Bayerns Geschäftsführer im AZ-Interview Pesic: "Mit Uli Hoeneß ist nichts unmöglich"

„Mit Uli Hoeneß ist nichts unmöglich“, sagt der Geschäftsführer des FC Bayern Basketball Marko Pesic. Foto: sampics/Augenklick

Marko Pesic, der Geschäftsführer der Bayern-Basketballer, exklusiv im AZ-Interview über das neue Team, einen Hallenbau und Pläne mit der NBA.

 

AZ: Herr Pesic, erwartet den FC Bayern Basketball am Samstag gegen den Tabellendritten Bayreuth eine Standortbestimmung?

MARKO PESIC: Bayreuth ist das Überraschungsteam, sie spielen bislang überragend und weit besser als alle – wahrscheinlich auch sie selbst – es erwartet haben.

Wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit der Saison aus?

Wir haben von 17 Spielen bisher 14 gewonnen. Das ist für eine neue Mannschaft mit neuem Trainer eine sehr gute Zwischenbilanz. Die Entwicklung der Mannschaft ist also erfreulich, aber längst nicht abgeschlossen: Denn wir wollen bei den wichtigen Spielen im Mai und Juni, wenn die Entscheidungen anstehen, dort sein, wo wir hinwollen.

Trübt die deutliche 59:90-Niederlage in Bamberg das Bild?

Wir waren damals nicht nur körperlich, sondern auch mental in unserer Entwicklung noch nicht so weit. Dass die Niederlage so hoch ausgefallen ist, sieht auf den ersten Blick böse aus. Manchmal ist es aber auch nicht schlecht, einen Nackenschlag zu bekommen, sich zu schütteln und dann weiterzumachen. Die Reaktion nach dem Spiel war sehr gut.

Glauben Sie, Bamberg am Saisonende schlagen zu können?

Auf dieses Ziel arbeiten wir hin. Aber wir spielen ja nicht nur gegen Bamberg, es gibt noch andere Gegner. Ich kann garantieren, dass unsere Mannschaft sich bis zum Frühjahr weiterentwickeln wird. Dann wollen wir bereit sein, egal gegen wen.

Wirft der Wechsel von Alex Renfroe zum FC Barcelona das Team nicht zurück?

Man hat gegen Malaga gesehen, dass es nicht so ist. Wir haben mit Nick Johnson einen sehr talentierten Spielmacher, der unsere Erwartungen bis jetzt erfüllt. Er hat enormes Potenzial. Alex wiederum hat jetzt die Chance, für Barcelona zu spielen. Wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen und setzen voll auf Nick.

Holen Sie keinen Ersatz für Renfroe?

Wir beobachten den Markt ständig. Der Transfer von Johnson zeigt, dass sich da Geduld auch auszahlen kann.

Zeigt der Fall Renfroe auch, dass der FCBB noch nicht da ist, wo man hin will?

Wir durchlaufen ja nicht nur in dieser Saison eine Entwicklung, sondern auch langfristig als BBL-Verein, der erst in seiner sechsten Saison ist. Das wird oft vergessen. Wir haben in dieser Saison schon etliche Anfragen erhalten. Unsere besten Spieler sind unantastbar, außer vielleicht wenn jemand aus der NBA kommt.

Welche Bedeutung hat die Rückkehr von Uli Hoeneß?

Er ist formell wieder Präsident, hat uns aber auch in der Zeit davor geholfen und war bei fast jedem Spiel in der Halle. Wir sind dabei, wieder dahin zu kommen, wo wir vor zwei Jahren waren, als wir Meister wurden. Dabei hilft uns Herr Hoeneß in jeder Hinsicht immens.

Er wirkt noch engagierter.

Er war immer so, er ist stets voller Tatendrang.

Er sagt, er sei gelassener geworden. Ist er geduldiger mit dem Projekt Basketball?

Er war immer geduldig, was das große Ganze angeht und gleichzeitig ungeduldig, im Sinne von „wir müssen jedes Spiel gewinnen“. Aber so muss es sein, und so sind wir alle im Office.

Hoeneß hat angekündigt, das Thema Hallenneubau neu bewerten zu wollen.

Das Hallenthema liegt beim Präsidium. Aktuell geht es aber darum, wie wir den Audi Dome optimieren können und zwar auch für den Fall, wenn eine neue Halle käme: Wie können wir mehr Komfort und vielleicht mehr Zuschauern Platz bieten? Herr Hoeneß verfügt hier über Erfahrung aus den Projekten Olympiastadion und Allianz Arena. Insofern ist auch hier das Vertrauen in ihn groß.

Welche Vorteile hätte eine neue Halle?

Ich bin als Spieler mit Berlin von einer Halle für 3 000 Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle mit 8 500 Zuschauern umgezogen. Eine neue Halle hat immer Vorteile, das ändert viel. Aber der Audi Dome ist unser Zuhause. Wir werden ihn brauchen, selbst wenn eine neue Halle käme. Dennoch, wir müssen abwarten, wie das Präsidium die Lage bewertet.

Gemeinsam mit Hoeneß haben Sie am Mittwoch Vertreter der NBA getroffen.

Wir sind seit längerer Zeit mit der NBA in Kontakt und führen sehr fruchtbare Gespräche. Wir können da in naher Zukunft konkret werden. Wir haben unsere Vorstellungen und die NBA ihre. Dadurch, dass der FC Bayern in Person von Vorstand Jörg Wacker die Internationalisierung vorantreibt, macht das alles mehr Sinn für uns. In den USA und China ist Basketball in der Beliebtheitsskala ganz oben. Wir sind dabei, die Möglichkeiten auszuloten.

Für eine USA-Reise?

Das – oder, dass die NBA vielleicht mal ein Spiel in München austrägt und auch ein Klub gegen uns spielt. Auch die NBA hat solche Ideen. Jetzt müssen wir schauen, das zusammenzubringen. Ich bin grundsätzlich sehr optimistisch. Es muss aber alles passen.

Welche Teams wären als Gegner interessant?

Chicago mit Paul Zipser und Atlanta mit Malcolm Delayney und Dennis Schröder natürlich, auch New York oder Cleveland. Wegen der Zeitverschiebung also hauptsächlich Vereine von der Ostküste. Wir wollen unsere Mannschaft am Anfang der Saison jetzt nicht 14 Stunden nach LA fliegen lassen. Es muss auch sportlich Sinn ergeben.

Wie realistisch ist Uli Hoeneß’ Traum von einem Basketballspiel in der Allianz Arena?

Das ist ein ganz spannendes Projekt, das so bisher noch nirgendwo umgesetzt wurde – nicht in Barcelona, nicht in Madrid oder sonstwo. Auch da sind wir in Gesprächen. Wenn Herr Hoeneß sagt, dass er sich das vorstellen kann, dann ist nichts unmöglich.

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