Bayerisches Kabinett Spaenle nicht mehr Minister: Söder watscht Münchner CSU ab

Wenn der Putz bröckelt: Ludwig Spaenle (l.) und Markus Söder gemeinsam in der Münchner Residenz. Foto: dpa

Ludwig Spaenle ist nicht Minister im bayerischen Kabinett von Markus Söder. Wie Spaenles Parteifreunde in München auf den Rauswurf reagieren.

München - Ludwig Spaenle trug am Mittwoch mal wieder seine lustige grüne Krawatte, auf die er einst so oft angesprochen wurde, als seine Münchner CSU mit den Grünen flirtete. Aber es war kein lustiger Tag für Spaenle. In der Fraktion starrte er aufs Handy - um nicht in die Kameras blicken zu müssen.

Spaenle, Münchner CSU-Chef, Kultusminister und Taufpate von Markus Söders Sohn, wird dem Kabinett Söder nicht angehören. Dabei hatte sich sein Bezirksverband früher und deutlicher als viele andere im Freistaat pro Söder positioniert - und gegen Horst Seehofer (lesen Sie hier: Seehofers letzte Kabinettssitzung).

Spekulationen: Warum ist Ludwig Spaenle nicht  mehr Minister?

Söder dankte es mit vielen öffentlichen Schmeicheleien in Richtung München. Aber nicht mit Posten im Kabinett. Von den zwei Münchner Mitgliedern ist nur noch eines übrig: Georg Eisenreich. Superminister Spaenle hingegen: rausgeworfen!

Über die Gründe wurde wild spekuliert. War es der Wunsch nach mehr Frauen im Kabinett? Setzten andere Bezirke Söder unter Druck? In der Münchner CSU konnten es viele nicht fassen. Bürgermeister Josef Schmid kritisierte, die Regierung verliere "ein Schwergewicht der bayerischen Politik" mit "beeindruckender Bilanz".

Hinter vorgehaltener Hand wurden viele deutlicher. "Wir sind total perplex", hieß es zum Rauswurf Spaenles. Oder auch: "Wir sind einfach nur entsetzt von so viel menschlicher Illoyalität." Söder wird also plötzlich vorgeworfen, weshalb man Seehofer vor Monaten loswerden wollte: rücksichtslos zu sein gegenüber den Münchnern.

Ludwig Spaenle: Sein Wunsch an Markus Söder

Doch es gibt auch die Lesart, so schlecht sei München nicht weggekommen. Markus Blume ist kürzlich zum Generalsekretär der Partei befördert worden. Mechthilde Wittmann wird unter Söder die Beauftragte für Integration, Frauenärztin Marion Kiechle Wissenschaftsministerin. Nur: Aus Sicht vieler Münchner CSU-Funktionsträger ist all das kein Entgegenkommen. Blume wurde vom Eisenreich-Schmid-Spaenle-Lager nie besonders geschätzt. Mit Wittmann lag die München-Spitze der CSU über Kreuz. Und Kiechle ist gar nicht in der Partei.

Spaenle sagte am Mittwoch noch, er wünsche dem neuen Ministerpräsidenten alles Gute - und "echte Freunde". Dann ging er.

Lesen Sie hier: Markus Söder - das ist Bayerns neuer Ministerpräsident


AZ-Meinung: Verzockt!

Lokalchef Felix Müller über Markus Söder und die Münchner CSU.

Die Münchner Parteifreunde und ihre Interessen: sind CSU-Ministerpräsidenten klassischerweise egal. Umso fröhlicher registrierten die Münchner das Werben Söders um sie. Der betonte, wie sehr er die Münchner schätze, wie ernst er die Großstadt nehmen werde. Doch jetzt ist alles wie immer: der Ministerpräsident unter dem Druck vom Lande, die Münchner brüskiert. Bitter!

Doch auch der neue Ministerpräsident könnte sich verzockt haben. Er hat mitten im beginnenden Wahlkampf einen bislang komplett loyalen Bezirksverband in Unruhe versetzt.

 

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