"Bamyan Nagres" Kardamom und Kürbis

Die ersten Gäste sind zufrieden – im neuen „Bamyan Nagres“ probieren sie Typisches aus Afghanistan. Foto: Daniel von Loeper

Das „Selig“ in der Hans-Sachs-Straße ist zu – hier servieren im „Bamyan Nagres“ jetzt Geschwister Typisches aus Afghanistan

Frühstück kommt jetzt keines mehr auf die Tische in der Hans-Sachs-Straße 3. Überhaupt, die Tische, die sehen ganz anders aus als zuvor im Café „Selig“, das jetzt Geschichte ist: silberne Ornamente auf dunklem Holz, orientalisch, besonders.

Diese Tische sind Maßanfertigungen, Ghezal Issar Amerchel hat sie entworfen. Für ihr eigenes Lokal, das sie seit ein paar Tagen mit ihren beiden Brüdern führt. „Wir haben alle in der Gastronomie gearbeitet“, sagt die 25-Jährige, „ein Bruder hat im H’Ugo’s gekocht und Pizzen gemacht, der andere war Barkeeper in der Riva Bar – jetzt machen wir etwas Gemeinsames.“ „Bamyan Nagres“ heißt ihr afghanisches Restaurant.

Nach den einst größten Buddhas der Welt im Herzen Afghanistans, im Tal von Bamiyan. Der Höchste maß 55 Meter. „Als ich vier war, stand ich vor diesen Statuen und habe so gestaunt – wie kann ein Mensch nur sowas bauen?“, sagt Amerchel. Später floh sie vor dem Krieg nach Deutschland. „Es hat mir das Herz gebrochen, als ich gehört habe, dass die Taliban die Buddhas zerstört haben.“ 2001 war das. „Da wollte ich ihnen hier ein kleines Denkmal setzen.“

Die Geschwister servieren Spezialitäten aus ihrer Heimat, vom Datteltee bis zum Lammspieß. Statt Schärfe spielt Würze eine große Rolle, Kardamom landet in vielen Gerichten, auch in den Tees. Vorspeisen rangieren von Linsensuppe (5,50 Euro) bis in Honig eingelegten, süß-scharfen Kürbis mit Quarkcreme und Fladenbrot (7,90). Zu Hauptgerichten wie „Korme Morgh“, Hähnchenfleisch mit pikanter Safran-Pflaumen-Linsensauce, wählen die Gäste Reis wie „Quabelli Palan“, den braun gebackenen Basmatireis mit Rosinen, Pistazien und Mandeln, oder „Naregj Palan“, den gebratenen Safranreis mit Bitterorangenschale, süß-pikant (13,50). Lammragout und Spieße gibt es wie vegetarische Gerichte, oder auch afghanische Maultaschen.

Um 23 Uhr stellt die Küche auf Nachtbetrieb um, dann kommen noch deftige Kleinigkeiten wie die Spieße auf die Tische – für Leute, die hier um die Häuser gezogen sind. Oder gleich im „Bamyan Nagres“ Cocktails geschlürft haben – auch Barhopper sind am Tresen willkommen.


Hans-Sachs-Straße 3, So. bis Mi. 11 – 1 Uhr, Do. bis Sa. bis 2 Uhr, bamyan.de, Tel.: 23 88 88 78

 

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