Behörden fordern feste WC-Anlagen Klo-Posse: Fällt der Kulturstrand aus?

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Kulturstrand, heuer an der Corneliusbrücke. Eigentlich eine beliebte Sommerlounge, aber dieses Mal ist alles kompliziert. Foto: Sigi Müller

Die Behörden pochen auf feste WC-Anlagen. Finanziell nicht machbar, sagt der Veranstalter.

 

München - Bier, Livemusik, Füße im Sand wie am Meer, mitten in München: Seit Freitagmittag hat der Kulturstrand an der Corneliusbrücke den Sommerbetrieb aufgenommen, mit etwa sechswöchiger Corona-Verspätung. Auch die Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) schaute auf ein Getränk vorbei.

"Endlich", sagt Veranstalter Benjamin David von den Urbanauten, auch wenn er noch nicht sicher ist, ob sich das heuer so richtig lohnen wird. Vor allem deshalb, weil unerwartet Sonderausgaben anstehen: 13.000 Euro für fest installierte Toiletten. Darauf pochen – etwas überraschend, so David – die städtischen Kontrolleure von der Bezirksinspektion (BI) Mitte.

KVR genehmigte die Klo-Kooperation

Heuer war der Kulturstrand ausnahmsweise ohne feste WC-Anlagen geplant. David hatte laut eigenen Angaben vor etwa vier Wochen mit dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) Gespräche aufgenommen, um herauszufinden, wie weit sich die Aufbaukosten drücken lassen, um den beliebten Kulturstrand trotz der Corona-Situation mit Abstandsregeln stattfinden zu lassen. Heraus kam ein reduzierter Aufbauplan, bei dem die fest installierten Toiletten wegfielen. Kostenpunkt: rund 13.000 Euro.

Aber klar, wer Alkohol trinkt, muss hin und wieder mal. Da hatte David eine Idee: Ersatzweise vereinbarte er mit dem indischen Restaurant Sandhu India, um die Ecke in der Erhardstraße, dass die Kulturstrand-Gäste die dortigen Sanitäranlagen nutzen dürfen.

"Das wäre eine Win-Win-Situation", sagt David, "unsere Gäste könnten im Gegenzug am Kulturstrand indisch essen." Schließlich habe das Restaurant seit Corona einen dramatisch reduzierten Betrieb. Für die Kooperation hatten die beiden Parteien einen Vertrag unterschrieben. Das KVR genehmigte laut David das ganze Konzept und war auch in die Planung eingeweiht. "Am vergangenen Donnerstag erhielt ich eine 36 Seiten lange schriftliche Bestätigung", sagt David – gemeinsam mit dem Hinweis, er solle das Ganze doch bitte noch von der BI absegnen lassen.

Bezirksinspektion: "Keine Toiletten, kein Alkoholausschank."

Freitagmorgen ging David zur BI. Reine Routine, dachte er. Doch es folgte die Ernüchterung. Sein Gesprächspartner bei der BI sagte: "Keine Toiletten, kein Alkoholausschank." Mit Blick auf die Uhr – am Freitagabend ging es ja los – vereinbarte David eine Ausnahmegenehmigung bis Dienstagmittag: Der Strand durfte starten, falls fünf mobile Toiletten (als Dixi-Klos bekannt) aufgestellt werden. Und so kam es auch. Doch eine Dauerlösung sei das nicht, so die BI.

David hofft nun auf eine Sondergenehmigung, "auf einen Ruck in den Behörden", wie er es nennt. Doch die machen auf AZ-Anfrage kaum Hoffnung. Schriftlich antwortet das KVR: "Alkoholausschank über den Zeitraum der Veranstaltung erfordert eine Gaststättenerlaubnis. Die Gaststättenerlaubnis wiederum erfordert eine ausreichende Anzahl von eigenen Toiletten für die Gäste. Ohne Toiletten keine Gaststättenerlaubnis und kein Alkoholausschank."

Das KVR werde nicht dulden, dass die Kulturstrand-Gäste die Toiletten des Sandhu India nutzen, das etwa 100 Meter entfernt liegt. "Wildes Urinieren im Umfeld des Kultrustrands wäre die sichere Folge", so das KVR, im Namen der BI. In einem regulären Sommer beträgt der Umsatz des Kulturstrandes laut David rund 300.000 Euro. "Heuer planen wir mit 100.000 bis 150.000 Euro", rechnet er vor. Da seien weiter 13.000 Euro für die WCs ein großes Risiko.

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