Beamter schwer verletzt Messerstecher wollte gezielt Polizisten töten

, aktualisiert am 10.12.2019 - 19:24 Uhr
Ein Einsatzbus der Bundespolizei steht am Montag vor dem Eingang des Münchner Hauptbahnhofs. Foto: Matthias Balk/dpa

Es hätte jeden der rund 5.000 Beamten treffen können: Der Angreifer vom Hauptbahnhof war getrieben von blindem Hass auf Polizisten.

 

München - Eine Tat so sinnlos wie heimtückisch. Der 23-jährige Münchner, der am Montagmorgen im Hauptbahnhof einem Polizeiobermeister (30) ein Messer in den Nacken rammte, gab in der Vernehmung zu, dass er aus purer Mordlust, aus "Hass auf die Polizei" zugestochen habe.

Tatverdächtiger in psychiatrische Klinik verlegt

Auf richterliche Anordnung wurde der Tatverdächtige in eine psychiatrische Klinik auf die geschlossene Abteilung gebracht. Ein Gutachter kam zum Schluss, so Josef Wimmer, Chef der Mordkommission, "dass bei dem Beschuldigten zur Tatzeit die akute psychische Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt war".

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-Jährigen Mordversuch vor. "Aus niederen Beweggründen, weil er aus Hass auf eine bestimmte Berufsgruppe handelte", so Oberstaatsanwältin Anne Leiding. "Sowie aus Heimtücke, weil das Opfer wehr- und arglos war."

Bei der Vernehmung durch die Mordkommission schilderte der Münchner sein wirres Weltbild. Er hasse die Polizei, sagte der 23-Jährige. Er habe einen Polizisten töten wollen, wen sei ihm egal gewesen.

Angreifer ist polizeibekannt

Der Angreifer ist polizeibekannt, zweimal ging es um Diebstahl, einmal um Hausfriedensbruch und Bedrohung. Er selbst gibt zu, dass er früher Drogen konsumiert habe. 2018 ging er selbst zur Polizei und bat um Hilfe, weil er sich bedroht fühlte. Auslöser könnten schon damals psychische Probleme gewesen sein.

"Der Beschuldigte hat keinerlei traumatische Erfahrungen mit Polizeigewalt gemacht, die diesen Hass erklären könnte", sagt Anne Leiding.

Am Montagmorgen verließ der Münchner seine Wohnung. Sein Ziel war der Hauptbahnhof, weil dort Polizisten unterwegs sind. Als er gegen 6.30 Uhr sah, wie Beamte einen in München lebenden Äthiopier (24) kontrollierten, setzte er seinen Plan in die Tat um. Er stach zu. Der Kontrollierte half, den Angreifer zu überwältigen. Der Stich war so wuchtig, dass ein acht Zentimeter langes Stück der Klinge abbrach und in der Wirbelsäule des Opfers steckenblieb. Es musste in einer schwierigen und riskanten Operation entfernt werden.

Polizist erleidet sehr schwere Verletzung

"Es ist eine sehr schwere Verletzung, die bis in den Bereich des Rückenmarks reicht und erhebliche Schädigungen befürchten lässt", berichtete Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er hoffe und bete, dass der Polizist wieder zu Kräften komme und seinen Beruf weiter ausüben könne. Sicher sei das nicht.

Der Beamte werde in einer Klinik behandelt, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. "Das Rückenmark ist geschädigt, Folge sind neurologische Ausfallerscheinungen." Wie schwer sie sind und welche Körperregionen betroffen sind, teilt die Polizei aus Rücksicht auf die Familie nicht mit.

Lesen Sie auch: Wird nun die Polizeipräsenz in Innenstädten erhöht?

 

20 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading