Bei Festnahme am Samstag Festgenommener (18) erhebt schwere Vorwürfe gegen Münchner Polizei

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Der Moment der Festnahme von D. am Marienplatz. Foto: privat

Ein junger Mann liest in den Zeitungen von seiner Festnahme. Er widerspricht der Darstellung der Beamten. Doch die verteidigen ihr Vorgehen.

 

MünchenDer 18-jährige Mani D. aus Fürstenfeldbruck (Name geändert) meldete sich über seinen Instagram-Account zu Wort. In einem Video erklärt er, dass seine Festnahme vom Samstagabend völlig anders verlaufen sei als von der Polizei dargestellt.

Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Beamten. In dem Video gibt es Sequenzen, die zeigen, wie er zu Boden gedrückt wird. Sie stammen von Freunden und Passanten. Mani D., Mittlere Reife, bald Marketing-Azubi, schickt eines vorweg: "Ich habe seit der weltweiten rassistischen Polizeigewalt grundsätzlich Angst vor der Polizei, auch wenn ich mir sicher bin, dass die Münchner Beamten ihren Job eigentlich gewissenhaft erledigen."

Vorfall am Samstagabend in der Innenstadt

Die Vorfälle vom Samstagabend wirken von außen wie die Verkettung unglücklicher Umstände. Der 18-Jährige war nach seinen Angaben unterwegs mit sieben Freunden. Die Gruppe wollte vom Stachus Richtung Eisbach gehen. Einer bemerkte dann in der Neuhauser Straße einen etwa 14-Jährigen, der untröstlich heulte. Er ging hin, um zu fragen, ob er helfen könne.

Ohne Vorwarnung entstand eine Rauferei. Mani D. ging spontan dazwischen. "Ich habe versucht, alle Seiten zu beruhigen", sagt er – was ihm wohl auch gelang. Doch inzwischen hatte jemand die Polizei gerufen. Mehrere Beamte liefen auf die Gruppe zu.
Reflexartig lief Mani weg, so erzählt er es. Er könne sich nicht erklären, warum er wegrannte. Vorstrafen hat er laut eigenen Angaben keine. "Ich trinke keinen Alkohol, hatte noch nie mit Drogen zu tun und wollte Fußballer werden", sagt Mani D.

Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Die Polizei nahm nun die Verfolgung auf. "Wenn Beamte gerufen werden, ist das in so einer Situation selbstverständlich", sagt ein Polizeisprecher. Zwei Zivilpersonen hielten Mani D. fest und drückten ihn mit dem Gesicht nach unten zu Boden. Ein Polizist kam hinzu. "Er drückte sofort sein Knie gegen meinen Hals", sagt Mani D. Stimmt nicht, kontert die Polizei. Dieser Moment verlief laut den Beamten ganz anders. Mani D. habe einem Polizisten so fest ins Gesicht geschlagen, dass der nun dienstunfähig sei. "Ich habe niemanden geschlagen", sagt Mani D., "als ich am Boden lag und um Luft kämpfte, kann es sein, dass ich um mich geschlagen habe. Ich hatte Angst um mein Leben."

Auf mehreren Aufnahmen, die auch der AZ vorliegen, ist die Festnahme aufgezeichnet, aber nicht der allererste Moment, den Mani D. beschreibt. Seine Freunde schreien verzweifelt, er solle sich nicht wehren und durchhalten. Zu hören und zu sehen ist auch deutlich, wie Mani D. schreit, dass er keine Luft bekomme, während der Beamte dessen Kopf zwischen die Knie zwängt. "Eine ganz normale Polizeimethode", sagt ein Polizeisprecher dazu.

Polizei schwächt Statement ab

Die Münchner Polizei hatte zunächst noch erklärt, dass Schaulustige Mani D. angefeuert hätten. Am Montag schwächte sie nun ab. Die Jugendlichen hätten "emotional teilgenommen". Mani D. hat eine diagnostizierte Gehirnerschütterung und möchte rechtlich gegen die Polizei vorgehen. "Ich hoffe, einer der Polizisten hat die Bodycam eingeschaltet", sagt er, "da würde man alles genau sehen."

Mittlerweile meldete sich sogar der Polizeipräsident Hubertus Andrä zu Wort. Er geht Mani D. hart an: "Dass dabei ein Bezug zu den schlimmen Ereignissen rund um George Floyd geschaffen wird, um sich in einer vergleichbaren Rolle darzustellen, schadet dem berechtigen Anliegen vieler People of Color."

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