Bayern gegen Dortmund Ancelotti im Pokal-Halbfinale: Der Tag der Wahrheit

Die Kritik an Bayern-Trainer Carlo Ancelotti in den letzten Wochen deutlicher und lauter geworden. Foto: sampics/Augenklick

Gegen Borussia Dortmund geht es für den FC Bayern am heutigen Mittwoch um den Einzug ins Pokal-Finale – und noch viel mehr. Trainer Carlo Ancelotti braucht das Double, damit seine erste Saison in München nicht als verlorenes Jahr gilt.

 

München - Es kann nur einen geben. Bayern oder Dortmund. Nur einen Finalisten. 2012, 2014 und 2016 standen sich die beiden besten Bundesliga-Mannschaften des letzten Jahrzehnts im Berliner Finale gegenüber. In dieser DFB-Pokal-Saison wird eine bereits im Halbfinale ausscheiden. Für beide geht es um den fünften Finaleinzug in sechs Jahren – für den BVB wäre es der vierte Endspiel-Trip in die Hauptstadt hintereinander.

Carlo Ancelotti will das verhindern, der Bayern-Trainer will sein erstes Mal in Berlin erleben. Der Termin steht: 27. Mai im Berliner Olympiastadion. "Viele Leute haben mir von der Atmosphäre dieses Finals berichtet, es soll sehr speziell sein", sagte Ancelotti am Dienstag. "Ich würde gerne als Trainer meiner Mannschaft dorthin, nicht als Zuschauer."

Für die Bayern wäre eine Pleite am Mittwoch (20:45 Uhr, ARD und Sky sowie im AZ-Liveticker) gegen die Dortmunder nach dem Champions-League-Aus gegen Real Madrid vorigen Dienstag der zweite "kleine Tod" der Saison, im Grunde ein abruptes Ende der Spielzeit.

"Nur" Meister?

Dann blieben nur noch vier weitere Bundesliga-Partien. Eine herbe Enttäuschung. Und bei Trainer Ancelotti würde unter dem Strich nach seiner Premierensaison in München stehen: Meister. NUR Meister. Ein Titel aus drei, der im August 2016 gewonnene Supercup ist ja lediglich nettes Beiwerk für den Trophäenschrank.

Ähnlich negativ war Pep Guardiolas Bilanz in seinem zweiten Jahr bei Bayern, als er 2014/2015 auch "nur" die Meisterschale erringen konnte – nach einem Aus im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund. Im Elfmeterschießen. Damit dies nicht wieder passiert, übten die Bayern in den letzten Tagen den Schuss vom Punkt.

Wovon Ancelotti allerdings wenig hält: "Für mich sind Elfmeter eine mentale Geschichte, dafür braucht man kein technisches Training", sagte der Italiener: "Man kann die Situation eines Elfmeterschießens in einem Spiel nicht simulieren: Die Atmosphäre im Stadion, die mentale Verfassung der Spieler und deren Müdigkeit nach 120 gespielten Minuten."

"Der Pokal ist sehr wichtig für uns"

Der 57-Jährige vertraut auf seine Erfahrung, in der Hitze des Gefechts kurz vor Mitternacht die richtigen Schützen auszuwählen. Damit es kein böses Erwachen gibt. Schließlich ist die Kritik an Ancelotti in den letzten Wochen deutlicher und lauter geworden.

"Ancelotti ist ohne Frage ein großer Trainer. Aber auch er muss sich nach dem Aus hinterfragen, ob er bei seinen Spielern alles richtig gemacht hat, besonders bei denen, die häufiger auf der Bank sitzen", schreibt etwa der ehemalige TV-Kommentator Marcel Reif in einer Kolumne für Sport1.

Sogar Max Eberl, Gladbachs Manager, der beinahe in München gelandet wäre, meldete sich zum Thema Aufstellung in Madrid zu Wort: "Du hast vier angeschlagene Spieler (Neuer, Hummels, Boateng, Lewandowski, d. Red.), die sind einem Trainer lieber als die, die auf der Bank sitzen? Hat 'ne Aussage."

So etwas perlt an Ancelotti ab, dafür ist er zu lange im Geschäft. "Das Spiel gegen Real hat viel Energie gekostet. Aber wir haben das vergessen und fokussieren uns nun nur auf das Dortmund-Spiel", sagte er, "wir sind bereit. Wir wollen nach Berlin, wir müssen gewinnen. Der Pokal ist sehr wichtig für uns."

Erinnerung an Chelsea

Speziell für ihn. Es ist der Tag der Wahrheit. Bei seinen früheren Auslands-Engagements schnitt Ancelotti in seinem ersten Jahr unterschiedlich ab. Mit Chelsea gewann er 2009/2010 das Double. Als er zum Jahreswechsel 2011/2012 Paris St. Germain übernahm, wurde er Zweiter der französischen Ligue 1.

Und mit Real holte Ancelotti 2013/2014 die "Copa del Rey" und führte die Königlichen nach zwölf Jahren zum zehnten Champions-League-Titel.

Also Carlo, mach’s wie 2010 mit Chelsea. Auf zum Double!

 

2 Kommentare