Bayerisches Staatsschauspiel Brigitte Hobmeier spielt nun am Residenztheater

Brigitte Hobmeier in den "Sommergästen"- Foto: Sandra Then

Brigitte Hobmeier spielt in „Sommergäste“ von Maxim Gorki im Residenztheater

 

Manche schwärmen noch immer von der „Geierwally“ im Volkstheater und können sich seither die Geierwally nicht mehr von einer anderen Schauspielerin vorstellen; ihre „Susn“ steht noch im Repertoire der Kammerspiele, obwohl sie das Ensemble 2017 wegen „Unterforderung“ unter viel öffentlicher Aufmerksamkeit verließ.

Ab heute ist sie endlich wieder, wenn auch nur als Gast, mit einer neuen Produktion in München zu sehen. In einer Inszenierung des Briten Joe Hill-Gibbins von Maxim Gorkis „Sommergäste“ im Residenztheater spielt sie die Anwaltsgattin Warwara Michajlowna, die ihren intellektuellen Bekanntenkreis im vorrevolutionären Russland zur Ferienzeit beherbergt und die Wendezeit sowohl in der Politik als auch in ihrer Ehe debattiert.

AZ: Frau Hobmeier, was haben Sie in den letzten zwei Jahren gemacht?
Brigitte Hobmeier: Ich habe ein Kind bekommen und in zwei Serien mitgemacht. Zum einen in der vierten Staffel von „Die Vorstadtweiber“ in Wien, die gerade jetzt im ORF läuft. Zum anderen „Oktoberfest – 1900“, eine Miniserie der ARD über die Zeit um die Jahrhundertwende, als die großen Brauereien die kleinen Brauer aufgekauft haben. Ein ganz tolles Projekt!

In den Kammerspielen läuft noch immer „Susn“. Das ist ein Erbe aus der Ära Frank Baumbauer, dem vorvorigen Intendanten. Können Sie diesen Erfolg erklären?
Es ist einfach eine tolle Inszenierung von Thomas Ostermeier. Er hat es so stabil inszeniert, dass wir nicht an der Qualität verlieren. Ich glaube auch, dass Herbert Achternbusch einer der ganz großen unserer Künstler ist. In den über 100 Vorstellungen gab es noch keine einzige, in der ich von seiner Sprache nicht neu beeindruckt wäre. Es tauchen immer wieder neue Farben auf, bei denen ich denke: Jetzt habe ich so viele Jahre älter werden müssen, damit dieser Satz auch noch weh tut. Es ist eines der kraftvollsten Stücke von Achternbusch.

Können Sie die klimatischen Unterschiede zwischen den Häusern beidseits der Maximilianstraße beschreiben?
Das ist für mich sehr emotional, denn ich hatte da drüben auch sehr schöne Zeiten. Den Kampf um links oder rechts von der Maximilianstraße fand ich aber schon immer deppert, weil es hier wie drüben großartige Schauspieler waren. Natürlich waren die Kammerspiele seit 2005 meine Heimat. Und dort habe ich zum ersten Mal Theater geschaut: „Faust“ von Dieter Dorn. Das war meine erste Begegnung mit Theater überhaupt und nicht die schlechteste. Aber ich habe keine Lust darauf, mich auf eine Seite zu stellen und die andere Seite zu beschimpfen. Es gibt von Max Frisch den Satz: „Hassen Sie lieber in der Gruppe oder alleine?“ Ich hasse lieber alleine. Ich finde es unangenehm, in einer Gruppe zu hassen.

Wie sind Ihre ersten Erfahrung im Resi?
Ich bin aufgeregt, weil alles noch fremd ist. Ich verlaufe mich jeden Tag und muss mich wie am Stock herum führen lassen. Und ich mag Andreas Beck, seine Energie, seinen Optimismus gepaart mit Frechheit. Auch die Kollegen aus Basel bringen eine gute Energie mit.

Genija Rykova, die noch bis Ende vergangener Spielzeit zum Resi-Ensemble gehörte, spielte die Rolle der Warwara bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Gab es Gelegenheit, sich einmal ganz unter Kolleginnen darüber auszutauschen?
Ja, wir sind seit dem „Satansbraten“ von Rainer Werner Fassbinder an den Kammerspielen miteinander befreundet. Ich hatte sogar überlegt, nach Salzburg zu fahren und es mir anzusehen, habe dann aber dagegen entschieden. Es war sehr spannend festzustellen, dass wir ein Recht haben, andere Ansichten dazu zu haben. Genija ist über zehn Jahre jünger als ich und hat deshalb eine andere Weltsicht. Unser Regisseur hat absichtlich alle Rollen älter besetzt, um eine ganz andere Art von Endlichkeit hinein zu bringen. Wenn Warwara bei Genija eine Frau ist, die frei sein und das Leben entdecken will, ist es bei uns ein Ehepaar, das auch schon durch schwere Zeiten gegangen ist. Die Kinderlosigkeit ist vielleicht nicht gewünscht, sondern kommt vom Suff des Mannes. Es ist schön, dass sich das Theater das leisten darf, mit einer anderen Besetzung auch die Grundprinzipien zu verändern.

Das Stück ist aus dem Jahr 1904, als weder der Autor noch das Publikum wussten, dass sich im folgenden Jahr die erste Russische Revolution ereignen wird. Wir sind auch wieder einmal in unruhigen Zeiten. Haben Sie eine Fantasie, was 2020 passieren könnte?
Revolutionen lassen immer die Köpfe rollen. Aber wie jeder andere frage ich mich auch, wie wir mit all dem, was auf uns zu kommt, umgehen sollen - nicht zuletzt wegen meiner Kinder jeden Tag. Was bedeuten die politischen Umwälzungen und die Klimaveränderung für unsere Eigenverantwortung und für die eigene Bequemlichkeit. Aber das ganze Land wie 1905 einer Revolution zu unterwerfen, das wünsche ich mir nicht für 2020.


Residenztheater, wieder am 27., 31. Oktober, 5., 8., 9. November, 19.30 Uhr, Telefon 21851940

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