen der tote Winkel eine Rolle, sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

An der Moosacher Straße kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Andreas Groh, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sagt: "Die Kreuzung in Moosach ist bekannt. Von Seiten der Stadt ist dort aber bislang nichts passiert." Die Zahl der in Deutschland durch abbiegende Lkw getöteten Radler steige seit einigen Jahren. Waren es im Jahr 2013 noch 28 Tote, gab es im vergangenen Jahr 38 Todesfälle. Die neunjährige Sarah wird die Statistik traurig fortschreiben, sie ist die 18. Tote. Der ADFC rechnet heuer bundesweit mit 40 Radltoten.

"Die Radlsaison hat ja gerade erst begonnen. So viele Tote, so früh im Jahr gab es bislang nicht", sagt Groh. Dabei dürften die Menschen nicht unberücksichtigt bleiben, die einen schweren Unfall überlebten. "300 schwerverletzte Radler gab es in München im vergangenen Jahr." Etwa die Hälfte von ihnen verunglückte beim Abbiegen.

Dabei könnten die meisten schweren Abbiegeunfälle verhindert werden. Die deutsche Versicherungswirtschaft rechnet mit einem Rückgang von 60 Prozent, wenn Fahrzeuge mit Frühwarnsystem ausgestattet würden. Deshalb unterstützt der Fahrrad-Club eine Initiative von Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen und Thüringen im Bundesrat. Die Bundesländer fordern, bei Nutzfahrzeugen ab 7,5 Tonnen Abbiegeassistenzsysteme – also Seitenkameras oder Sensoren mit Warnton – verpflichtend vorzuschreiben.

Vorbild Schweden: Hier gibt es keine tödlichen Radunfälle mit Kindern

"In Deutschland sind wir noch nicht weit genug", sagt Wolfram Hell. Der Rechtsmediziner untersucht Verkehrsunfälle an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Er führt Schweden als Beispiel an. Die Skandinavier hätten innerhalb von zwei Jahren die Zahl der bei Radlunfällen getöteten Kinder auf Null reduziert. Dort würden alle Unfälle erfasst, begutachtet und sechs Monate später werde an der Unfallstelle erneut überprüft, was sich getan habe.

Bei einem Besuch in Stockholm hat sich der Stadtrat vom Konzept "Vision Zero" inspirieren lassen und Ende April ein neues Verkehrssicherheitskonzept verabschiedet. Wie Radeln in München sicherer werden soll, steht dort zwar nicht konkret drin. Immerhin das Kreisverwaltungsreferat wurde beauftragt, binnen eines Jahres geeignete Maßnahmen auszuarbeiten.

Für die Familie der kleinen Sarah kommt das zu spät.

Hier ereignete sich der Unfall

+++ Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert +++

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