Bei der WM 2014 die letzten Spiele? WM in Brasilien: Jogi Löws letzter Sommer?

Trotz aller Treueschwüre von Präsident Niersbach: Vor dem deutschen Auftakt gegen Portugal mehren sich die Anzeichen, dass der Bundestrainer nach der WM seinen Dienst quittieren könnte

 

Santo André - Es wird früh hell, man wird früh wach. Die Stunde der Morgendämmerung ist für Joachim Löw die Stunde der Einsamkeit im idyllischen Fischerort Santo André. Der Bundestrainer verlässt gegen 5.30 Uhr das WM-Quartier „Campo Bahia“ und joggt am Atlantikstrand. Ob er dabei an Cristiano Ronaldo denke, den Superstar der Portugiesen, das Gesicht des Auftaktgegners seiner Mannschaft am Montag (18 Uhr, ARD live)? „Nein“, sagte er und grinste als habe er das nicht nötig, „da bekomme ich den Kopf frei. Das ist ein guter Start in den Tag.“ Mehr nicht. Der Rest ist Arbeit.

Am Projekt WM-Titel. Doch aussprechen will er das nicht, damit könne der 54-Jährige „nichts anfangen“. Zu viele Unwägbarkeiten gäbe es, zu viele andere starke Nationen - oder doch nur zu viele Bedenken?
Seit acht Jahren ist Löw Bundestrainer, er emanzipierte sich vom Assistenten des Sommermärchenonkels Jürgen Klinsmann (2004-2006) zum Chef. Bei zwei EM-Turnieren lenkte er sein Team, 2008 wurde man Vize, vor zwei Jahren scheiterte man – und vor allem der Trainer Löw – an Italien.

Nun beginnt seine zweite WM, vor vier Jahren mischten sich Euphorie und Ernüchterung zu einem respektablen Platz drei. Und diesmal? Kampfansagen gibt es nicht von Löw. Er sagt: „Mir ist wichtig, dass wir gut spielen, dass wir bei allem Ehrgeiz nicht den Spaß am Spiel verlieren, und dass wir den Leuten zu Hause gute Gründe liefern, mitzufeiern.“ Um dann doch in „Sport Bild“ etwas konkreter zu werden: „Ich bin davon überzeugt, dass wir die Vorrunde überstehen werden, und ich bin genauso davon überzeugt, meinen Vertrag bis 2016 zu erfüllen. Sowohl der Verband als auch ich wollen die Zusammenarbeit fortsetzen. Das ist unser gemeinsames Ziel.“
Doch was muss im Turnierverlauf passieren, dass die öffentliche Meinung, der Druck von Fans und Medien, Löw seinen bis 2016 datierten Vertrag erfüllen lassen? Das Erreichen des Achtelfinals wäre das schlechteste Abschneiden seit 1938, nimmt man mal den Zwischenrunden-K.o. 1978 in Argentinien aus.

„Wir haben den Vertrag mit Joachim Löw mit der klaren Absicht verlängert, dass er bis 2016 bleibt. Unsere Mannschaft hat nach wie vor eine glänzende Perspektive, gerade auch für die EM 2016 in Frankreich“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Der Verbandschef bekräftigt, dass es keinen Notfallplan gibt.

Doch ist man wirklich unvorbereitet? Will Thomas Tuchel (40), der beim FSV Mainz ausgestiegen ist, wirklich ein Sabbatical einlegen? Könnte BVB-Erfolgstrainer Jürgen Klopp (46) trotz seines Vertrags bis 2018 zu einer DFB-Anfrage wirklich nein sagen?
Es mehren sich rund um den DFB die Anzeichen, Löw habe sich – vor allem nach dem traumatischen Halbfinal-Aus vor zwei Jahren in Warschau gegen Italien – verändert. Die „SZ“ beschrieb ihn als „schwer durchschaubar“ und „rätselhaft“, die „FAZ“ warf die Frage auf, nach welchen Maßstäben der Bundestrainer seinen WM-Kader zusammengestellt habe: „Mal nach Personallage. Mal nach Prinzipien.“ Löw, ein Wendehals? In der „SZ“ ist er eine „Sphinx“, um die herum „Endzeitstimmung“ und „Abschiedsatmosphäre“ zu spüren sei.

Ist es Löws letzter Sommer als Bundestrainer?

Niersbach verteidigt Löw: „Egal, was uns die WM bringen wird: In den vergangenen acht Jahren als Bundestrainer habe ich bei der Nationalelf viele Fortschritte gesehen. Ich sehe schon auch die Entwicklung der Mannschaft und die einzelner Spieler.“
Einen Titel hat Löw nicht gewonnen. Nur wegen Spanien, den Seriensiegern? Niersbach weiter: „Mit Spanien sind wir über Jahre die einzige Konstante im Weltfußball. Fußballerisch haben wir den Fans viel Freude bereitet. Das Ausland bewundert uns.“
Doch im eigenen Land werden die Zweifel an Löw größer. Er muss gewinnen. Brasilien ist seine größte Herausforderung.

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