Bayerische Staatsoper Eine halbe Verlängerung für Kirill Petrenko?

Der geliebte Taktstockzauberer: Kirill Petrenko nimmt vor dem Vorhang des Nationaltheaters den Applaus entgegen. Foto: Wilfried Hösl

Abschied auf Raten? Kirill Petrenko geht nach Berlin – aber es besteht die Chance, dass er noch ein paar Jahre an der Bayerischen Staatsoper bleibt

 

Das Publikum liebt ihn, Orchestermusiker und Sänger loben sein Arbeitsethos. Kirill Petrenko wechselt traumwandlerisch sicher zwischen den Stilen: Zwischen Wagners „Ring“, Bergs „Lulu“ und der Donizettis „Lucia di Lammermoor“ ist ihm kein Stil fremd. Ein großartiger Mahler-Dirigent ist er auch. Da verzeiht man ihm leicht die etwas kalte Darstellung von Mozarts „La clemenza di Tito“ im Nationaltheater.

Nun steht die Bayerische Staatsoper mittelfristig ohne Generalmusikdirektor da. Am Montag wurde bekannt, dass die Berliner Philharmoniler den gebürtigen Russen zum Nachfolger von Simon Rattle als Chefdirgenten gewählt haben.
Petrenko galt immer als heißer Anwärter. Bis er im Dezember kurzfristig ein Konzert absagte. Die Gerüchte überschlugen sich, und der Dirigent zählte bei der gescheiterten Wahl eines Chefdirigenten Anfang Mai angeblich nicht mehr zum engsten Kandidatenkreis.

So kann man sich täuschen. Jeder glaubte den Beteuerungen der Berliner Philharmoniker, sie bräuchten ein ganzes Jahr, um sich wieder zusammenzuraufen. Aber sie schafften es, und im Unterschied zur Runde Nr. 1 ohne Aufsehen.

Petrenko gilt bei fast allen Orchestermusikern, die unter ihm gespielt haben, als absolute Ausnahme-Begabung. Und dass der Münchner Enthusiasmus andernorts Begehrlichkeiten weckte, darf einen nicht wundern.

Ein Zauderer

Die Wahl zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker schlägt man auch nicht aus: Die Nach-Nach-Nach-Nachfolge eines Herbert von Karajan und Wilhelm Furtwängler ist der repräsentativste Posten in der Welt der Klassik. Und einer der wenigen Chefdirigentenposten, die kein Zweit-Opernhaus oder Zweit-Orchester duldet. Das Allgegenwart mancher seiner Kollegen strebt der in Vorarlberg aufgewachsene Russe ohnehin nicht an. Er ist einer der gründlichsten Arbeiter unter den Dirigenten. Und eher ein Zauderer, der sich lieber rar macht.

Simon Rattle verlässt 2017 die Philharmoniker. Petrenkos Münchner Vertrag läuft ein Jahr später aus – wie jener des Intendanten Nikolaus Bachler, der erst kürzlich bis 2018 verlängert wurde. Ein vorzeitiger Wechsel Petrenkos nach Berlin scheint ausgeschlossen, zumal sich alle Beteiligten in München immer noch wie im Wonnemond fühlen.

Und das könnte noch eine Weile so bleiben. Aus der Bayerischen Staatsoper und dem Kunstminsterium wird verlautet, dass alle drei Seiten eine Verlängerung des Vertrags über 2018 hinaus anstreben. Das heißt im Klartext: Kunstminister Ludwig Spaenle. Opernintendant Nikolaus Bachler und Petrenko selbst wünschen, dass die Münchner Ära des Dirigenten nicht abrupt zu Ende geht.

Eine kleine Verlängerung?

Petrenkos Vertrag könnte noch einmal um zwei oder drei Jahre verlängert werden. Dem Vernehmen nach soll in der Sommerpause verhandelt werden. Und es könnte zum Zauderer Petrenko passten, das Berliner Amt nicht überstürzt anzutreten.
Wenn Petrenko bis 2020 oder 2021 bliebe, wären das sieben oder Jahre am Nationaltheater gewesen – die durchaus natürliche Amtzeit eines Generalmusikdirektors. Bachler wäre dann, eine weitere Verlängerung seines Vertrags vorausgesetzt, das zwölfte Jahr im Amt und 70 Jahre alt. Und so ist der Verlust Petrenkos, der jeden Besucher der Staatsoper schmerzen wird, zugleich die Chance für einen geordneten Wechsel.

Man muss sie im Kunstministerium nur mit Weisheit nutzen. Bis dahin wird jede Vorstellung mit Petrenko im Nationaltheater ein Plebiszit für eine Vertragsverlängerung.

 

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