Bayerns Krankenhäuser in Not Jede zweite Klinik schreibt rote Zahlen

In Bayern schreibt fast die Hälfte aller Krankenhäuser rote Zahlen. Eine Besserung ist nicht in Sicht

 

Für viele bayerische Krankenhäuser sieht es finanziell mehr als schlecht aus: Etwa jedes zweite musste im Jahr 2014 ein Defizit ausweisen. 49 Prozent der Kliniken im Freistaat haben rote Zahlen gemeldet. Damit liegt der Anteil der defizitären Krankenhäuser im dritten Jahr in Folge an der 50-Prozent-Marke (2013: 49 Prozent; 2012: 46 Prozent).

Die Studie: Jährlich überprüft die Bayerischer Krankenhausgesellschaft (BKG) die wirtschaftliche Lage aller bayerischen Krankenhäuser, das ist der sogenannte „Bayerische Krankenhaustrend“. Auch die Stimmung in den bayerischen Kliniken wird hier erfasst. „Die wirtschaftlich prekäre Situation verfestigt sich“ BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein sieht die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge: „Die wirtschaftlich prekäre Situation der Kliniken verfestige sich und wird zur Dauerbelastung für die Krankenhäuser und ihre Beschäftigten“.

Die Ergebnisse: Während im Jahr 2010 noch rund 20 Prozent der Kliniken ein negatives Ergebnis zu verzeichnen hatten, hat sich dieser Anteil in den Jahren 2012 bis 2014 mehr als verdoppelt. Konnten im Jahr 2010 immerhin noch fast 80 Prozent der Kliniken in Bayern ein positives Betriebsergebnis erreichen, traf dies in 2014 nur noch auf etwa jedes dritte Krankenhaus zu.

Blick in die Zukunft: Auch für das Jahr 2015 sehen Bayerns Krankenhausgeschäftsführer keine Besserung. Mit 52 Prozent befürchten in diesem Jahr sogar noch mehr ein negatives Betriebsergebnis. 21 Prozent hoffen auf einen ausgeglichenen Haushalt und 27 Prozent rechnen damit, schwarze Zahlen zu schreiben. Angesichts dieser alarmierenden Lage sehen die Krankenhäuser dringenden Handlungsbedarf bei der Krankenhausreform, die die Bundesregierung derzeit vorbereitet.

Die Krankenhausreform: Im Dezember vergangenen Jahres haben sich Bund und Länder auf die lang geplante Reform der Kliniklandschaft geeinigt. Mit einer Milliarde Euro sollen defizitäre Häuser zu Ambulanzzentren umgebaut werden. Leistungen sollen auch nach ihrer Qualität bezahlt werden und es soll Geld für mehr Pflegekräfte geben. Mit einer „Qualitätsoffensive“ will die Große Koalition die Behandlungsqualität in den Mittelpunkt der Reform stellen. Das Credo der Reformer: Nicht alle sollen alles machen, Krankenhäuser sollen sich spezialisieren und vor allem das machen, was sie am besten können. In der Folge könnten daher in einigen Häusern Abteilungen geschlossen und Betten abgebaut werden. Im Gegenzug würden diese Kapazitäten aber an anderer Stelle wieder neu entstehen. Viele Kliniken versuchen außerdem, die Zahl ihrer Operationen deutlich zu steigern, um so mehr Einnahmen zu erzielen. Das konnte man zuletzt an der dramatisch gestiegenen Zahl von Hüft- oder Knieoperationen ablesen. Die Reform sieht nun vor, den Kassen zu erlauben, für besonders häufige Operationen – wie eben Knie oder Hüfte – Verträge mit ausgesuchten Kliniken abzuschließen. Das ist ein deutlicher Einschnitt. Bislang müssen die Kassen mit jeder Klinik einen Behandlungsvertrag schließen, egal, ob sie die Behandlung für hochwertig halten oder daran zweifeln.

Was Kliniken von der Reform halten: Klinikmanager und auch viele Ärzte sehen der Reform mit Skepsis entgegen. BKG-Geschäftsführer Hasenbein stellt klar, dass die Kliniken weiter auf gute Qualität achten werden. Im Gegenzug fordert er aber auch: Es muss seitens der Länder mehr Geld fließen. „Die Pflichten, die uns die Politik mit ihrer Qualitätsoffensive vorgeben, sind wir bereit anzunehmen, aber auch der Bund und die Länder haben Pflichten.“ Einen Grund für die wirtschaftlich angespannte Situation in den Kliniken sieht Hasenbein darin, dass sie in immer größerem Umfang Investitionen aus Eigenmitteln bestreiten müssten, weil die Finanzierung durch den Freistaat nicht ausreicht.

 

0 Kommentare