Mitten auf dem Königsplatz Augsburg unter Schock nach tödlicher Attacke auf Feuerwehrmann

Vereint in der Trauer: Die Augsburger Feuerwehr trauert um ihren getöteten Kameraden. Foto: Stefan Puchner/dpa

Ein Mann wird mitten auf der Straße attackiert und stirbt, ein weiterer wird verletzt. Warum es zu der Konfrontation mit einer Gruppe junger Männer kam, ist vollkommen unklar. Die Ermittler setzen jetzt auf Bild- und Video-Material.

 

Augsburg - Zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr säumen am Sonntagvormittag den Augsburger Königsplatz. Was wie ein Großeinsatz anmutet, ist tatsächlich eine Trauerversammlung.

Dutzende Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr versammeln sich schweigend um einen Baum, an dem mit Kerzen, Rosen und einem Kranz an einen Kollegen erinnert wird. Am späten Freitagabend war der 49 Jahre alte Feuerwehrmann bei einem Streit mit einer Gruppe junger Männer an dem zentralen Augsburger Platz getötet worden. Der Täter war auch am Sonntag noch auf der Flucht.

Augsburg trauert um getöteten Feuerwehrler

Am Tatort erinnert ein Windlicht an das Opfer. "Wir sind bei Dir", steht auf dem Glas, und weiter: "Deine Freunde von der Berufsfeuerwehr Augsburg". Auf einem Zettel steht: "Als Retter gekommen & Als Engel gegangen. R.I.P." Stumm schauen die Brandschützer in ihren Uniformen auf die glimmenden Grablichter und die roten sowie weißen Blumen.

Selbst Friedhelm Bechtel, langjähriger Pressesprecher der Berufsfeuerwehr, ist nicht zum Reden zumute. "Wir trauern, wir sind emotional so drin", sagt er nur. Am Samstag hatte sich die traurige Nachricht bei den Wehren im Raum Augsburg verbreitet. Die Freiwillige Feuerwehr im Vorort Neusäß versah die eigene Facebook-Seite mit einem Trauerflor. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) informierte die Bürger ebenfalls über Facebook: "Trauer macht mein Herz schwer. Augsburg ist Schauplatz einer folgenschweren Gewalttat geworden", schreibt der Rathauschef.

Nach Streit zugeschlagen - Feuerwehrmann stirbt

Nach den bisherigen Ermittlungen waren am Freitag gegen 22.40 Uhr zwei befreundete Ehepaare am Königsplatz mit einer siebenköpfigen Gruppe junger Männer in Streit geraten. Die beiden Ehemänner wurden gegen den Kopf geschlagen. Obwohl die alarmierten Streifenpolizisten sofort Erste Hilfe leiteten, starb der 49-Jährige rund 50 Minuten nach dem verhängnisvollen Schlag noch vor Ort im Notarztwagen. Sein 50 Jahre alter Freund wurde massiv im Gesicht verletzt. Die Ehefrauen blieben körperlich unversehrt. Wegen des Schocks konnte aber die Frau des gestorbenen Feuerwehrmannes zunächst nicht befragt werden.

Die Gruppe mit den unbekannten Tätern soll nach den Schlägen vom Tatort in Richtung des Hauptbahnhofs gelaufen sein. Der Königsplatz, genannt "Kö", wird täglich von Zehntausenden Menschen passiert. Es ist der zentrale Umsteigebahnhof für den Nahverkehr in Augsburg, hier treffen sich die Straßenbahnen aus den verschiedenen Richtungen.

Polizei setzt auf Videoaufzeichnungen

Der "Kö" ist seit langem aber auch ein Kriminalitätsschwerpunkt in Bayerns drittgrößter Stadt. Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der Straftaten dort massiv zugenommen hatte und im Durchschnitt jeden Tag mindestens eine Tat registriert wurde, startete vor knapp einem Jahr eine Videoüberwachung. Dutzende Kameras zeichnen nun das Geschehen dort auf. "Dieser Bereich wird zu Ihrer Sicherheit videoüberwacht", informiert das Augsburger Polizeipräsidium die Bürger mit Hinweisschildern.

Nun versucht die Kripo, mit den Aufzeichnungen das Verbrechen aufzuklären. Am Samstag wurde eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe gebildet. "Die Ermittler konzentrieren sich derzeit auf die Erlangung und Auswertung von Bildmaterial rund um den Tatort", teilte die Polizei mit. Ob mit Hilfe der Videoaufnahmen Fahndungsfotos veröffentlich werden können, war am Sonntag zunächst noch unklar.

Kripo arbeitet unter Hochdruck

Die beiden Ehepaare waren nach Angaben der Polizei am Freitagabend vom Augsburger Christkindlesmarkt gekommen. Auf dem wenige hundert Meter entfernten Weihnachtsmarkt mit seinen rund 100 Ständen war das Verbrechen am Samstag zunächst kein Thema, wie die Verkäufer an mehreren Ständen berichteten. Erst am Sonntag wurde hier und dort darüber gesprochen.

"Das hat mit dem Weihnachtsmarkt überhaupt nichts zu tun", betont ein Besucher am Sonntag. Auch andere bezweifeln, dass die attackierten Ehepaare sich an jedem Abend direkt vom Weihnachtsmarkt zum Tatort begeben haben. Denn der Markt habe schon eine Stunde vorher geschlossen, sagen sie. Die Sonderkommission der Kriminalpolizei wird nun auch diese zeitlichen Abläufe genau untersuchen.

 

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