Bayerische Akademie der Schönen Künste Siegfried Mauser vor dem Ausschluss

Siegfried Mauser vor Gericht. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Akademie der Schönen Künste will den Ausschluss ihres verurteilten Mitglieds Siegfried Mauser einleiten

 

Vor gut einer Woche bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts München im Prozess gegen den Pianisten und Musikwissenschaftler Siegfried Mauser. Er wurde wegen sexueller Nötigung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Mauser hat laut dem Urteil als Präsident der Münchner Hochschule für Musik und Theater wiederholt Bewerberinnen bei Vorstellungsgesprächen in den Amtsräumen sexuell bedrängt und genötigt.

Die Musikabteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste wird nun ein Ausschlussverfahren gegen ihr Mitglied einleiten. Gleichzeitig distanziert sich die Akademie „ausdrücklich von den Handlungen und den privaten Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder zum Fall Mauser“.

Tückische Tellerminen

Nach der ersten Verurteilung Mausers, im Mai 2015, erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Seite mit verteidigenden Leserbriefen. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, Literaturpreisträger der Akademie, schrieb damals, „Damen, deren Avancen zurückgewiesen werden, gleichen tückischen Tellerminen“, der damalige Akademiepräsident Michael Krüger unterstellte Mausers Opfern einen Racheakt und sprach von einem Komplott.

Die vom Komponisten Peter Michael Hamel unterzeichnete Erklärung behauptet nun, die Akademiemitglieder hätten sich als Privatpersonen geäußert. „Wir bedauern, dass die Akademie in der Öffentlichkeit mit privaten Handlungen und Meinungsäußerungen gleichgesetzt wird.“

Unter alten weißen Männern

Privat ist laut Hamel auch das Engagement mehrerer Akademiemitglieder bei einer Festschrift zum 65. Geburtstag Mausers, die der Verlag Königshausen & Neumann angekündigte hat. Sie sei „keine Publikation der Akademie. Sie wird weder von ihr finanziert, noch bezuschusst, noch hat die Akademie Einfluss auf das Erscheinen.“

Man kann nicht sagen, dass sich die Bayerische Akademie der Schönen Künste in der ganzen Angelegenheit mit viel Ruhm bekleckert hätte. Innerhalb der Musikabteilung äußerte sich nur der Komponist Moritz Eggert kritisch zu den skandalösen Vorgängen an der Musikhochschule. Die anderen Mitglieder, überwiegend ältere Herren, schwiegen. Genau diese Solidarisierung schafft ein gesellschaftliches Klima, das sexuellen Missbrauch als lässlichen Sünde von weißen Alphamännchen abtut und es den Opfern sexueller Übergriffe so schwer macht, sich äußern.

Ohnehin zählt die im Königsbau der Residenz beheimatete Akademie zu den Stillen im Lande. Wenn sie ernster genommen werden möchte – was ihre Mitglieder gern leicht beleidigt einfordern – müsste sie sich stärker als bisher durch ihre Veranstaltungen in öffentliche Debatten einbringen. So, wie diese Institution seit Jahren agiert und nach außen auftritt, ist sie lediglich ein gepflegter Pensionistenclub.

Für den Ausschluss Mausers ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Mal sehen, ob sie zustande kommt. Brigitte Fassbaender hat gegenüber dem BR ihren Austritt erklärt, sollte Mauser in der Akademie verbleiben.

 

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading