Bayerische Bilanz 2016 weniger Flüchtlinge, weniger Schleuser

Seit September 2015 wird an den bayerischen Außengrenzen wieder kontrolliert – wie hier in Schwarzbach an der Autobahn Salzburg-München. Foto: dpa

77.000 Menschen sind 2016 über Bayern nach Deutschland eingereist. 2015 waren es noch drei Mal so viele.

München - Der rund 650 Kilometer lange Grenzabschnitt zwischen Bodensee und Berchtesgadener Land ist einer der wichtigsten für die Einwanderung nach Deutschland. 2015 reisten dort Tausende Flüchtlinge nach Bayern ein – manchmal pro Tag.

2016 ist die Zahl der Migranten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Rosenheim deutlich zurückgegangen. Bei Grenzkontrollen zählten die Beamten rund 77.000 Menschen, die in der Bundesrepublik Schutz suchten. Das ist nur noch etwa ein Drittel der Vorjahreszahl.

Die meisten Geflüchteten registrierten die Bundespolizisten in den Monaten Januar und Februar, nämlich insgesamt rund 60.000. Mit der Schließung der Balkanroute im März 2016 fielen die Grenzübertritte auf 1.200 bis 1.600 pro Monat.

Laut Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat gelangt die Mehrheit über Italien und den Brenner bis an die Freistaat-Grenze. "Aber Einzelne, vor allem junge Männer, kommen auch weiterhin über die Balkanroute. Die Grenzen sind nicht hermetisch dicht." Es gebe weiterhin Schlepper, die kleine Gruppen nach Bayern schleusten, allerdings zu deutlich höheren Preisen als früher.

Denn auch die Zahl der Menschen-Schmuggler ging offenbar zurück: Wurden 2015 noch mehr als 700 mutmaßliche Schleuser festgenommen, so waren es im vergangenen Jahr nur noch etwa 280.

Knapp 5.000 Gesuchte festgenommen

Die meisten Neuankömmlinge stammten aus Syrien, Afghanistan, Irak, Nigeria und Somalia. Knapp 9.600 Menschen wurde die Einreise verweigert, weil sie in Deutschland keinen Asylantrag stellen, sondern nur durchreisen wollten sowie keine gültigen Reisedokumente oder kein Visum vorlegen konnten.

Bei den Kontrollen seien rund 4.800 Gesuchte gefasst worden, so die Ermittler. Bei einigen habe es sich um Straftäter gehandelt, nach denen per Haftbefehl gefahndet wurde.

Habe sich der Verdacht auf einen islamistischen Zusammenhang ergeben, seien die Staatsschutzbehörden eingeschaltet worden, sagte Bundespolizei-Sprecher Rainer Scharf. Dabei habe es sich jedoch um "Einzelfälle" gehandelt.

Zu den häufigen Staus durch die Grenzkontrollen sagte der Vize-Chef der Bundespolizeiinspektion, Ludger Otto, es gebe natürlich Einschränkungen. Aber: "Wir versuchen, unseren Beitrag zu leisten, um die Beeinträchtigungen des Verkehrs so gering wie möglich zu halten."

Familiennachzug - Das sind die Fakten

Rechtspopulisten behaupten gerne, jedem anerkannten Flüchtling würden vier bis fünf Familienmitglieder nach Deutschland folgen. Das ist falsch, wie aktuelle Zahlen belegen: Angehörigen in Syrien und dem Irak sind im vergangenen Jahr insgesamt 73.000 Visa ausgestellt worden. Aus der Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Grünen-Anfrage geht hervor, dass 39.605 der Menschen, die ein Visum erhielten, aus Syrien stammten. 13.000 dieser Dokumente wurden in Istanbul erteilt, 9.000 in der deutschen Auslandsvertretung in Beirut. Nun gebe es "Fakten statt Hetze", sagte der Grüne Özcan Mutlu dem "Spiegel".