Bäume statt Blech Grünen-Offensive in München: 1.500 Parkplätze sollen weg

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
1.560 Parkplätze sollen verschwinden – für Bäume. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die Stadträte wollen jeden 50. Parkplatz auflösen – und Miniwälder schaffen.

 

MünchenFür Radlwege fallen schon überall in der Stadt Parkplätze weg. Etwa an der Fraunhoferstraße (120) oder an der Leopoldstraße (900). Jetzt haben die Rathaus-Grünen einen neuen Vorschlag, mit dem insgesamt 1.560 weitere Parkplätze wegfallen könnten: Jeder 50. Parkplatz in der Stadt soll gestrichen werden. Die Fläche soll mit einem oder mehreren Bäumen bepflanzt werden.

Grüne: Mehr Bäume sollen in München gepflanzt werden

"In Zeiten des Klimawandels wird es in München immer wärmer. Gerade im Sommer sind die Temperaturen in der Stadt bis zu fünf Grad höher als im Umland", sagt Stadträtin Sabine Krieger (Grüne). Deshalb sei es notwendig, deutlich mehr Bäume in München zu pflanzen.

"Oft ist es schwierig in der dicht bebauten Stadt Orte für Baumpflanzungen zu finden", sagt die Stadträtin. In dem Vorstoß ihrer Grünen-Fraktion gehe es nicht darum, jeden 50. Parkplatz einzeln umzuwidmen, sondern darum, die Menge der Parkplätze in einem Viertel zu erfassen und dort auf Kosten von Stellplätzen Bäume zu pflanzen – entweder in nur einer, oder in mehreren Straßen.

Jeder 50. Parkplatz soll in München gestrichen werden

Krieger erläutert: "Das Planungsreferat schätzt die Anzahl der Parkplätze im öffentlichen Raum auf 78.000." Somit könne man insgesamt zirka 1.560 Parkplätze in der Stadt umwidmen.

"In einer Zeit, in der nicht mehr jeder sein eigenes Auto besitzt und die Bedeutung des Carsharings, des Radverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs zunimmt, ist es sinnvoll, Stellplätze für Autos im öffentlichen Raum neu zu nutzen", sagt Krieger. Die Stadträtin hat noch einen weiteren Vorschlag für Mini-Wälder in der Stadt.

In Bebauungsplänen solle ab sofort zusätzlich zu einer Freifläche außerdem eine Fläche für eine Bepflanzung mit Bäumen oder einem Wald reserviert werden. Diese soll ungefähr zehn Prozent der Freifläche umfassen, fordert Krieger.

CSU hält Grünen-Offensive für "sehr populistischen Wahl-Gag"

Die für die Bäume reservierte Fläche solle – genauso wie bei der Versorgung mit Kitas und Schulen – in die Sozialgerechte Bodennutzung aufgenommen werden. In einem dritten Antrag fordert die Stadträtin, dass die Verwaltung dazu aufgefordert werden soll, auf offenen Baumbereichen – wie etwa in der Tengstraße – Wildblumen anzusäen und die Fläche mit einem Parkschutz zu versehen.

Für einen "sehr populistischen Wahl-Gag" hält CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl den Parkplatz-Antrag der Grünen. Er sagt: "Auch wir wollen ausdrücklich mehr Bäume in der Stadt – und haben dazu viele Anträge gestellt." Der Grünen-Antrag würde jedoch "undifferenziert" auf die örtlichen Gegebenheiten eingehen, kritisiert Pretzl.

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