Bayern Rauchverbot: Das große Pro und Kontra

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MÜNCHEN - Befürworter des totalen Rauchverbots rechnen mit einem Zweidrittel-Sieg über die Raucher - Die Gegner des totalen Rauchverbots wollen, dass sich an der momentanen Regelung nichts ändert. Lesen Sie das große Pro und Kontra.

 

Das große Pro und Kontra zum Volksentscheid

Ja zum Volksentscheid: „Raucher sollen bloß vor die Türe gehen“

Befürworter des totalen Rauchverbots rechnen mit einem Zweidrittel-Sieg über die Raucher

Den Rauchgegnern stinkt’s: Der Qualm hat die bayerischen Festzelte fest im Griff und macht auch vor den Lungen von Jugendlichen und Kindern keinen Halt.

„Es ist skandalös, dass Kinder und Jugendliche in Festzelten dem Tabakrauch ausgesetzt sind“, schimpft Friedrich Wiebel, Vorsitzender des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit. Dabei gehe es nicht nur um Bierzelte wie etwa auf der Wiesn, sondern um Zelte, in denen etwa Sport- und Schützenvereine feiern. Wiebel bezieht sich dabei auf eine Umfrage seiner Vereinigung in insgesamt 30 bayerischen Festzelten. Vom Augsburger Frühjahrsplärrer bis zum Karlsfelder Siedler- und Seefest: Rauchfrei ist einzig die Kalbs-Kuchl auf dem Oktoberfest. „Die Bürger haben keine Wahl, auch wenn die Gegenseite das immer behauptet.“

„Kinder sind besonders empfindlich, gegen Tabakrauch“, erklärt Wibel. „Das liegt daran, dass sie noch in der Entwicklung sind und außerdem pro Kilogramm Körpergewicht mehr Tabakrauch aufnehmen.“

Außerdem würde ein totales Rauchverbot helfen, dass Kinder und Jugendliche erst gar nicht anfangen mit dem Rauchen. „Sie lernen in den Festzelten, dass das Rauchen dazu gehört zum Leberkäs und zum Bier.“ Studien hätten ergeben, dass dort, wo ein striktes Rauchverbot herrsche, die Zahl der Jugendlichen, die mit dem Rauchen anfangen, um 40 Prozent niedriger sei.

Parallel zur Umfrage in den Festzelten haben die Rauchgegner auch Messungen in Festzelten vorgenommen. Sie maßen dort eine Feinpartikelmenge, die fast 18 Mal so hoch war wie der Grenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Ernst-Günther Krause, Vorsitzender der Nichtraucherinitiative München, hat einige der Messungen unternommen. „Für mich ist es wirklich schwierig, überhaupt in einem Festzelt drinnen zu bleiben“, sagt er.

Aus Gesprächen mit Bürgern weiß er, dass es vielen anderen auch so geht. Für den Volkentscheid ist er guter Dinge. „Es wird nicht viel verlangt von den Rauchern“, sagt Krause. „Sondern nur, dass sie ein paar Meter ins Freie gehen.“ Er rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 35 Prozent. Und der Ausgang? „Zwei Drittel zu ein Drittel. Für ,Ja’.“

In den nächsten Tagen soll ein neues Poster die Öffentlichkeit noch stärker mobilisieren. „Kinder würden rauchfreie Zelte wählen“, steht darauf – eine Grundschülerin hat das entsprechende Festzelt gezeichnet.

Vanessa Assmann

Nein zum Volksentscheid: „Keiner muss mit Kindern ins Bierzelt!“

Die Gegner des totalen Rauchverbots wollen, dass sich an der momentanen Regelung nichts ändert

Es ist gut, wenn es vorbei ist“, sagt Franz Bergmüller. Der Landesvorsitzende des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur ist im Stress. Noch zwei Wochen bis zur Abstimmung, die Nerven liegen blank. Bergmüller und seine Mitstreiter sagen „Nein“. Sie wollen kein totales Rauchverbot. „Aber es war nie unsere Intention, dass überall geraucht werden kann“, sagt er, „wir wollen nur, dass es so bleibt, wie es ist.“

Und dafür rackert der Metzgermeister aus Feldkirchen im Moment fast den ganzen Tag.

Die Anstrengung soll sich lohnen. Bergmüller rechnet sich große Chancen aus auf einen Sieg. „Es wird knapp, aber wir gewinnen“, sagt er. Wenn es so kommt, dann ist das den vielen Unterstützern zu verdanken, die in den letzten Wochen dazugekommen sind. Die Plakate aufgehängt und Flyer verteilt haben. Sie melden sich freiwillig, so Bergmüller. „Ich bin überrascht, mit welchem Engagement sie dabei sind.“

Verbotsstaat Bayern? Den wollen die Gegner des totalen Rauchverbots verhindern und werben auf ihren Plakaten für ein „Nein“. Und in den Werbetafeln liegt im Moment auch der größte Zündstoff. Glaubt man Bergmüller, haben Nichtraucher-Aktivisten viele von ihnen zerstört oder einfach abgehängt. Dahinter vermutet er einen Aktionismus. „Sonst würde das doch nicht in Passau, Landsberg, Augsburg, München, ja bayernweit passieren. So etwas geht einfach überhaupt nicht.“

Bergmüller, der Bayernpartei und vielen Rauchern geht es in ihrem Kampf um die Erhaltung der Wirtshauskultur. Auf der Wiesn sehen sie die besonders in Gefahr. „Die Wirte würden als Hilfspolizisten engagiert. Aber das ist doch gar nicht zu kontrollieren“, empört sich Bergmüller.

Wiesn-Wirt Toni Roiderer sieht das genauso. „Wie soll man einem Betrunkenen erklären, dass er zum Rauchen vors Zelt hinaus soll. Und wie kann die Bedienung wissen, ob jemand nur mal schnell eine rauchen ist oder die Zeche geprellt hat?“ Die Befürworter des totalen Rauchverbots sind für Roiderer „Weltverbesserer, die an der Realität vorbeileben“. Dass sie jetzt auf den Plakaten auch noch die Kinder ins Spiel bringen, hält er für ganz unmöglich. „Niemand muss mit den Kindern ins Festzelt.“

Bekommt das Nein bei der Abstimmung eine Mehrheit, wird sich Bergmüller zur Belohnung übrigens keine Zigarette anzünden. Er ist absoluter Nichtraucher. „Mir geht es darum, dass die Bürger frei entscheiden können.“ In zwei Wochen können sie es.

Verena Duregger

 

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