Bayern II und Trainer Gerland in der Krise "Es geht nicht mehr"

Entweder - oder: Hermann Gerland will nicht mehr Bayern-II-Trainer und Assistent bei den Profis gleichzeitig sein. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Entweder Heynckes oder Bayern II: Coach Hermann Gerland ist am Ende seiner Kräfte. Künftig wäre er lieber nur noch Assistenztrainer der Profis.

 

MÜNCHEN Der Mann hat resigniert. Vielleicht ist es das einzige, was noch hilft, mag sich Hermann Gerland denken. Die Leichtigkeit des Nichts-mehr-Müssens, kein Druck mehr, vorbei. Womöglich kann das die zweite Mannschaft des FC Bayern doch noch zu einem Wunder verhelfen, das wäre: den Abstieg aus der Dritten Liga bei sieben Punkten, die auf einem Nicht-Abstiegsplatz fehlen, noch zu verhindern. Neun Partien bleiben.


Doch Gerland, ein Mensch, der sonst nicht weiß, wohin mit seiner Energie, klingt ungewohnt pessimistisch. „Die Mannschaft versucht alles, wir sind selten schlechter als der Gegner – aber wir verlieren immer.” Fazit Nummer eins, ziemlich ernüchternd. Fazit Nummer zwei nach der 1:2-Pleite letzten Samstag im Abstiegsduell gegen Babelsberg: „Wenn wir als Tabellenletzter gegen den Vorletzten nicht gewinnen können, dann haben wir wohl in dieser Liga nichts zu suchen.” Ziemlich ehrlich.


Natürlich verweist der 56-Jährige auf die Gründe für die „Seuchensaison” - zurecht. Die Probleme: Zu wenig erzielte Tore, zu viele blöde Gegentreffer in letzter Minute, schwere Verletzungen wie die von Séne, Yilmaz und nun Routinier Schwarz, Verluste von Qualitätsspielern wie Mehmet Ekici (wurde an Nürnberg ausgeliehen), David Alaba (zur Lehre in Hoffenheim), Maximilian Haas (Middlesbrough) und Christoph Knasmüllner (Jugend von Inter Mailand), dazu „kuriose Schiedsrichter-Entscheidungen”. Gerland zählt auf, er will nicht jammern, nur erklären. „Dass wir sie haben gehen lassen, ist besser für die Entwicklung von Alaba, von Ekici – aber deren Qualität können wir nicht einkaufen”, sagte er der AZ, „Spieler von dieser Klasse gehen doch nicht runter in die dritte Liga. Dazu kommt, dass Thomas Kraft noch bei mir spielen könnte, aber er wurde eben zu den Profis befördert.”

Aus der A-Jugend kommt beinahe nichts nach, ein schlechter Jahrgang. Gerland: „In der Vergangenheit konnte man das auffangen. Aber die haben auch viele Verletzte! Und: Manche Jahrgänge haben eben nicht die Qualität – ja, was soll man da machen?” Keine Nachrücker, kein sportlicher Erfolg: Die A-Junioren sind in der Bundesliga Süd/Südwest nur Tabellensiebter von 14 Teams, die B-Junioren Vierter. So schlecht stand Bayerns Nachwuchs nie da.


Der Entdecker und Förderer ganzer Spielergenerationen von Hamann, Kuffour über Lahm, Schweinsteiger bis zu Müller und Badstuber zieht nun seine Konsequenzen. Zwei Jahre arbeitete er in einer Doppelfunktion, als Cheftrainer der Reserve und als Assistent von Louis van Gaal. Doch nun braucht es einen Schlussstrich. „Mir geht's derzeit bescheiden, denn der FC Bayern ist mein Leben. Ich bin jeden Tag auf der Anlage, bin immer um acht Uhr da, bin meist der Letzte, der abends geht”, sagt Gerland, „aber ich mache künftig nur noch einen Job – oben oder unten. Ich habe auch kaum noch Zeit, Spieler zu sichten. Das ist alles nicht mehr miteinander vereinbar.” Auch wegen der Familie. Gerland: „Ich kann auch meiner Frau nicht mehr antun. In der Nacht vor dem Spiel kann ich nicht schlafen und wenn wir verloren haben, zwei Nächte nicht. Diese Niederlagen machen mich fertig, ich bin dann zwei Tage nicht ansprechbar. Es geht nicht mehr.”


Oben oder unten – das heißt: Gerland wird einer der Assistenten von Jupp Heynckes, der ihn 1990 zum FC Bayern holte und auch in den sechs Wochen 2009 mit ihm arbeitete. Oder er betreut nur noch die zweite Mannschaft, wohl dann in der wenig attraktiven Regionalliga Süd. Die Entscheidung obliegt Heynckes. Gerland: „Der Jupp sagt an.”

 

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