Bayern-Vorstand im AZ-Interview Jörg Wacker: "Alphonso Davies begeistert Fans auf der ganzen Welt"

"Bei unseren Trikotverkäufen ist er schon unter den Top fünf", sagt Bayern-Vorstand Jörg Wacker über Alphonso Davies, den Aufsteiger der Saison. Weltweit begeistert der Kanadier Fans. Foto: Andreas Gebert/Reuters-Pool/dpa

Bayern-Vorstand Jörg Wacker spricht im Interview mit der AZ über den Aufstieg des Kanadiers, dessen Popularität bei Fans auf der ganzen Welt und Folgen der Corona-Krise: "Am Anfang war es dramatisch."

 

München - Jörg Wacker im AZ-Interview: Der 52-Jährige ist seit 2013 Vorstand für Internationalisierung und Strategie beim FC Bayern München.

AZ: Herr Wacker, die Corona-Pandemie hat weltweit erhebliche Folgen, wirtschaftlich wie sozial. Welche Auswirkungen können Sie für die internationalen Partnerschaften des FC Bayern beobachten?
JÖRG WACKER: Zunächst einmal hatten wir dank unseres Büros in Shanghai den großen Vorteil, schon früh gewusst zu haben, was in China vor sich geht. Unser Geschäftsführer Rouven Kasper hielt mich seit Ende Januar auf dem Laufenden, als bei uns in Deutschland noch alles ruhig war. Aber diese Pandemie stellt uns alle vor völlig neue Herausforderungen – und so hat das Virus natürlich auch Einfluss auf unsere Partnerschaften. Man muss in so einer schweren Phase alles auf der Basis von Vertrauen besprechen und gegenseitiges Verständnis haben. Wir sind stolz, dass wir so starke und verlässliche Partner haben.

Jörg Wacker: "Ich schaue mit Besorgnis nach New York"

In den USA haben Sie mit der Akademie Global Premier Soccer (GPS) einen langjährigen Partner verloren, weil deren Mutterfirma Legacy Global Sports Insolvenz angemeldet hat.
Das zeigt, wie hart die Krise manche Unternehmen treffen kann – und zwar in kürzester Zeit. Wir sind intern gerade in der Diskussion, wie wir unsere Jugendfußball-Strategie in den USA weiterentwickeln können.

Gibt es auch beim Kooperationspartner FC Dallas Corona-bedingte Probleme?
Grundsätzlich muss man sagen, dass Covid-19 jedem schadet: der Major League Soccer MLS, dem FC Dallas, der Bundesliga, dem FC Bayern, beinahe jedem Sport- und Wirtschaftsunternehmen dieser Welt. Dem FC Dallas aber geht es prinzipiell gut. Uns verbindet eine tolle Partnerschaft, mit den Besitzern Clark und Dan Hunt sind wir sehr gut befreundet. Chris Richards, der vor zwei Jahren vom FC Dallas zu uns kam, hat gerade erst sein Bundesliga-Debüt für uns gegeben und ist ein schönes Beispiel, was solche Partnerschaften ermöglichen können. Nämlich Talente zu entdecken und zu fördern. Von dieser Kooperation profitieren beide Seiten. Über Richards wird gesagt, dass er das Potenzial hat, dauerhaft in der Bundesliga zu spielen.

Bereitet Ihnen die Situation in den USA mit der hohen Corona-Infektionszahl Sorgen?
Ja. Was Covid-19 angeht, sind die USA drei Monate hinter uns, während China zwei Monate vor uns liegt. Dort konnte nach unserer gewonnenen Meisterschaft schon wieder eine Feier mit rund 300 Fans stattfinden. In den USA ist es ganz anders. Da hat man mit dem Lockdown offenbar zu lange gewartet. Ich schaue vor allem mit Besorgnis nach New York. Unser Büro ist mitten in Manhattan. Für unsere Mitarbeiter ist es schwierig, zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Man kann in der aktuellen Situation kaum verlangen, dass sich jemand in eine volle U-Bahn setzt. Die Gesundheit der Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Gut, dass in der heutigen Zeit auch von zu Hause aus effektives Arbeiten möglich ist.

Jörg Wacker: "Wir haben sehr stark auf E-Commerce gesetzt"

In wenigen Wochen sollte eigentlich die Bayern-Sommertour in Asien beginnen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird daraus nichts.
Es ist traurig und tut weh, das muss ich ganz ehrlich sagen. Die Idee war, dass wir ein oder zwei Spiele in China bestreiten, aber das hat sich erledigt. Wir hätten das natürlich gerne gemacht. Gerade für meinen Bereich sind diese Touren ein besonderes Highlight. Man sollte solche Krisen aber immer auch als Chance sehen und kreativ werden. Wir haben jetzt einen wunderbaren Ersatz gefunden und machen in diesem Jahr die "Audi Digital Summer Tour", bei der unsere Fans rund um den ganzen Globus dem FC Bayern über digitale Formate nah sein können, obwohl Corona der Welt momentan Distanz abverlangt.

Trotzdem kann eine virtuelle Tour den direkten Fankontakt vor Ort nicht ersetzen. Wann wird die nächste internationale Vorbereitungs- und Werbetour stattfinden können?
Ich bin ein Mensch, der positiv denkt. Und deshalb hoffe ich, dass wir im Jahr 2021 mit der Mannschaft wieder auf große Tour gehen können.

Haben Sie den Plan, trotz Corona eine dritte internationale Säule für den FC Bayern neben China und den USA aufzubauen?
Wir waren gerade dabei, unsere Aktivitäten der vergangenen Jahre zu analysieren und die internationale Strategie neu auszurichten. Dann kam Corona. Jetzt müssen wir einen Schritt zurückgehen. Es ist ja kein Geheimnis, dass der asiatische Raum über China hinaus für uns sehr spannend ist.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf den Bereich Merchandising?
Am Anfang war es dramatisch. 13 unserer Stores mussten über sechs Wochen geschlossen bleiben. Das tat extrem weh. Ich muss dem ganzen Merchandising-Team aber ein riesiges Kompliment machen. Wir haben sehr stark auf E-Commerce gesetzt, sind kreativ geworden. Im Megastore in der Allianz Arena haben wir mit Mitarbeitern, die sonst in den Läden arbeiten, ein eigenes Verpack-Team aufgestellt. Von dort aus wurden dann unter anderem unsere FC-Bayern-Schal-Masken verschickt, deren Erlös an die Initiative "WeKickCorona" ging. Durch unterschiedliche Maßnahmen haben wir es geschafft, dass wir die Verluste aus den Läden kompensieren konnten.

Wacker: "Die Liga hat für die gesamte Sportwelt Pionierarbeit geleistet"

Wie wird der geglückte Re-Start der Bundesliga international gesehen?
Ich finde, dass die DFL mit Christian Seifert an der Spitze erstklassige Arbeit geleistet hat. Die Planung und Umsetzung waren herausragend. Aus allen Ländern sind verschiedenste Ligen auf uns zugekommen und haben sich nach dem DFL-Konzept erkundigt, auch die NBA und NFL. Der Re-Start war ein Zeichen in die Welt, dass "Made in Germany" für Qualität steht. Deutschland hat den Lockdown erfolgreich durchgezogen, und die Liga hat für die gesamte Sportwelt Pionierarbeit geleistet.

Vielleicht werden so Stars nach Deutschland gelockt.
Ja, das wäre schön. Sowohl die Qualität der Klubs als auch die Lebensqualität sind bei uns höchst attraktiv. Also, ich persönlich bin sehr froh, in Deutschland beziehungsweise in Bayern zu leben.

Das gilt inzwischen auch für Alphonso Davies. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Wir sind sehr glücklich, einen solchen Spieler bei uns zu haben. Davies ist auf der linken Seite einer der Besten in Europa, seine Entwicklung ist phänomenal. Für uns ist Davies zudem ein wunderbares Aushängeschild in Kanada und den USA. Er hat ja vorher bei den Vancouver Whitecaps in der MLS gespielt. Aber nicht nur dort ist er sehr populär: Davies begeistert Fans auf der ganzen Welt, bei unseren Trikotverkäufen ist er schon unter den Top fünf. Das liegt an seiner sportlichen Performance, er ist ja gerade nicht umsonst zum "Rookie des Jahres" gewählt worden, und an seiner sympathischen, positiven Art. Davies ist ein ganz ausgezeichneter Botschafter des FC Bayern.

Könnte Davies der populärste Spieler des FC Bayern werden?
Ich will keine Vergleiche ziehen. Jede Entscheidung, die bei uns getroffen wird, beruht ausschließlich auf der sportlichen Qualität. Wenn man einen Spieler aus Kanada hat, ist das zwar unter anderem mit Blick auf die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko eine interessante Geschichte, aber das alles entscheidende Kriterium ist die fußballerische Qualität. Und man kann festhalten: Mit Davies hat unsere Scouting-Abteilung einen Volltreffer gelandet.

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