Bayern Nach Exzessen in Mittenwald: Bundeswehr tauscht Chefs aus

Illustration Foto: dpa

BERLIN - Die Bundeswehr reagiert auf die Skandale in der Mittenwalder Spezialeinheit. Die Führung des Hochgebirgsjägerzugs wird komplett ausgetauscht.

 

Das kündigte Heeres-Inspekteur Hans-Otto Buddeam Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestags an. Als Ergebnisder Ermittlungen haben man sich für einen „personellen Neuanfang“ inMittenwald entschieden, sagte ein Sprecher des Heeres der DeutschenPresse-Agentur dpa.

Die Maßnahme betrifft sechs Feldwebel und Unteroffiziere und sollim Oktober vollzogen werden. Insgesamt gehören demHochgebirgsjägerzug derzeit 24 Soldaten an, zum größten TeilGrundwehrdienstleistende oder freiwillig länger Wehrdienstleistende.Der Sprecher betonte, dass die Ermittlungen noch liefen und weitereKonsequenzen möglich seien. „Wenn erforderlich, werden sofortMaßnahmen ergriffen.“

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walther Otremba,soll in der Sitzung des Verteidigungsausschusses nachTeilnehmerangaben zudem einen Bericht der Bundesregierung zu denExzessen zugesagt haben. Eine entsprechende Forderung hatten dieGrünen gestellt.

Trinken bis zum Erbrechen

Vor zwei Wochen hatte der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe demAusschuss berichtet, dass es in Mittenwald seit JahrzehntenAufnahmerituale gibt, zu denen das Essen roher Schweineleber undAlkoholkonsum bis zum Erbrechen gehört. Am Montag hatte er 23 weitereZuschriften ehemaliger Soldaten über Exzesse auch in anderenTruppenteilen vorgelegt.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sprichttrotzdem weiterhin von Einzelfällen. „Ich verwahre mich dagegen, dassman ein Pauschalurteil über alle Soldaten der Bundeswehr spricht“,sagte er am Rande der Sitzung des Verteidigungsausschusses. DerMinister sagte eine Prüfung jedes einzelnen bekannten Falls „mitNachdruck und mit Vernunft“ zu.

Jeder einzelne Fall sei einer zu viel. „Aber wir sprechengleichzeitig von 250 000 Soldaten, wo der ganz ganz überwältigendgroße Teil einen erstklassigen Dienst verrichtet“, betonteGuttenberg. Der CSU-Politiker versprach eine schnelle Aufklärung derVorgänge. Wenn Verfehlungen nachgewiesen würden, müssten Konsequenzengezogen werden.

Der Kommandeur der 10. Panzerdivision und obersteTruppenvorgesetzte der Mittenwalder Einheit, General Erhard Bühler,sagte dem Konstanzer „Südkurier“, dem Hochgebirgsjägerzug sei dasRitual in den zurückliegenden zehn Jahren mehrfach verboten worden.Dennoch sei es im Geheimen fortgeführt worden, wie auch aussichergestellten Tagebüchern hervorgehe. (dpa)

 

0 Kommentare