Bauherr sägt Turm ab Glockengießerei in Laim: Plötzlich kein Denkmal mehr

Die einstige Glockengießerei an der Mitterhoferstraße 7 hatte einen hölzernen Turm (kleines Foto), diesen hat der Eigentümer absägen lassen. Foto: Daniel von Loeper

Das Verwaltungsgericht erkennt der Glockengießerei aus dem Jahr 1907 den Schutzstatus ab. Im Viertel macht das viele wütend.

 

Laim - Die Laimer Bürger sahen sie als "Perle" – inmitten nüchterner Wohnblocks in Laim: die alte Fabrikantenvilla der Glockengießerei an der Mitterhoferstraße. Trotzdem hat der neue Eigentümer die Villa 2017 abreißen lassen. Das imposante Haus war nicht denkmalgeschützt.

Der zugehörigen Werkstatt, der berühmten Kunst- und Glockengießerei Gebrüder Oberascher droht nun ebenfalls die Abrissbirne – obwohl das charmante Industrie-Relikt von 1907 hohe Rundbogenfenster hat.

In der Gießerei wurden die Glocken für die Frauenkirche gegossen

Auch wird die Gießerei als "basilikaler Satteldachbau" in der Denkmalliste beschrieben. In der Münchner Traditionswerkstatt wurden sogar die mächtigen Glocken für die Frauenkirche, den Alten Peter und die fürs Münchner Glockenspiel im Rathausturm gegossen.

Doch das Schmuckstück ist seit wenigen Tagen kein Denkmal mehr. Der Eigentümer, die Heimbau Bayern GmbH, hatte vor dem Verwaltungsgericht Erfolg: Die Justiz hat der alten Glockengießerei den Denkmalstatus entzogen, den sie seit dem 14. Februar 2017 hatte. Begründung: wegen zu vieler Eingriffe in die historische Substanz.

Das ist eine völlig überraschende Wendung im Streit um das besondere Gebäude. Auf die Glockengießerei angesprochen steigt der Blutdruck von Josef Mögele (SPD), seines Zeichens Chef des Bezirksausschusses (BA) Laim: "Ganz ehrlich, Geld gewinnt immer", ärgert er sich.

Der Eigentümer hat den Turm absägen lassen

Er sei vor zwei Jahren auf dem Gelände gewesen, berichtet der Stadtviertelpolitiker, und zwar kurz nachdem der neue Eigentümer, die Heimbau Bayern GmbH, im Februar 2017 beim Abriss der Glockengießer-Villa auch den zierlichen hölzernen Glockenturm auf dem Dach der denkmalgeschützten Gießerei hatte absägen lassen.

Nur zwei Tage zuvor sei das historische Gebäude offiziell unter Denkmalschutz gestellt worden. "Der BA hat sich beschwert. Die Stadt hat beantragt, dass der Eigentümer den Glockenstuhl wieder aufbaut, aber das ist zurückgestellt worden", erklärt Josef Mögele.

Das sagt die Stadt

Thorsten Vogel, Sprecher im Planungsreferat erläutert: "Der Eigentümer hatte angefangen, die Gießerei abzureißen, und hat den Glockenturm abgesägt. Die Lokalbaukommission hat daraufhin einen Stopp des Abbruchs verfügt." Ein Bußgeldverfahren gegen den Investor sei aber nicht eingeleitet worden. Der Grund: "Weil dem Eigentümer nicht nachzuweisen war, dass er schuldhaft gehandelt hat. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte das Gebäude erst zwei Tage zuvor zum Denkmal erklärt."

Der Eigentümer behauptet, davon nichts gewusst zu haben, deshalb hat er jetzt vor Gericht gewonnen. "Unglücklich überschnitten" hätten sich die Erklärung zum Denkmal und der Abriss, so Planungsreferatssprecher Vogel.

"Das ist alles eine Frechheit. Mir kommen die Tränen"

Der 68-jährige Josef Mögele schüttelt ungläubig den Kopf über den angeblichen Zufall. "Das alles ist eine Frechheit. Mir kommen die Tränen. Eigentum verpflichtet, steht in der Verfassung. Aber die Investoren machen Geld draus, sonst nichts", schimpft er.
Politik und Verwaltung würden dem nicht entschieden genug entgegentreten, niemand würde sagen: "Das machen wir nicht." Das ärgere ihn.

Als Gründer des Historischen Archivs Laim sagt der Laimer Norbert Winkler (68) zu der Entwicklung in der Mitterhoferstraße 7: "Als Laimer blutet mir das Herz, wenn ich sehe, was mit dem historischen Gelände geschieht. Mit dem Uhrmacherhäusl war es genauso. Eigentümer schaffen vollendete Tatsachen."

Die Stadt geht in Berufung

Die Stadt München hat jetzt gegen das Urteil, den Entzug des Denkmalstatus, Berufung eingelegt. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege feilt sie gerade an der Begründung. Dorothea Gehringer vom Landesamt: "Wir befinden uns in Abstimmung mit der Stadt."

Der BA-Chef Mögele freut sich, dass es Widerspruch gegen das Urteil gibt: "Die nächste Generation wird uns verfluchen, wenn wir keine Möglichkeit haben, etwas vom alten Laim zu erhalten."

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