Basketball-EM Bauermanns Polen-Mission – Bayern-Narbe „verheilt“

Erstmals führt der langjährige Bundestrainer Dirk Bauermann ein anderes Team als Deutschland in ein großes Basketball-Turnier. Mit Polen strebt der Erfolgscoach die EM-Zwischenrunde an. In der Vorbereitung stand aber nicht nur Sportliches auf dem Programm.

 

Ljubljana/Celje -Sein Amt als polnischer Nationalcoach geht für Dirk Bauermann über die sportliche Dimension hinaus – nicht erst seit dem Besuch eines Vernichtungslagers. Beim Vorbereitungsturnier in Lublin machte sich der frühere Bundestrainer bewusst während der heißen EM-Vorbereitungsphase auf den Weg ins nahe gelegene Belzec. „Das ist natürlich sehr bedrückend, da spürt man noch einmal das Besondere und die Verantwortung an der Aufgabe“, berichtete Bauermann in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa vor der am Mittwoch beginnenden Europameisterschaft in Slowenien.

Die „bewegte Geschichte der beiden Länder“ kam dem 55-Jährigen schon vor Vertragsunterzeichnung Anfang dieses Jahres in den Sinn. Nach einer knapp viermonatigen Auszeit im Anschluss an das von Uli Hoeneß lautstark beendete Engagement beim FC Bayern übernahm der Erfolgscoach Anfang dieses Jahres erstmals eine ausländische Landesauswahl. „Egal ob Spieler, Verantwortliche, Medien und Fans - es war ohne jedes Ressentiment, ohne jede Voreingenommenheit“, erinnert Bauermann die positive Aufnahme im Nachbarland.

Auch vor dem EM-Start gegen Georgien in Celje (14.30 Uhr) schwärmt Polen von seinem neuen Trainerimport. „Bauermann hat sehr schnell eine Verständigung mit den Profis erreicht“, lobte die Sportzeitung „Przeglad Sportowy“ jüngst. „Er hat auf sie einen sehr guten Einfluss. Er ist ein Mann, der nicht viel redet, aber was er sagt, ist sehr konkret und präzise.“ Für Center Marcin Gortat von den Phoenix Suns ist Bauermanns Training „auf NBA-Level“.

Der 2,11-Meter-Hüne ist neben dem gleich großen Maciej Lampe unter dem Korb Dreh- und Angelpunkt des polnischen Spiels. Auf eine vergleichbare Strategie setzte Bauermann auch bei seinem letzten Turnier als Bundestrainer mit Dirk Nowitzki und Chris Kaman in der Rolle des „doppelköpfigen Monsters“ bei der Euro 2011.

Doch hinter dem polnischen Duo fällt die Qualität auf den kleineren Positionen ab, so dass das Erreichen der EM-Zwischenrunde in der Gruppe mit Titelverteidiger Spanien, Gastgeber Slowenien und Geheimtipp Kroatien bereits ein Erfolg wäre. „Trotzdem haben wir gute Chancen einen der Favoriten aus dem Rennen zu werfen“, erklärte Bauermann zuversichtlich.

Nach der EM wird sich der Silbermedaillengewinner von 2005 zunächst wieder seinem Job als Vereinscoach widmen. In der litauischen Liga hatte er in der Vorsaison Lietuvos Rytas zur Vizemeisterschaft geführt und strebt nun die Qualifikation zur Euroleague an.

Zuvor hatte Bauermann bereits auch Erfahrungen in den USA, Belgien oder Griechenland gemacht – als Wandler zwischen den Basketball- Welten kokettiert er nach mehr als 20 Trainerjahren mit der Selbstbeschreibung eines „mit Narben übersäten Schlachtrosses“. Das nach der schmerzhaften Trennung in München entstandene Wundmal sei aber inzwischen „komplett verheilt“, berichtete der Routinier. „Es hat zwei Jahre lang viel Spaß gemacht und dann drei Monate gar nicht. Es ist abgehakt und jetzt habe ich zwei tolle neue Aufgaben.“

 

0 Kommentare