Bayern Über Sepp Daxenberger: „Der Typ hat gestimmt“

Sepp Daxenberger starb im Alter von 48 Jahren Foto: ap

Er war ein besonderer Politiker, der mit seiner Art überzeugte : Otti Fischer, Theresa Schopper und eine PR-Expertin über das Phänomen Sepp Daxenberger.

 

Selten gab es nach einem Todesfall in der Politik so warmherzige Reaktionen und offensichtlich aufrichtige Bestürzung: Sepp Daxenberger war eine ungewöhnliche Figur in der politischen Landschaft. In der AZ versuchen drei Menschen, zu erklären, was ihn ausmachte, was eben das Besondere an Sepp Daxenberger war.

DER KABARETTIST

Ottfried Fischer, Kabarettist und Landwirts-Sohn: „Daxenberger hat die Spinnerei aus den Grünen genommen – durch Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit. Er hat dafür gesorgt, dass es den Grünen gegenüber endlich eine Vernunftvermutung gab. Tracht war bei ihm ganz normal, er hat sie nie eingesetzt, um irgend jemanden zu ködern. Franz Josef Strauß hat sich ja bekanntermaßen vor seinen Auftritten in der Nibelungenhalle umgezogen, der hat sich wie viele andere kostümiert. Genauso der Dialekt: Das kann nach hinten losgehen, als verkrampfte Art, volksnah wirken zu wollen – bei Daxenberger hat’s halt dazugehört. Der Typ hat einfach gestimmt.

Was ihn außerdem von vielen anderen Politikern unterschieden hat: Daxenberger kannte man – und CSUler kennt man heute kaum mehr. Mir fallen da kaum Gesichter ein, die ministrabel wären. Daxenberger wäre jemand für Schwarz-Grün gewesen – jetzt schlagen sich die CSUler stattdessen mit den Kaschperln von der FDP herum.

Auch ohne Daxenberger müssen die Grünen – so unangenehm es ist – offen sein für die Schwarzen. Grün muss dahin, wo es wirkt. Und das Grundgefühl der Bevölkerung, gerade auf dem Land, ist ja grün. Nicht partei-grün, sondern heimat-grün.“

DIE PR–EXPERTIN

Gritta Venus von der Münchner Agentur Raabengrün, die auf Bio-Themen spezialisiert ist: „Das wichtigste ist seine Authentizität und seine Glaubwürdigkeit. Die Leute haben heute so häufig das Gefühl, nur noch Fassade serviert zu bekommen, geleckte, medien-optimierte Bilder. Dazu ist er genau der Gegenpol: Er war echt. Gerade in Krisenzeiten, wenn Menschen verunsichert sind, ist das Bedürfnis nach so einer Echtheit stark. Nach etwas, das man glauben kann. Jemand, der auch mal aneckt und für seine Überzeugungen einsteht, bietet Halt und Orientierung.

Er war eben nicht glattgebügelt, aber gerade das hat die Strahlkraft ausgemacht. Und es funktioniert auch nicht für jeden: Wenn man einem Juristen-Yuppie sagen würde, ,Sei doch mal unorthodox, das mögen die Leute’ – das würd nicht funktionieren. Das geht nur bei einem wie Daxenberger, bei dem es eben echt ist.“

DIE WEGGEFÄHRTIN

Theresa Schopper, bayerische Grünen-Chefin: „Er war der Beckenbauer der Grünen, vielleicht sogar der ganzen Politik. Wenn er was gesagt hat, war es immer fair, nie polarisierend. Er hat nie den Bürgermeister raushängen lassen oder den Landeschef, er war immer auf Augenhöhe, mit Bodenständigkeit und Humor.

Ganz wichtig ist auch, dass er sich immer auf sich selbst verlassen hat: Er hat keine Berater oder Agenturen und auch keine Rhetorik-Kurse gebraucht. Was er gemacht hat, ist von ihm selbst ausgegangen. Und er war der Inbegriff des Bauern. Wenn der irgendwo reingekommen ist, hat man das Land quasi schon gerochen. Natürlich nicht, dass er sich nicht gewaschen hätt’, er hat das ausgestrahlt – und damit gerade in der Stadt eine Sehnsucht ausgelöst, nach so einer Idylle. Ich hab ihn einmal erlebt auf einer Tagung mit Managern, die waren ganz fasziniert, dass da einer so klar weiß, wo er herkommt und hingehört, wo seine Wurzeln sind.

Auf der politischen Bühne außerhalb von Bayern hat er sich nicht so gern umgetan, aber auch da hatte er Strahlkraft über die Grünen hinaus: Er war so, wie man sich einen Bilderbuch-Bayern vorstellt – aber eben nicht von der CSU. Er hat verkörpert wie kein anderer: Das ist auch unser Land. Es ist nicht die CSU, die die Berge aufgeschüttet hat.

Deswegen ist es nicht nur die doppelte Tragödie, die die Leute so berührt, sondern auch der Verlust von diesem ganz speziellen Menschen. Vielleicht gerade auch wegen seiner offenen Art, wie er mit seiner schweren Krankheit umgegangen ist: Dass er nie versucht hat, auf einen Mitleidseffekt zu schielen, sondern gesagt: ,Is’ so. Jetzt machma weiter.’ Da war er für viele ein Vorbild.“ tan, ta

 

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