Baumfällung wegen Neubau Der große Kahlschlag am Harlachinger Klinikum

Noch leuchten die Blätter der Laubbäume vorm Klinikum Harlaching in Herbstfarben. Aber bis Februar soll hier abgeholzt werden. Voreilig, findet die Bayernpartei. Foto: Daniel von Loeper

Bis Februar will die Stadt für den Neubau des Harlachinger Klinikums 143 Bäume fällen. Dabei ist noch gar nicht klar, wann mit dem Bau begonnen werden kann.

 

Harlaching - Es ist kein schöner Anblick. 60 Stümpfe ragen aus der nassen Herbstwiese vorm Klinikum Harlaching. Die Bäume sind für den mächtigen neuen Krankenhauskomplex gefällt worden, der nach jahrelanger Planung in Kürze hier entstehen soll.

Und laut dem Plan für die Vorarbeiten rücken in Kürze schon wieder Motorsägen an: Bis Februar sollen nämlich weitere 143 Bäume fallen, 113 davon sind laut der Baumschutzverordnung der Stadt geschützt, weil ihr Stamm mehr als 80 Zentimeter Umfang hat.

Klage gegen neue Harlachinger Klinik verhindert Baubeginn

Jetzt formiert sich Widerstand gegen den schnellen Kahlschlag. Denn wie die AZ schon berichtet hat, ist noch gar nicht klar, ob es mit dem Neubau des rund 260 Millionen Euro teuren Klinikums überhaupt wie geplant diesen Winter losgehen kann.

Nach wie vor liegt eine Klage gegen den Vorbescheid für die Baugenehmigung vor – von der Klinik für Naturheilweisen (KfN), die auf dem städtischen Nachbargrundstück steht. Dort mag man nicht hinnehmen, dass der Klinikneubau ihren Zufahrtsweg für Krankenwagen und Patienten überbauen wird, der aktuell mitten durchs Gelände der Harlachinger Klinik führt. Eine Alternativ-Trasse war nicht geklärt worden.

Auch zu den Abstandsflächen gibt es Diskussionen, weil das neue Klinikhauptgebäude näher heranrücken wird. Man fürchtet Baulärm, Dreck und die Beeinträchtigung der eigenen Patienten. Und will klären, wer die eine Million Euro an Kosten übernimmt, die für eine neue Wegeführung und die Schutzmaßnahmen anfallen. Solange die Klage nicht zurückgezogen wird, kann es nicht losgehen mit dem Baubeginn.

Voreilige Fällung der Bäume ist "nicht akzeptabel"

Also die Bäume jetzt schon fällen, ohne Not? Stadträtin Eva Caim, gesundheitspolitische Sprecherin der Bayernpartei, mag das nicht hinnehmen – und wendet sich jetzt in einem Brief an OB Dieter Reiter (SPD): "Es ist nicht akzeptabel", schreibt sie dort, "dass schützenswerte Bäume jetzt gefällt werden, nicht wissend, ob in Kürze die Interessenkonflikte bereinigt werden können."

Der OB soll sich eiligst um eine Lösung kümmern, damit die neue Klinik bis November 2024 eröffnet werden kann.

Erste Lösungspläne der Stadt München

Immerhin: Die Stadt und das Klinikum Harlaching haben dem Nachbarn inzwischen erste Lösungspläne vorgelegt. Ex-CSU-Stadtrat Helmut Pfundstein, der im Stiftungsvorstand der Klinik für Naturheilweisen sitzt, sagt auf AZ-Anfrage: "Was jetzt vorliegt, geht in eine gute Richtung." Man müsse sich aber noch über einige Details verständigen, ehe die Klage zurückgezogen werden könne.

Klappt das noch bis zum Jahresende? Pfundstein: "Das hängt vom Tempo der Stadt und des Klinikums ab. Ich hoffe es."

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