Bayerische Familienbande CSU-Verwandten-Affäre: Frau Eck und ihre Firma

Gerhard Eck: Der 53-Jährige ist Innenstaatssekretär und gelernter Maurer aus Schweinfurt. Seine Frau war seine Büro-Hilfe und gleichzeitig Geschäftsführerin eines Bau-Unternehmens Foto: dpa

 Während der bayerische Innenstaatssekretär seine Frau als Büro-Hilfe auf Steuerzahlerkosten beschäftigte, war sie auch noch Geschäftsführerin des Unternehmens Steigerwald-Bau GmbH

 

MÜNCHEN - Er sitzt im Kabinett von Horst Seehofer und wusste genau, was er tat: In letzter Minute hatte Innenstaatssekretär Gerhard Eck (53) im September 2000 seine Ehefrau Elisabeth (50) als Mitarbeiterin angestellt. Drei Monate später verbot der Landtag die Beschäftigung von Familienmitgliedern. Den ersten Monat arbeitete sie Teilzeit, dann Vollzeit, danach wieder Teilzeit. Fragt sich nur, wo Elisabeth Eck die Zeit dafür hernahm. Gleichzeitig war die Frau des CSU-Abgeordneten auch Geschäftsführerin der Steigerwald-Bau GmbH. Das geht aus einem Auszug des Handelsregisters hervor, der der AZ vorliegt.

Während Eck Monat für Monat seiner Frau 750 Euro netto aus Steuergeldern für 20 Stunden pro Woche zukommen ließ, kümmerte sie sich um Haushalt, zwei Kinder, sein Abgeordnetenbüro und die Steigerwald-BAU GmbH. Deren Zweck war laut Handelsregister „der Ankauf von Grundstücken, die Erstellung von Wohn- und Gewerbebauten, der Verkauf von Grundstücken, Gewerbebauten, Eigenheimen sowie Eigentumswohnungen“. Eine Menge Arbeit. 

Adresse der Firma war Am Schärf 22, Donnersdorf-Pusselsheim bei Schweinfurt. Gleich in der Nachbarschaft, Am Schärf 15, residiert Eck mit seiner Familie. Dort hat er praktisch alles unter einem Dach: sein Stimmkreis-Büro und auch seine frühere Firma, die „Eck-Baumanagement“. Der gelernte Maurer hatte es neben seiner CSU-Karriere zu etwas gebracht. Die Dreifach-Belastung – Firma, Abgeordnetenbüro und Familie – hielt Elisabeth Eck lange durch. Am 15. April 1999 war die Steigerwald-Bau mit ihr als Geschäftsführerin im Handelsregister eingetragen worden. Nach zwölf Jahren wurde das Unternehmen am 17.Februar 2010 aufgelöst. 

Vier Monate zuvor hatte Seehofer den Unterfranken in sein Kabinett berufen. Aus Proporzgründen. Aufgefallen war Eck bis dahin vor allem mit einer Fahrt im Feuerwehrauto nach München zum CSU-Parteitag. Das hatte er sich bei der örtlichen Wache geliehen. 

Ihren Geschäftsführer-Posten war Elisabeth Eck los. Ihr Mann gab als Kabinettsmitglied seine Firma an einen Architekten weiter. Der Firmen-Sitz blieb im Haus. Als Innenstaatssekretär verdiente Eck nun rund 240 000 Euro im Jahr. Seine Frau aber ließ er weiter vom Steuerzahler bezahlen – bis die Familien-Unternehmen aufflogen. Auf Druck von Seehofer kündigte Eck seiner Frau im April 2013 und zahlte inzwischen murrend das Geld, das er ihr während seiner Zeit im Kabinett überwiesen hat, zurück. 

Inzwischen ist Eck in der CSU ein mächtiger Mann und einer ihrer zehn Bezirksfürsten. 2011 wurde er zum CSU-Chef von Unterfranken gewählt – als Nachfolger des früheren Bundeswirtschaftsministers Michael Glos.Die Tätigkeit seiner Frau als Geschäftsführerin der Steigerwald-Bau sei „rein privat“, ließ er der AZ mitteilen. Deshalb gebe er keine Auskunft. 

Wie Eck hatten auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Kultusstaatssekretär Bernd Siebler ihren Ehefrauen schnell einen „Last-Minute“-Vertrag verschafft. 

Am Wochenende erteilte Seehofer seinem Partei-Vize Peter Ramsauer einen Rüffel. Der Bundesverkehrsminister hatte die Affäre verharmlost. Derzeit sucht Seehofer Ruhe in seinem Haus im Altmühltal.

Inzwischen musste auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Harald Güller, einen Fehler einräumen. Er hatte 2009 den 30-jährigen Sohn seiner Frau aus erster Ehe zwei Monate beschäftigt. Der Ingenieur bekam für den Neuaufbau der digitalen Bürokommunikation 7417 Euro brutto. Güller war davon ausgegangen, dass es sich um keinen Verwandten handle. Rechtlich aber ist der Stiefsohn ein Schwager ersten Grades. Der SPDler hat den vollen Bruttobetrag inzwischen zurückerstattet.

 

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